4.6

Die Lücken

By Shida Bazyar

Format:Hardcover
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Nach ihren gefeierten Romanen über Exil und postmigrantische Gegenwart legt Shida Bazyar eine literarische Archäologie der Heimat vor. In einer präzisen Tiefenbohrung der Provinz stellt sie die radikale Frage: Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat?Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre Vergangenheit aktiv verschweigt und zugleich zum Zufluchtsort für diejenigen wird, die hier Geborgenheit suchen. Der Roman führt uns durch die Jahre und die Köpfe derer, die das Dorf prägten: von jüdischen Familien, die alles verloren, über NS-Profiteure, die sich als unschuldige Mitläufer neu erfanden, bis hin zu den Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. Shida Bazyar gelingt ein virtuoses Erzählmosaik über die Last der Geschichte, die Lüge des Neubeginns und den Wunsch, endlich eine Heimat zu finden.»Shida Bazyar blättert pars pro toto die Zeitschichten eines Jahrhunderts zwischen Gehaichnis und Geheimnis auf. Fesselnd und erschreckend aktuell.« Annett Gröschner

Literary & Contemporary Fiction
483 pages • Hardcover
First published 2026-09-03

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Popular Reviews(11)

4.6(71 ratings)
CarinaReviewed by Carina

Die Lücken ist ein sehr bewegender Roman, der sich über einen Zeitraum von nahezu 100 Jahren mit der deutschen Geschichte auseinandersetzt. Es ist definitiv kein Buch, das man nebenbei lesen kann – es verlangt viel Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich intensiv mit den vielschichtigen Themen auseinanderzusetzen. Der Roman hat mich tief bewegt und zugleich zum Nachdenken angeregt. Ich bin mir sicher, dass ich ihn ein zweites Mal lesen werde, um die Vielschichtigkeit und Komplexität der Geschichte noch besser zu erfassen.

Vana HinkeReviewed by Vana Hinke

Wir begleiten die Bewohner eines fiktiven Ortes im Hunsrück über mehrere Jahrzehnte. Dabei begegnen wir vielen unterschiedlichen Menschen, deren Geschichten zunächst scheinbar wenig miteinander zu tun haben. Doch nach und nach fügt sich alles zusammen und man versteht immer mehr, wie die einzelnen Lebenswege miteinander verbunden sind. Es sind wirklich viele kurze Kapitel von verschiedenen Menschen in verschiedenen Zeitspannen man muss wirklich sehr aufmerksam lesen

CarmenReviewed by Carmen

Schon nach den ersten Seiten war mir relativ klar, warum "Die Lücken" den Deutschen Buchpreis 2026 gewonnen hat. Vorab möchte ich an dieser Stelle ein Zitat aus dem Buch teilen, das mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist: >> Ein Ort ist die Summe aller Körper und Gehirne, aller Steine und Sträucher und Spiele und Streitigkeiten; ein Ort ist die Fakultät seiner Zeiten, seiner Fehler, seiner Versuche, seiner Annahmen und Gewissheiten; ein Ort ist die Differenz aus Gegenwart und Schuld, denn Orte sind immer unschuldig, da sind sie sich ganz sicher, auch nachts, wenn sie allein wach liegen und genauer darüber nachdenken.<< "Die Lücken" spielt im fiktiven Ort Heimesbach im Hunsrück. Einer provinziellen Gemeinde, stellvertretend für viele andere ländliche Regionen dieser Art; einem Dorf mit NS-Vergangenheit. Und über diese Vergangenheit wird unter den Einwohnern am liebsten kollektiv geschwiegen. Shida Bazyar nimmt uns auf über 500 Seiten mit auf den Weg durch ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Dabei spinnt sie ein Netz aus Verbindungen zwischen den verschiedenen Charakteren und zeigt auf, welche Auswirkungen deren Verhalten auf einzelne Schicksale oder das große Ganze hat. Über Jahre und Generationen hinweg. Ein Buch, sprachlich unfassbar fesselnd, für das man sich Zeit nehmen und an dem man gleichzeitig dranbleiben muss, um den Faden nicht zu verlieren. Keine einfache Kost. Ein Buch, das aufwühlt, lange nachhallt und uns unsere eigene Verantwortung in der heutigen Zeit ins Bewusstsein ruft. Wegsehen ist bequem. Hinsehen wichtiger denn je. Nie wieder ist jetzt!

Tanja Reviewed by Tanja

Dieses Buch ist wirklich herausragend und hat mit Recht den diesjährigen Buchpreis gewonnen. Ich hab das Buch an 2 Tagen durchgelesen. Es ist harte Kost, anspruchsvoll. Man muss dran bleiben, um die Vernetzungen der toll gezeichneten Charaktere zu verstehen. Ich denke, ich muss das Buch ein zweites Mal lesen, um alles greifen zu können. Es regt so sehr zum Nachdenken an, zur Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte in der NS-Zeit bis zum aktuellen Geschehen. Und zur Auseinandersetzung mit der Frage: Wie war es eigentlich in meiner Familie? Und wie gehen wir mit aktuellem Geschehen um? Die Lücken hat für mich viele Bedeutungen: Erinnerungslücken - bewusst oder unbewusst? Lücken im Stadtbild, Lücken, die Menschen hinterlassen haben. Lücken, weil man seine Heimat verlassen musste...Schönreden, weglassen, mitmachen, aus Freunden werden Fremde..... Alles in allem WOW. Das Buch wird noch längere Zeit nachwirken.

SeviReviewed by Sevi

Ein wirklich beeindruckender Roman, den Shida Bazyar hier geschaffen hat. Der Unwille sich mit der eigenen Vergangenheit der Nazizeit auseinanderzusetzen, das bewusste verdrängen bei gleichzeitiger Überzeugung man hätte anders gehandelt und die eigenen Großeltern hätten bestimmt auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden, kurz: die Lücken, die in der deutschen Erinnerung bleiben, werden in diesem Roman am Beispiel des Geburtsortes der Autorin, der allerdings fiktionalisiert wird, detailtief und eindringlich herausgearbeitet. Alle Figuren haben eine ganz eigene Sprache. Sie wirken so sehr nah und lebendig. Durch die mosaikhafte Erzählweise, die immer nur kurze Schlaglichter auf Ereignisse zwischen 1923 und 2011 wirft und dabei wild herumspringt, werden die titelgebenden Lücken für den*die Leser*in im Text selbst erlebbar. Erzählt wird die Geschichte durch ein wohl bei einem Autounfall gestorbenes Mädchen, welches mit ihrer Schwester Lu spricht. Diese Perspektive hat sich mir nicht erschlossen. Auch die Autorin scheint nicht vollständig überzeugt von dieser Idee, tritt die namenlose Erzählerin doch über die weitesten Strecken des Buchs hinweg als ganz normale auktoriale Erzählperspektive auf. Dass hier gerade ein totes Mädchen spricht, fällt nicht auf. Dadurch stört diese Entscheidung der Autorin nicht, fügt allerdings auch nichts dem Text hinzu.

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