Empfehlungen basierend auf "Wir selbst"
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von Jürgen Pettinger
Jürgen Pettinger, geboren 1976 in Linz, hat Wirtschaft & Management in Innsbruck studiert und als Redakteur und Moderator von Tirol heute im ORF- Landesstudio Tirol gearbeitet. 2012 wechselte er ins ORF-Zentrum Wien. Er moderiert die ZIB18, die ZIB Flashes, ZIB Nacht und gestaltet regelmäßig TV- und Radio-Reportagen. Für das Ö1-Radiofeature Mit einem Warmen kein Pardon. Der Fall Franz Doms wurde er mit dem Prof. Claus Gatterer-Preis und dem deutschen dokKa-Preis geehrt.
von Stephan Bierling
Er ist die Ikone unserer Zeit. Niemand sonst wird weltweit so sehr verehrt und bewundert. Sein Name steht für Freiheit, Frieden und Versöhnung, aber auch für Widerstand gegen Unterdrückung, für ein Ende der Rassendiskriminierung und für die Unantastbarkeit der Menschenwürde selbst unter schwierigsten Bedingungen. Am 18. Juli 2018 wäre der große Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden. Wer war dieser Mann, der seinen Weg als Jurist und politischer Aktivist begann, zur Stimme der Freiheit in seinem Land wurde, dafür 27 Jahre seines Lebens in Haft verbringen musste, das Ende der Apartheid aushandelte und schließlich Südafrika vor einem blutigen Bürgerkrieg bewahrte? Stephan Bierling legt die erste umfassend recherchierte Biographie aus deutscher Feder vor. Sie basiert auf bisher unzugänglichen Dokumenten und Gesprächen mit Weggefährten und zeichnet ein eindrucksvolles Porträt nicht nur des Widerstandskämpfers und Politikers, sondern auch des Menschen Nelson Mandela.
von Tobias Ginsburg
"Ein irrwitzig-wahnsinnig-komisches Buch uber die weitverzweigte Sumpflandschaft der rechtsradikalen Reichsburger. TObias Ginsburg hat sich monatelang in ihrem 'gemeinsamen Nest aus Menschenverachtung' aufgehalten und erzahlt als Literat und Aufklarer von dieser wahrhaft bedrohlichen Szene." Gunter Wallraff Gunter Wallraff
von Walter Kempowski
Dies ist eine ganz und gar einzigartige Dokumentation! Man kann Walter Kempowski gar nicht genug danken für die Sisyphosarbeit, von der das 1993 erstmals erschienene "kollektive Tagebuch" Zeugnis gibt: 15 Jahre hat er Biografien, Tagebücher, Briefe, Fotos, Akten und Notizen gesichtet, ausgewählt und geordnet, um uns mit ihrer Hilfe einen ganz besonderen, originären Einblick in ein außerordentliches Kapitel Zeit- und kollektive Seelengeschichte zu ermöglichen. Der Dokumentar enthält sich jeden Kommentars und lässt die Texte der Berühmten, Berüchtigten und der zahllosen Unbekannten für sich selber sprechen. Allein die Zu- und Anordnung, von der aufwändigen Recherche einmal ganz abgesehen, ist eine Meisterleistung und macht aus dem archivarischen Konvolut große Literatur.Das Echolot für die Monate Januar und Februar 1943, dem Kempowski mittlerweile mit Fuga Furiosa, 12.1.-14.2.45 und Barbarossa '41 weitere Bände hat folgen lassen, ist ein Werk, das den Leser unweigerlich mit in die Tiefe zieht. Funksprüche stehen hier neben Liebesbriefen, Frontberichte neben Einträgen in Terminkalender, literarische Arbeitsnotizen neben Klassenbucheinträgen. Kempowski selbst hat einmal gesagt, wer sich mit dem Echolot zu befassen beginne, habe "kaum eine Chance zu entkommen". So ist es!In den montierten Stücken verliert man sich, hier und da erschrickt man, wundert und empört sich oder grübelt einem Gedanken nach -- jenem etwa, den Albert Camus unter dem Datum 10. Februar 1943 notiert hat: "Das ganze Problem des Absurden müßte sich auf eine Kritik des Werturteils und des Tatsachenurteils konzentrieren lassen." An manchen Stellen muss man sogar einmal lachen. Wenn etwa ein Zensor aus einem beanstandeten Brief zitiert: "Liebe Inge! Wenn Du wüßtest, wie es mir geht, Dir stünde der Arsch voll Tränen."Meist jedoch überwiegt ein Gefühl der Bestürzung: Bestürzung darüber, was man den Autoren allesamt voraus hat: das Wissen um das Ende -- um die Hinrichtung etwa, die Sophie Scholl nur wenige Tage nach dem 17. Februar bevorsteht, als sie an ihre Freundin Lisa Remppis schreibt: "O, ich freue mich wieder so sehr auf den Frühling." So verschlingt man Band um Band und taucht am Ende aus dem Meer fremder Erinnerungen mit einem anderen Blick auf die Vergangenheit und mit geschärften Sinnen für die Gegenwart wieder auf.Als Walter Kempowski für sein Gesamtwerk, insbesondere aber für Das Echolot 1994 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat Gerd Langguth in seiner Ansprache gesagt, dies sei ein "auch im wörtlichen Sinne großes Werk von ebenso zeitgeschichtlicher wie literarischer Bedeutung -- wohl einzigartig in der Literatur unseres Jahrhunderts". Dem ist nichts hinzuzufügen! --Andreas Vierecke
von Michail Krausnick
Die Kinder der in Konzentrationslager verschleppten Sinti und Roma wurden von den Nationalsozialisten zu Waisen erklärt und in die Fürsorge katholischer Kinderheime gegeben. Auch Angela ist eines dieser Kinder. Eine Zeitlang bleibt sie von der Deportation nach Auschwitz verschont. Doch die NS-Führung duldet keine Ausnahmen. Die “Endlösung” soll eine “totale” sein. Als der große Bus kommt, um die Kinder zu dem versprochenen “schönen Ausflug” abzuholen, nimmt eine Schwester das Mädchen beiseite: “Du gehörst nicht dazu!” Angela aber versucht sich in den Bus zu schmuggeln und bekommt dafür eine saftige Ohrfeige, die ihr das Leben rettet.
