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Aktuelle Rezensionen(1)
1983 erschien Vexierbild und vereint Erb zufolge erstmals eine neue Darstellungsweise ihres lyrischen Schreibens: das prozessuale Schreiben. Die Genese dieser Schreibweise, die versucht, synchrone Gedankengänge und Assoziationen, die im Moment des Schreibens beziehungsweise Schreiben-Wollens entstehen, in dem diachronen Medium des Papiers zur Darstellung zu bringen, liest sich ebenso interessant wie aufschlussreich. Wenig überraschend neigen einige Gedichte dieser Sammlung zu einer gewissen Schwerfälligkeit und verlieren sich bisweilen in ihrer eigenen Bewegung; nicht immer bin ich aus dieser Lektüre mit ästhetischem Gewinn wieder aufgetaucht. Christa Wolf bemerkt dazu einige Jahre zuvor treffend: „Du beschränkst dich häufig auf Molekularvorgänge von geringer, nicht geringfügiger Bedeutung. Dafür gibt es in diesen Texten allerdings kein beliebiges Wort.“ Gerade diese Präzision verweist meines Erachtens auch auf eine politische Dimension der Gedichte. Fast jedes Gedicht weist eine eigene Typographie auf, es gibt keine einheitliche Setzung auf dem Blatt. Das folgt sicherlich einerseits dem Gedanken der Prozessualität, ist andererseits aber wohl auch als Absage an einen sozialistischen Realismus zu lesen, der seit dem Bitterfelder Weg von Dichterinnen wie Erb deutlich linearere Gedichte erwartet hätte – sowohl hinsichtlich ihrer Form als auch ihres Inhalts und Ausdrucks.