Um uns nur Dunkelheit
von Tracey Rose Peyton
Tracey Rose Peyton erwarb ihren MFA am Michener Center for Writers der University of Texas-Austin. Sie ist Absolventin von VONA/Voices, Callaloo, The Writer's Institute at CUNY, Sackett Street und Tinhouse und erhielt Stipendien von Hedgebrook und der Saltonstall Foundation. Ihre Kurzgeschichten sind unter anderem in Guernica, American Short Fiction, Prairie Schooner und Best American Short Stories 2021 erschienen. Sie lebt in Los Angeles. Agnes Krup, geboren bei Hamburg, arbeitete nach dem Studium als Verlagslektorin, Agentin und Literaturscout. Ihr Debüt »Mit der Flut« war auf Anhieb ein Erfolg. Zuletzt erschien im Aufbau Verlage ihr Buch »Leo und Dora«. Lange Jahre war New York ihre Wahlheimat, heute lebt sie als Autorin und Übersetzerin in Berlin.
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Um uns nur Dunkelheit
von Tracey Rose Peyton
Tracey Rose Peyton erwarb ihren MFA am Michener Center for Writers der University of Texas-Austin. Sie ist Absolventin von VONA/Voices, Callaloo, The Writer's Institute at CUNY, Sackett Street und Tinhouse und erhielt Stipendien von Hedgebrook und der Saltonstall Foundation. Ihre Kurzgeschichten sind unter anderem in Guernica, American Short Fiction, Prairie Schooner und Best American Short Stories 2021 erschienen. Sie lebt in Los Angeles. Agnes Krup, geboren bei Hamburg, arbeitete nach dem Studium als Verlagslektorin, Agentin und Literaturscout. Ihr Debüt »Mit der Flut« war auf Anhieb ein Erfolg. Zuletzt erschien im Aufbau Verlage ihr Buch »Leo und Dora«. Lange Jahre war New York ihre Wahlheimat, heute lebt sie als Autorin und Übersetzerin in Berlin.
Aktuelle Rezensionen(2)
Wir begleiten Serah, eine junge schwarze versklavte Frau um 1840 in Texas. Ihr Leben besteht aus harter Arbeit auf den Feldern: Baumwolle, Mais, Süßkartoffeln. Jahreszeiten gibt es für sie kaum, nur Aussaat, Ernte und das tägliche Überleben. Gemeinsam mit anderen Frauen lebt sie unter unmenschlichen Bedingungen: kaum Nahrung, wenig Kleidung und keinerlei Selbstbestimmung. Die Geschichte beginnt unmittelbar mitten im Alltag der Plantage und zeigt schonungslos die Grausamkeit der Sklaverei. Ehrlich gesagt war ich oft schockiert darüber, was versklavte Menschen damals ertragen mussten. Viele Szenen haben mich sehr betroffen gemacht. Im Mittelpunkt stehen sechs sehr unterschiedliche Frauen, die auf ihre eigene Weise mit Unterdrückung, Gewalt und Hoffnung umgehen. Besonders eindrücklich fand ich, wie die Autorin sie weniger als Einzelpersonen, sondern vielmehr als ein „Wir“, als Kollektiv, erzählt, verbunden durch Leid, Solidarität und Widerstand. Als ein fremder Mann auf den Hof kommt, nimmt die Geschichte eine besonders erschütternde Wendung: Die Frauen sollen schwanger werden, damit eines der Kinder später das Baby der Bäuerin stillen kann. Gleichzeitig entstehen im Verborgenen kleine Momente von Gemeinschaft, Treffen tief im Wald, Gebete, Hoffnung und ein Stück Menschlichkeit neben all dem Leid. Die Themen dieses Buches sind schwer: Sklaverei, sexualisierte Gewalt, Zwang, Verlust und Unterdrückung. Triggerwarnung: Vergewaltigung. Für mich ist es definitiv ein Mood-Read und wahrscheinlich nicht für jeden oder jede Stimmung geeignet. Ich brauchte etwas, um in die Schreibweise hineinzufinden, doch sobald ich angekommen war, ließ sich das Buch sehr flüssig lesen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich Ereignisse etwas wiederholen und wie eine Aneinanderreihung des harten Farmalltags wirken, gleichzeitig machte genau das vielleicht auch deutlich, wie aussichtslos und eintönig dieses Leben gewesen sein muss. Ein fesselnder, historischer Debütroman, der weh tut, nachhallt und vor allem die Stärke von Freundschaft, Solidarität und Widerstand in dunkelsten Zeiten zeigt.
„Um uns nur Dunkelheit“ von Tracey Rose Peyton erzählt von sechs versklavten Frauen auf einer texanischen Plantage im Jahr 1852, deren Besitzer beschlossen haben, sie gezielt zur Vermehrung weiterer Sklaven auszubeuten. Dafür mietet er einen so genannten Reisemann, einen Sklaven, an, der den Beischlaf mit diesen Sklavinnen auf der Plantage vollziehen sollte. Nan, die heimlich Kenntnisse über Heilpflanzen nutzt, um Schwangerschaften zu verhindern und den Frauen zumindest ein kleines Stück Kontrolle über ihre eigenen Körper zurückzugeben, steht als ältere und weise Frau im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist ruhig, vorsichtig und wirkt oft wie ein emotionaler Anker der Gruppe. Daneben stehen Figuren wie die junge Junie, die sich noch an Erinnerungen aus ihrer Kindheit klammert, die hoffnungsvollere Serah oder die härtere Patience, die gelernt hat, Gefühle zu verbergen, um zu überleben. Gerade die unterschiedlichen Arten, mit Angst und Gewalt umzugehen, machen die Frauen greifbar und geben dem Roman seine emotionale Stärke. Der Roman konzentriert sich weniger auf große äußere Handlung als auf den graussmen, ungerechten Alltag der Frauen: ihre Gespräche, ihre Ängste, ihre kleinen Gesten von Fürsorge und die ständige Bedrohung durch die Männer, die Macht über sie besitzen. Dadurch entsteht eine sehr dichte, äußerst bedrückende Atmosphäre. Besonders gelungen ist, wie die Autorin zeigt, dass Widerstand hier oft leise geschieht – in Geheimnissen, im Schutz der anderen Frauen oder in kleinen Entscheidungen, die trotz allem Menschlichkeit bewahren. Die Beziehungen untereinander wirken glaubwürdig und tragen das Buch deutlich stärker als die eigentliche Handlung. Allerdings ist genau das auch ein Schwachpunkt dieses Romans. Es ist keine plotorientierte Geschichte, sondern über weite Strecken ruhig und kreisend. Positiv bleibt jedoch emotionale Tiefe, viele Szenen beschäftigen sich mit Gedanken, Erinnerungen und Stimmungen, was eine Nähe zu den Frauen schafft. Einige Figuren bleiben jedoch etwas blasser als andere. Insgesamt ist „Um uns nur Dunkelheit“ eindrucksvoll, weil der Roman seine Figuren nie auf ihr Leid reduziert. Die Frauen wirken verletzlich, wütend, hoffnungsvoll und manchmal erschöpft zugleich. Das Buch zeigt nicht nur Grausamkeit, sondern auch Zusammenhalt und den Versuch, unter unmenschlichen Bedingungen Würde zu bewahren. Gerade Leser, die ruhige, literarische historische Romane mit starkem Fokus auf Atmosphäre mögen, dürften hier viel finden. Ein emotional ansprechendes Buch. Feinfühlige Leser werden schwer mit Gefühlen der Ohnmacht, Rassismus und Ungerechtigkeit zu kämpfen haben.