»Chase-Riboud ist eine vollendete Künstlerin. Sie zeigt uns die Grausamkeit der Sklaverei und die Romantik der Liebe.«
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Die unbekannte Sally Hemings
By Barbara Chase-Riboud, Werner Peterich
»Chase-Riboud ist eine vollendete Künstlerin. Sie zeigt uns die Grausamkeit der Sklaverei und die Romantik der Liebe.«
Popular Reviews(1)
Barbara Chase-Riboud erzählt in „Die unbekannte Sally Hemings“ aus dem Diogenes Verlag die Geschichte der versklavten Sally Hemings, die über Jahre mit Thomas Jefferson verbunden war. Der Roman rückt Sally bewusst ins Zentrum und zeigt ihr Leben zwischen Abhängigkeit, emotionaler Bindung und dem Wunsch nach Freiheit. Jefferson wird nicht romantisiert, sondern als widersprüchlicher Mann dargestellt, der Freiheit predigt und gleichzeitig Menschen besitzt. Die größte Stärke des Romans liegt in seiner historischen Atmosphäre. Das Leben auf Monticello, gesellschaftliche Zwänge und politische Spannungen wirken sorgfältig recherchiert und glaubwürdig ausgearbeitet. Barbara Chase-Riboud vermittelt deutlich, wie eingeschränkt Sallys Handlungsmöglichkeiten trotz ihrer besonderen Stellung bleiben. Gleichzeitig ist das Buch nicht immer leicht zu lesen. Der Stil wirkt oft sehr schwer und überladen, mit langen inneren Monologen, ausführlichen historischen Abschweifungen und teilweise unnötig detaillierten Beschreibungen. Gerade in der zweiten Hälfte verliert der Roman dadurch mehrfach an Tempo. Manche Szenen wiederholen emotional ähnliche Konflikte, ohne der Handlung wirklich neue Aspekte hinzuzufügen. Dadurch entsteht stellenweise Distanz, obwohl die Geschichte eigentlich großes emotionales Potenzial besitzt. Auch die Figurenzeichnung ist nicht durchgehend überzeugend. Sally bleibt zwar die interessanteste Figur des Romans, doch viele Nebencharaktere wirken eher funktional und blass. Jefferson selbst erscheint bewusst kühl und schwer greifbar, entwickelt dadurch aber manchmal so wenig Persönlichkeit, dass die Dynamik zwischen ihm und Sally emotional an Kraft verliert. Gerade weil ihre Beziehung das Zentrum des Romans bildet, fällt diese Distanz stärker auf. Hinzu kommt, dass der Roman teilweise unsicher zwischen historischem Drama, politischer Analyse und tragischer Liebesgeschichte schwankt. Nicht alle Elemente greifen sauber ineinander. Einige Dialoge wirken zu modern formuliert, während andere Passagen fast essayartig trocken erscheinen. Dadurch entsteht kein durchgehend flüssiger Leserythmus. Trotz dieser Schwächen bleibt „Die unbekannte Sally Hemings“ ein interessanter und ambitionierter Historienroman, weil Barbara Chase-Riboud einer lange verdrängten historischen Figur Sichtbarkeit gibt. Das Buch überzeugt weniger durch Spannung als durch seine intensive Auseinandersetzung mit Macht, Rassismus und der Frage, wie Geschichte bestimmte Menschen jahrhundertelang unsichtbar gemacht hat.