4.0

Wie die Schweine

von Agustina Bazterrica, Matthias Strobel

Format:Softcover

Marcos verantwortet die Produktion einer Schlachterei. Er kontrolliert die eingehenden Stücke, kümmert sich um den korrekten Schlachtvorgang, überprüft die Qualität, setzt die gesetzlichen Vorgaben um, verhandelt mit den Zulieferern … Alles Routine, Tagesgeschäft, Normalität. Bis auf den Umstand, dass in der Welt, in der Marcos lebt, Menschen als Vieh zum Fleischverzehr gezüchtet werden.Dieser Roman hält uns Fleischfressern kompromisslos den Spiegel vor. Er stellt Fragen in den Raum - nach Moral, Empathie, den bestehenden Verhältnissen. Und er verschafft, was nur die Literatur verschafft: neue Einsichten, neue Gefühle, nachdem alle Argumente längst ausgetauscht sind.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
236 SeitenSoftcover
Erschienen an: January 20, 2020

Was ist bookie?

  • Gratis Lieferung in Deutschland
  • Finde Bücher die zu dir passen
  • Tracke dein Leseverhalten und setze dir Ziele
  • Connecte dich mit anderen Leser*innen

Aktuelle Rezensionen(7)

4.0(49 ratings)
Flippo9Rezension von Flippo9

Ich checke die Bedeutung dahinter, aber das war echt keine leichte Kost. Musste mich so häufig beinahe zwingen weiterzulesen, dass ich trotz der starken Message und Bildsprache nicht besser bewerten konnte.

krissys_moodbooksRezension von krissys_moodbooks

🥩’Wie die Schweine’🥩 – Agustina Bazterrica (Suhrkamp nova), übersetzt von Matthias Strobel “Ok wow, was für ein starkes Cover” dache ich, als ich das Buch verganges Jahr entdeckt hatte – und der Klappentext hat mich vollends überzeugt. ⚠️ Ich sag’s euch direkt zu Beginn: Das hier ist keine leichte Kost, euch wird wohl der Appetit vergehen und auf den Magen schlagen. Es ist roh, blutig, brutal und trifft dich genau dort, wo du dich eigentlich am liebsten wegdrehen würdest. Darum geht’s: Wir begleiten Marcos durch seinen Alltag in einer Schlachterei. Kontrollen, Abläufe, Vorschriften, Lieferketten – alles wirkt erschreckend routiniert, fast banal. Wären da nicht die Worte, die ihn nachts verfolgen: „Rumpfhälfte. Betäubungsapparat. Schlachtstraße.“ Wörter, die – wie Bazterrica schreibt – längst mehr sind als nur Sprache. Sie stehen für “Blut, Gestank, Automatisierung, Gedankenlosigkeit”. Für ein System, das so perfekt organisiert ist, dass kaum noch Platz für Empathie bleibt. In dieser Welt sind es keine Tiere mehr, die geschlachtet werden. Sondern Menschen. „Es dauerte nicht lange, da wurden sie wie Vieh gezüchtet, um die massive Nachfrage nach Fleisch zu stillen.“ Ein Satz, der erschüttert – und gleichzeitig erschreckend logisch wirkt. Bedarf erzeugt Strukturen. Strukturen erzeugen Gewalt. Und irgendwann erscheint selbst das Unvorstellbare als „notwendige Lösung“. Was mich besonders gecatcht hat, ist der Umgang mit Sprache. Die Regierung benennt um, beschönigt, vermarktet: Aus Fleisch wird „Spezialfleisch“, „Spezialfilet“, „Spezialrippchen“. Marcos beschreibt eine Werbung, die eine Familie beim Abendessen zeigt, freundlich, harmlos, normal. Marketing als moralischer Weichzeichner. Neue Worte, und schon fühlt sich alles weniger grausam an. Genau hier setzt für mich einer der stärksten Gedanken des Romans an: „Niemand darf Mensch sagen, weil ihnen dann etwas zugestanden werden müsste.“ Also sagt man “Produkt”. “Stück”. “Nahrung”. Solange wir Dinge sprachlich entmenschlichen, können wir sie benutzen, verwerten, konsumieren. Sprache wird zur Vorstufe von Gewalt und gleichzeitig zum Schutzschild fürs eigene Gewissen. Warum erschreckt mich diese Geschichte so sehr, obwohl ich genau weiß, wie reale Massentierhaltung funktioniert? Warum fühlen wir uns moralisch sicherer, solange „nur“ Tiere betroffen sind? Was unterscheidet Nutztiere von Haustieren – und wann haben wir diese Trennung eigentlich beschlossen? Und wie weit würden wir gehen, um unseren Konsum aufrechtzuerhalten? Bazterrica genialer move: sie ersetzt in ihrer Erzählung Tier durch Mensch – und hält uns als Fleischfressende Gesellschaft einen Spiegel vor. Sie zeigt, wie Normalität entsteht, wie Gewalt verwaltet wird, wie Gesellschaften sich an das Grauen gewöhnen. Dystopisch? Ja. Unvorstellbar? Leider nicht. Dieses Buch ist kein Genuss und will es auch nicht sein. Die besprochenen Themen sehr relevant und bei mir hat es einiges angestoßen. Weil es Fragen stellt, die ich nicht mehr so leicht loswerde. ❤️‍🔥🙏🏼 ⚠️ Triggerwarnung: Dieses Buch enthält explizite Darstellungen von Gewalt, Kannibalismus, körperlichem Missbrauch, Tötung, Entmenschlichung und systematischer Ausbeutung. Die Schilderungen können verstörend wirken und emotional stark belasten. Bitte lies dieses Buch nur, wenn du dich aktuell stabil genug fühlst. ⚠️ FSK 18 – keine uneingeschränkte Leseempfehlung Nichts für schwache Nerven oder Mägen.

