Ultramarin
von Ann-Christin Kumm
Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort? Ann-Christin Kumms Debüt ist ein psychologisch meisterhaft konstruiertes und erotisch flirrendes Spiel mit Macht, Manipulation und Begehren.
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Ultramarin
von Ann-Christin Kumm
Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort? Ann-Christin Kumms Debüt ist ein psychologisch meisterhaft konstruiertes und erotisch flirrendes Spiel mit Macht, Manipulation und Begehren.
Aktuelle Rezensionen(7)
Die anstrengende, aber glaubhafte Geschichte einer toxischen Beziehung Die Grundidee des Romans hat mir gut gefallen und erst recht die queere Perspektive. Ann-Christin Kumm hat auch auf jeden Fall ein Händchen für die beklemmende, irgendwie gefährliche Atmosphäre ihres Debüts. Und doch hatte ich zunehmende Schwierigkeiten mit dieser Geschichte. Diese begannen für mich schon bei der sprachlichen Gestaltung. Kumm verzichtet auf direkte Rede mit den entsprechenden Satzzeichen, sodass Gespräche nicht direkt erkennbar sind. So etwas irritiert mich sehr, sodass das Lesen immer anstrengender ist als bei Werken mit direkter Rede. Ich kann mich dadurch eher schlecht in die Geschichte fallen lassen. Und auch die Figuren haben es mir nicht so leicht gemacht. Raf ist natürlich ein absolutes Ekel, getragen wird die Geschichte aber von Lous Gedanken. Ich würde seine Figurenzeichnung durchaus als authentisch bezeichnen, aber so wirklich greifen konnte ich ihn nicht. Er blieb mir trotz seiner Erzählperspektive emotional zu distanziert. Gleichzeitig hilft diese Distanzierung sicherlich beim Aushalten der absolut schrecklichen Beziehung zwischen den beiden jungen Männern. Ich finde es fast fatal, wie harmlos sich Lous Schilderungen anhören. Raf ist manipulativ und gewaltvoll, ihre Beziehung strotzt nur so vor Gaslighting und Herabwürdigung, der sich auch Rafs Schwester Sophie durch ihre fehlende Intervention meiner Meinung nach irgendwie anschließt. Ich war wütend beim Lesen und habe Raf von ganzem Herzen verabscheut. Hier steht eine Beziehung im Mittelpunkt, die Lou immer wieder als Freundschaft bezeichnet, die mich aber wirklich angestrengt hat. Zumal Lou auch älter ist in den Gegenwartskapiteln des Buches und ich nicht so recht verstehen konnte, warum er in dieser emotionalen Abhängigkeit verbleibt. Aber andererseits scheint er auch keine Freund*innen zu haben und Raf ist so hart besitzergreifend, dass das auch leichter gesagt als getan ist. Von daher will ich gar nicht so von oben herab über Lous Situation urteilen - ich halte die Dynamik für erschreckend authentisch geschrieben. Es ist lediglich meiner Präferenz geschuldet, dass ich sie als zu anstrengend empfunden habe. Die zunehmende Entwicklung des Buches war mir dann aber auch zu derb und hatte für meinen Geschmack zu viele Psychovibes, die mich besonders am Ende ziemlich verloren haben. Dahingehend nicht mein Buch, aber eine Empfehlung für Menschen mit Interesse an toxischen Beziehungskonstellationen und düsteren Vibes.
