4.2

Was wir nicht kommen sahen

von Katharina Seck

Format:Hardcover
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Gratis Versand

Was tun, wenn die Tochter sich aus dem Leben verabschiedet? An einem ganz normalen Abend verabschiedet sich die 18-jährige Ada von ihrer Familie und beendet ihr Leben durch den Sprung von einer Brücke. Ihre Eltern Jenny und Dominik bleiben fassungslos zurück. Während Dominik sich vor seiner Trauer in Arbeit flüchtet, beginnt Jenny verzweifelt nach Antworten auf die Frage nach dem Warum zu suchen. Im Internet stößt sie auf eine Spur aus digitaler Gewalt, die sich gegen Ada richtete und der auch Jenny bald nicht mehr entrinnen kann.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
368 SeitenHardcover
Erschienen an: 2024-10-25

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Aktuelle Rezensionen(8)

4.2(20 ratings)
Jana EckhardtRezension von Jana Eckhardt

Das Buch hat mich überraschenderweise genervt. Die Autorin spricht viele der Themen an, die mich auch bewegen. Sie macht nahezu einen Rundumschlag und das hätte mich eigentlich abholen sollen. Aber ich fand es cringe. Es wirkte nicht organisch.Weder die Gedankengänge der Charaktere zu den Einzelnen Themen, wie Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Mobbing, Cyberkriminalität, Incelculture usw., noch die Beschreibung der Gefühlswelt der Mutter. Mehrere Absätze lange Metaphern und Bilder zu ihrer Trauer und ich wurde nahezu aggressiv, wenn ein beliebiges Objekt wieder mal als Sinnbild für ihre Gefühle herhalten musste. Ich war echt überrascht von mir. Ich meine, ich hab mal Proust gelesen und genau sowas hat mich begeistert. Aber hier bei diesem Buch hab ich die Absätze irgendwann großzügig übersprungen, nur damit ich endlich fertig werde. und ich wollte das Buch auch nicht einfach weglegen, weil ich die Geschichte an sich spannend fand. Jetzt bin ich froh, dass ich endlich durch bin.

AniRezension von Ani

Unglaublich gut umgesetzt, es fängt so viele Perspektiven ein und spricht so viel wichtige Themen an ohne das man den Faden verliert. Wichtiges Buch zu einem mehr als relevanten Thema.

JoanaRezension von Joana

Tolles Buch. Die Beschreibung von Trauer ist akkurat.

Kerstin GanglRezension von Kerstin Gangl

Katharina Seck greift in ihrem Roman ein sehr wichtiges, gesellschaftliches Thema auf. Die Gefahren des Internets. Die 18-jährige Ada stürzt sich in den Tod und niemand scheint zu wissen warum. Ihre Eltern haben nichts mitbekommen. Zuhause gab sie sich immer normal und gut gelaunt. Ein Teenager halt. Ihre Eltern, vor allem ihre Mutter, beginnen nach ihrem Selbstmord auf eigene Faust zu ermitteln. Was sie dabei zu Tage fördern, ist nichts für schwache Nerven. Immer mehr tauchen sie ein in die Welt in der Ada sich vor ihrem Tod bewegt hat. Es wird aus der Sicht von Ada, ihrer Mutter und der sogenannten Anonymität geschrieben. Durch die Anonymität bekommt man einen Eindruck, was in Menschen vorgehen könnte, die sich ihre Opfer online suchen. Gezielt oder auch nach Zufallsprinzip. Es werden viele gesellschaftlich relevante Themen angesprochen und macht auf die Gefahren, die im Internet lauern können, aufmerksam. Wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit social Media und diversen Streamingplattformen ist. Ein Buch, dass auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.