Florentine HerrmannRezension von Florentine Herrmann

großartige, raffinierte Allegorie, sehr sehr interessante und komplexe Figurenkonzeption (vor allem die des Protagonisten) & unvorhersehbare Wendung!! Alles in allem ein wirklich wirklich brillantes Buch!

helenaRezension von helena

Eine sehr interessante Idee, die sehr gut umgesetzt wurde, vor allem da man als Leser durch den Hauptcharakter Marcos sehr nah an der Produktion ist und auch Einblicke in die gesamte Industrie bekommt. Das Verhalten der Menschen ist zum Teil schockierend, leider muss man aber wohl sagen, dass viele sich tatsächlich so verhalten würden, würde Tierfleisch für uns unessbar werden. Was mir gut gefallen hat, ist dass die Autorin den Lesern genug Freiraum lässt, selbst zu entscheiden, was in den Stücken (so werden die Menschen genannt die gezüchtet werden) vorgeht und ob Tierfleisch tatsächlich tödlich für die Menschen geworden ist, oder ob die Regierung den Virus nur erfunden hat. Urlet war mein Lieblingscharakter, da ich ihn als sehr poetisch und in einer gewissen Weise widersprüchlich wahrgenommen habe, was ich sehr interessant fand.

DarleneRezension von Darlene

Ein Buch über das Schlachten und die Abgründe menschlicher Zivilisation. In "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica, erschienen 2020 bei Suhrkamp, geht es um Marcos, die rechte Hand eines Schlachthofbetreibers. Doch das, was hier geschlachtet wird, sind keine gewöhnlichen Tiere, wie wir sie kennen. Marcos steht zwischen seinem Beruf, seiner Familie und seinen Überzeugungen und je grausamer der Inhalt erzählt wird, desto mehr erfahren wir über seine Vergangenheit und innere Welt. Der Stil des Erzählens ist nüchtern und zugleich poetisch, ohne überflüssige Personenbeschreibungen. Der Leser wird in diese groteske Welt gezogen und nur widerwillig wieder entlassen. Öfter musste ich das Buch beiseitelegen, das Gelesene rekapitulieren. Wie Kafka einst sagte: Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. "Wie die Schweine" ist ein verstörend intensiver Roman, der lange nachhallt.

Ähnliche Bücher