von Neil MacGregor
Mit 335 farbigen Abbildungen und 8 Karten. Vom Autor des internationalen Bestsellers "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten" "Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind." Neil MacGregor stellt sie uns vor in einem Buch über Deutschland, wie es noch nie eines gab. Seine augenöffnende Reise durch die deutsche Geschichte beginnt mit dem Brandenburger Tor, und sie endet mit der Reichstagskuppel und Gerhard Richter. Unterwegs begegnen wir einem faszinierenden Ensemble, darunter Gutenbergs Buchdruck, Porzellan aus Dresden, deutsches Bier und deutsche Wurst, Goethe, Schneewittchen und Mutter Courage, die Krone Karls des Großen, ein Tauchanzug made in Ostdeutschland und das Tor von Buchenwald. Wie es Neil MacGregor gelingt, all diese Objekte zum Sprechen zu bringen und sie von deutscher Geschichte erzählen zu lassen, dabei die Schrecken der NS-Zeit nicht zu relativieren und doch den Reichtum der deutschen Geschichte begeistert und begeisternd vor dem Leser zu entfalten - das ist so intelligent, so bravourös und so unterhaltsam zugleich, dass man es einfach gelesen haben muss.
von Rüdiger Frank
Tiefe Einblicke in ein verstörendes LandNordkorea ist das isolierteste Land der Erde. Wenige Nachrichten dringen aus dem vom Kim-Clan diktatorisch regierten Staat nach außen, und wenn, dann sind es meist Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, brutale Straflager, Atomwaffenversuche, Waffenhandel, Streit mit Südkorea. Die völlige ideologische Gleichschaltung wird von der Bevölkerung augenscheinlich klaglos hingenommen. Rüdiger Frank ist weltweit einer der wenigen Kenner Nordkoreas, seit vielen Jahren besucht er das Land regelmäßig. Er beschreibt die Machtstrukturen und die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Geschichtsverständnis und den Alltag. Aus seiner langen Erfahrung berichtet er aber auch von den Veränderungen, die er in den letzten Jahren beobachten konnte, und versucht eine für uns unbegreifliche Gesellschaft ein wenig begreiflicher zu machen.
von Carola Stern, Ingke Brodersen
Verschieden Autoren, U.a. H. Mommsen, M. Pressler, U. Wölfel, Erzählen Geschichten Aus Der Zeit Des Nationalsozialismus.
von Sebastian Haffner
Ein Gespräch mit Jutta Krug über das ExilIst es nicht hübsch, wenn im Leben die Richtigen gewinnen? Wenn -- plopp! -- zu rechter Zeit Dokumente auftauchen, die Neider und Missgünstige Lügen strafen? Vor Jahresfrist hatten zwei weitgehend unbekannte deutsche Professoren in der FAZ einen Verdacht gesät: Sebastian Haffners Geschichte eines Deutschen sei gar nicht in der Emigration entstanden, sondern eine Mogelpackung, seine hellsichtige Voraussage von Hitlers Untergang sei Prophetie nach gelaufenem Rennen.Das vorliegende Buch tritt in die Reihen der zahlreichen Ehrenrettungen, die Haffner (bis hin zum Spiegel) seither erfahren hat. Aber es trägt etwas wesentlich Neues bei: Jutta Krug hat Haffner 1989 ausführlich interviewt. Der Autor äußert sich ausführlich über sein Schubladenbuch. Lesenswert für alle, die Geschichte eines Deutschen verschlungen haben.Was noch? Einblicke in eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, eine der wenigen des literarischen Exils: Junger, unbekannter Mann kommt nach England und schafft es aus dem Stand, Autor einer der führenden Zeitungen des Landes zu werden, nämlich des Observers. Ein Großer unter Deutschlands Journalisten führt die -- hier einmal positiven -- Zufälle einer Exilanten-Existenz vor. Und auch die Atmosphäre von Nachkriegs-Europa, einer mittlerweile untergegangenen Welt, atmet einem aus den Sätzen entgegen.Uwe Soukop hat in einem Nachwort noch einmal die Vita und vor allem auch die -- zahlreichen -- Debatten um Haffner zusammengestellt. Sehr lesenswert. --Michael Winteroll