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»Ich kenne nirgendwo einen Autor, der so präzise Gegenwartsanalysen schafft, wie Michel Houellebecq.« DENIS SCHECK

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
624 SeitenHardcover
Erschienen an: January 11, 2022

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Aktuelle Rezensionen(3)

3.7(23 ratings)
LeonieRezension von Leonie

Am Anfang dachte ich es wird ein politischer Thriller, eine Dystopie wie Houellebeq sie schon in anderen Romanen (bspw. in „Unterwerfung“) geschaffen hat. Dann ging es allerdings eher um Familie, Krankheit und der Umgang mit dem (eigenen) Tod. Hauptperson war Paul. Ein Franzose der oberen Mittelschicht, gut integriert in die pariser Polit-Szene. Eigentlich ging es nur um Pauls Leben und seine Weltanschauung. Mit der Bewertung tue ich mir außerordentlich schwer. In einer Kritik schrieb jemand: „Es wirkt, als hätte der Autor mehrere unterschiedliche Romane im Kopf gehabt und konnte sich nicht entscheiden, welchen er schreiben will, weshalb er alle zu einem unzufriedenstellenden Mischmasch zusammen getan hat.“ Dem muss ich zustimmen. Ich kann keinen wirklichen roten Faden erkennen. Verschiedene Themen und Erzählstänge werden aufgenommen, intensiv behandelt und dann doch wieder fallen gelassen. Das hat mich beim Lesen doch sehr gestört. Während ich jetzt darüber nachdenke, frage ich mich allerdings ob es nicht doch einfach eine gelungene Darstellung von Pauls Realität war. Denn in seinem Leben verlieren mache Themen aufgrund des ein oder anderen Schicksalsschlags einfach an Relevanz. In dem Roman werden viele interessante philosophische und politische Themen behandelt und ausgiebig diskutiert. Immer wieder geht es um die Rolle von Religion, was ich als durchaus interessant empfunden habe. Im letzten Teil des Buches wird vorallem der Umgang mit dem eigenen Tod behandelt , hier hat der Autor es geschafft mich dann emotional doch noch abzuholen - die 500 Seiten davor ist das nicht gelungen. Was mich an dem Buch massiv gestört hat ist der permanente Rassismus und der außerordentlich präsente Sexsismus des Hauptcharakters. Wirklich sehr eckelhaft. An dieser Stelle stellt sich die große Frage, die ich schon bei der letzten Lektüre Houellebeqs hatte: Ist der Autor selbst sehr sehr konservativ und diskriminierend in alle Richtungen oder stellt er lediglich gelungen die Weltanschauung eines klassischen „alten weißen Mannes“ dar? Aber geht Letzteres ohne Erstes? Diese Frage kann ich nicht klären. Alles in allem lässt mich das Buch unschlüssig zurück und auch wenn ich zu keinem Punkt daran gedacht habe, dass Buch nicht zu beenden, habe ich nicht das Bedürfnis in nächster Zeit noch mehr von Houellebequ zu lesen.

sunaRezension von suna

Ach, ich weiß ja nicht. “Vernichten” von Michel Houellebecq war ganz anders, als ich es erwartet habe. Ich habe mich auf einen philosophischen Polit-Thriller gefreut, dachte die Terroranschläge im Frankreich der nahen Zukunft wären das Hauptmotiv des Romans– waren sie nicht. Es ging um Individuum und Epoche- ein spannendes Zusammenspiel, wenn ich denn etwas mehr Sympathie für die Protagonist:innen hätte aufbringen können. Der Roman erzählt viel über das Leben der Figuren hinter der Fassade und wird irgendwann zu einer Familiengeschichte, die mich teils (besonders in den letzten Seiten) abgeholt hat, teils aber auch sehr gelangweilt zurückgelassen hat. Daher waren die 700 Seiten, die im Verlaufe des Buches immer weiter von den politischen Themen abwichen, nicht ganz, was ich mir erhofft habe. Letztendlich war mir das Buch zu weitschweifend, besonders, da die Charaktere ziemlich unliebsam sind. Trotz sehr guter sprachlicher Ausführung nahmen die flach beschriebenen Frauenbilder, die ständigen S*xszenen und die weit ausschweifenden Erzählungen über Nebenaspekte der Handlung mir ein wenig die Lust am Lesen. Gefallen hat mir aber das realistische Einfangen lebensnaher Situationen und auch das Setting der im Grunde schon vernichteten Gesellschaft. Ich glaube, in ein paar Jahren hätte mir das Buch vielleicht besser gefallen, so waren viele Aspekte der Geschichte zu weit entfernt von meiner Lebensrealität.

KoljaRezension von Kolja

"Vernichten" hat mich umgehauen. Houellebecq erschafft hier einen tieftraurigen Familienroman, der gleichzeitig als Polit-Thriller durchgeht. Die Betrachtungen und Beobachtungen der Charaktere sind aufwühlend und das Frankreich des Jahres 2027, welches hier entworfen wird, ist kalt, ungerecht und im Begriff der Entdemokratisierung. Houellebecqs bester Roman.

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