nessaboRezension von nessabo

Ein Brett von Buch und eine ganz wichtige Mahnung [TW: einige, aber primär Suiz!d, Mobbing, digitale Gewalt] Manchmal weiß mensch vor der Lektüre schon, dass das Buch eine Gratwanderung sein wird zwischen Gefallen und Herausfordern. Genau so ging es mir mit „Was wir nicht kommen sahen“. Das Buch ist ein absolutes Brett. Beim Lesen hatte ich zu 50 % einen Kloß im Hals, zu 35 % Wut im Bauch und zu 15 % Trauer im Herzen. Für die Geschichte muss mensch definitiv gewappnet sein! Ich bin beeindruckt davon, wie vielschichtig Katharina Seck dieses hochaktuelle Thema hier in ein anspruchsvolles und lesenswertes Buch mit thrillerhaften Zügen gepackt hat. Ada suiz!diert sich. Ihre Mutter Jenny hat daraufhin nicht nur mit der eigenen Trauer und den Herausforderungen einer Ehe nach dem Verlust des einzigen Kindes zu kämpfen, sondern versucht auch herauszufinden, was passiert ist. Ada kommt als zweite Erzählerin zu Wort und dröselt die Vergangenheit kurz vor ihrem Suiz!d nach und nach auf. Ganz besonders in der Geschichte ist die sogenannte Anonymität. Diese dritte Erzählperspektive besteht nicht nur aus einer namenlosen Person, sondern umfasst viele. Mal ist es ein frustrierter Mann, dem die Frauen nicht geben wollen, was ihm seiner Meinung nach zusteht (= Incel). Mal ist es eine junge Frau, die selbst zum Mobbingopfer wurde und aus Selbstschutz nun lieber bei den Mobbenden mitmacht. Und dann ist es wieder ein Mann, der über Plattformen wie Telegram in ein extremes Verschwörungsdenken abgedriftet ist und versucht, seiner Wut online durch Hasskommentare gegen die „Eliten“ Platz zu machen. Insbesondere diese Kapitel habe ich mit enorm viel Druck auf der Brust gelesen, so beklemmend ist diese Realität. Manchmal schienen mir die Gedanken der radikalisierten Personen zu reflektiert zu sein, ich verstehe aber, was die Autorin damit erreichen wollte. Wir bekommen als Leser*innen ein Profil von Menschen, die sich an Hass beteiligen, und versuchen, ihre Hintergründe zu verstehen, ohne sie jedoch aus der Verantwortung zu nehmen. Eine Gratwanderung, die der Autorin eindrucksvoll gelungen ist. Es werden viele weitere Themen in diesem Buch angeschnitten, denn besonders Ada macht sich als junge Frau realistischerweise Gedanken um gesellschaftliche Umbrüche und große Krisen wie etwa die Klimakrise. So finden neben digitaler Gewalt eben auch strukturelle Misogynie, Rassismus, Polizeigewalt oder Kapitalismuskritik Raum. Durch die wechselnden Erzählperspektiven, die sich zudem auf verschiedenen Zeitebenen befinden, bekommen wir abwechslungsreich und eindrucksvoll die Geschichte einer jungen Frau erzählt, welche ungeplant viel öffentliche Aufmerksamkeit erhält und sich dadurch extremer Gewalt ausgesetzt sieht. Doch Ada wehrt sich, lässt sich von Sprüchen wie „Das gehört zu einem Leben im Internet eben dazu“ berechtigterweise nicht aus der Fassung bringen. Dies ist keine Geschichte des Aufgebens, wenngleich es sehr wohl eine Geschichte über Verlust und ein schlimmstmögliches Ende ist. Die Autorin verflicht elegant Details zu einer runden Geschichte, die bei aller Schrecklichkeit Hoffnung machen kann. Die Figuren sind authentisch emotional und dadurch nah an den Leser*innen dran. Sowohl Adas als auch Jennys Wanken zwischen einerseits Angst und Widerstand sowie andererseits tiefer Trauer und dem Wunsch nach Gerechtigkeit sind extrem gut nachvollziehbar. Das Pacing wurde am Ende recht plötzlich langsamer, was der Handlung ein wenig an Eleganz geraubt hat - auch wenn ich verstehe, warum es so geschrieben wurde. Das Internet und Soziale Medien sind das, was wir aus ihnen machen. Digitale Gewalt ist nichts, das wir akzeptieren dürfen und dieses Buch ist eine äußerst schmerzhafte Mahnung. Must-Read!

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