Es ist ein kurzes Buch, das mich nicht losgelassen hat - man kann es an einem sonnigen Sonntag durchlesen. Man darf aber nicht damit rechnen, eine seichte, leichte Urlaubslektüre vor sich zu haben - es handelt sich, obwohl es praktisch nur im Sommer spielt, um teils düsteren, in jedem Fall anstrengenden Stoff. Wir haben hier eine Coming-of-Age-Story, die auf zwei Ebenen erzählt wird: Das Jetzt, in dem die beiden Hauptfiguren (einer davon der Erzähler) mit einer dritten Person eine Woche in Dänemark zum Sommerurlaub verbringen. Und Episoden (oft ebenfalls gemeinsame Sommerurlaube) seit dem Kennenlernen von Erzähler und zweiter Hauptfigur im Teenageralter über zehn Jahre zuvor. Dabei dreht sich Alles um die Passivität, die Ergebenheit, die Unterwürfigkeit des Erzählers gegenüber der zweiten Hauptfigur und wie er über den Lauf der Zeit sämtliche Redflags ignoriert und sich mangels ausreichender Reflexionsgabe immer stärker manipulieren lässt. All das wird in einer alternativlosen Vehemenz dargestellt, sodass ich kein Mitleid mit ihm, seinen Erlebnissen und seinen Verletzungen, seinen Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten aufbauen kann. Stattdessen sind die beiden zentralen Charaktere, auf denen das Buch aufgebaut ist, von Beginn an unsympathisch und ich fand sie mit jeder weiteren Seite schlimmer. Gerade der Erzähler wird vor dem Hintergrund seiner fehlenden Einsicht immer nervtötender. Die Chance, all diese Spannungen und Untiefen am Ende aufzulösen, vergibt die Autorin, in dem sie beide Erzählstränge im Extremen kulminieren lässt, was den Ereignissen eine überaus drastische Unwahrscheinlichkeit zukommen lässt (auch wenn diese Enden mich letztlich nicht gänzlich überrascht haben). Einziger Pluspunkt: Homosexualität spielt eine erfreulich nonchalante Rolle und tritt in verschiedenen Momenten völlig zwanglos hervor, ohne dass ihre Thematisierung eine politische Funktion erfüllen muss. Zudem ist das mann-männliche Begehren zwischen Erzähler und zweiter Hauptfigur aus meiner Sicht nicht so besonders, weil es sich um zwei Männer handelt, sondern eben wegen der massiven Abhängigkeit, die geschildert wird (und was ich, wie oben beschrieben, wenig ansprechend fand). Die psychologische Komponente überlagert die geschlechtliche hier völlig (auch wenn man natürlich immer fragen kann, inwiefern das eine das andere nicht beeinflusst ...), was wiederum ein erfrischendes Merkmal im Vergleich zur ansonsten landläufigen literarischen Berücksichtigung von Homo- und Bisexualität ist. Fazit: Empfehlen kann ich "Ultramarin" nicht, aber ich möchte keinesfalls davon abraten. Vielleicht können andere dem Werk deutlich mehr abgewinnen.
💭 M E I N U N G Die Geschichte von Lou, Raf und Nora, die den Sommer gemeinsam in einem Ferienhaus an der dänischen Küste verbringen, wird aus Lous Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Dass Lou ein Junge ist, ist mir erst gegen Ende des Romans klar geworden, diesen Irrtum hätte man durch eine andere Namensgebung vermeiden können. Lous Charakter ist fein gezeichnet, seine sensible und nachdenkliche Art, wird eindrucksvoll umschrieben. Ebenfalls die zwielichtige Anziehung zu Raf kommt gut hervor, wie auch das manipulative Verhalten, das deren Beziehung prägt. Durch die ganze Geschichte zieht sich eine unterschwellige Spannung, wie auch kleinere Bedrohungsmomente, wodurch eine enorme Sogwirkung entfalten wird. Was mir besonders gut gefallen hat, war die flirrende Atmosphäre des Romans. Einerseits spürt man die Leichtigkeit des Sommers, andererseits liegt eine Schwere über der Geschichte, die sich beim Lesen fast schon beklemmend anfühlt. Auch die toxischen Verhaltensweisen und die Manipulation, die damit einhergeht, wie auch deren Auswirkung auf Lous Gedanken und Gefühle, waren eindrucksvoll hervorgehoben. Mein größter Kritikpunkt liegt in der Offenheit der Erzählung. Das ist natürlich Geschmacksache, aber ich persönlich bin ein Fan davon, wenn ein Roman eindeutig erzählt wird und nicht zu viele offene Fragen hinterlässt. ⭐️ F A Z I T Ein sommerliches Debüt, das trotz ruhiger und atmosphärischer Erzählweise eine flirrende Spannung mitbringt, die mich an das Buch gefesselt hat. 🌊
Wow
„Ultramarin“ von Ann-Christin Kumm ist kein klassischer Sommerroman und genau das macht ihn so fesselnd. Schon auf den ersten Seiten liegt etwas Unbehagliches in der Luft. Lou, Raf und Nora fahren gemeinsam an die dänische Küste in ein abgelegenes Haus, doch statt Urlaubsstimmung spürt man von Anfang an Spannung, unausgesprochene Gefühle und eine Beziehung, in der etwas ganz und gar nicht stimmt. Die Dynamik zwischen Lou und Raf wirkt seltsam distanziert und gleichzeitig erschreckend intensiv. Man fragt sich ständig: Was ist hier eigentlich passiert? Die Rückblenden, die vielen kleinen Andeutungen und die unklaren Grenzen zwischen Nähe, Eifersucht und emotionaler Abhängigkeit sorgen dafür, dass man immer weiterliest. Das Buch legt falsche Fährten, baut Druck auf und alles steuert unweigerlich auf eine Eskalation zu. Mit nur rund 224 Seiten entwickelt sich ein richtiger Sog. Ich musste am Ende wirklich schlucken, weil ich mit diesem Ausgang überhaupt nicht gerechnet habe. Ein spannender, düsterer Roman über toxische Beziehungen und zwischenmenschliche Abgründe, langsam erzählt, aber von der ersten Seite an packend. 📖💔