Was würden die Wände erzählen, wenn sie sprechen könnten? Die Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner von der NS-Zeit bis heute.Im Treppenhaus eines alten, vierstöckigen Hauses begegnen sich die Schülerin Nele Bittner und die 90-jährige Irma Thon. Sie beginnen ein Gespräch, durch das der trockene Geschichtsstoff für Nele lebendig wird. Ihre Geschichte erzählt das Gebäude selbst, in dessen Mauern, Dielen, Rohren und Ritzen Erinnerungen an alle Bewohner hausen — über ein Jahrhundert hinweg. Zu Irma hat das Haus eine besondere Bindung, denn sie hat schon als Kind mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gewohnt. In der obersten Etage lebt Nele in der Wohnung, die einst Familie Sternheim bewohnte, deren Schicksal Irma mitzuverantworten hat. Für das Haus passiert immer alles zugleich: Während die kleine Ruth Sternheim die Treppe runterspringt, erinnert es sich schon an die SA, deren Knüppel das Schaufenster des Sternheim'schen Uhrengeschäfts im Erdgeschoss Jahre später zerbersten lassen. Während Irma zum Ende ihres Lebens zurückblickt, fördert Nele mit ihren Fragen das Verdrängte in der eigenen Familie zutage.
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Treppe aus Papier
von Henrik Szántó
Was würden die Wände erzählen, wenn sie sprechen könnten? Die Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner von der NS-Zeit bis heute.Im Treppenhaus eines alten, vierstöckigen Hauses begegnen sich die Schülerin Nele Bittner und die 90-jährige Irma Thon. Sie beginnen ein Gespräch, durch das der trockene Geschichtsstoff für Nele lebendig wird. Ihre Geschichte erzählt das Gebäude selbst, in dessen Mauern, Dielen, Rohren und Ritzen Erinnerungen an alle Bewohner hausen — über ein Jahrhundert hinweg. Zu Irma hat das Haus eine besondere Bindung, denn sie hat schon als Kind mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gewohnt. In der obersten Etage lebt Nele in der Wohnung, die einst Familie Sternheim bewohnte, deren Schicksal Irma mitzuverantworten hat. Für das Haus passiert immer alles zugleich: Während die kleine Ruth Sternheim die Treppe runterspringt, erinnert es sich schon an die SA, deren Knüppel das Schaufenster des Sternheim'schen Uhrengeschäfts im Erdgeschoss Jahre später zerbersten lassen. Während Irma zum Ende ihres Lebens zurückblickt, fördert Nele mit ihren Fragen das Verdrängte in der eigenen Familie zutage.
Aktuelle Rezensionen(20)
unglaublich bewegende Geschichte, mit Denkanstößen und die Frage der eigenen familiären Vergangenheit,
Beim Lesen von Treppen aus Papier habe ich mich sofort von der Grundidee angesprochen gefühlt. Wahrscheinlich fragt sich irgendwann jeder einmal, wer vor einem selbst in der Wohnung oder im Haus gelebt hat, wer es erbaut hat und welche Schicksale sich dort abgespielt haben. Besonders die Verbindung zwischen der NS-Zeit und der Gegenwart fand ich spannend und gelungen. Leider konnte mich das Buch sprachlich nicht wirklich mitnehmen. Stellenweise wirkte es auf mich so, als wollte man zu viele stilistische Besonderheiten einbringen, wodurch sich die Geschichte für mich eher schwer lesen ließ. Schade, denn die eigentliche Idee hat großes Potenzial. Das Ende wiederum fand ich gut gemacht und stimmig. Was mich zusätzlich irritiert hat, war die zeitliche Einordnung der Generationen. Meiner Meinung nach fehlt in der Familiengeschichte eine ganze Generation – Neles Großeltern können zeitlich eigentlich kaum Erwachsene in der NS-Zeit gewesen sein. Das wirkte auf mich nicht ganz nachvollziehbar. Insgesamt also: starke Idee, interessantes Thema und gutes Ende, aber leider trotzdem nicht mein Buch.
Ich hatte anfangs wie viele hier meine Schwierigkeit reinzukommen, aber dran bleiben lohnt sich! Sprachlich wie inhaltlich eines der berührendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Und vor allem, das Fragen im Kopf aufmacht, die sicher noch eine ganze Weile nachwirken werden.
Schöne Geschichte, ich habe allerdings etwas gebraucht, um in den Schreibstil reinzukommen, der sehr poetisch und damit teils umständlich zu lesen ist.
Ein Buch, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es gerne noch einmal zum allerersten Mal lesen würde. Diesen Zauber von etwas völlig Neuem und Besonderem hatte ich in einem Buch lange nicht mehr. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, von der NS-Zeit bis in die Gegenwart und beschäftigt sich viel mit Aufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung. Das Besondere daran: Das Haus selbst fungiert als Erzähler. Das mag sich im ersten Moment kitschig anhören, ist es aber überhaupt nicht. Es ist ein Haus, das beobachtet, wahrnimmt und resümiert, was in seinem Inneren vor sich geht, aber ohne je eingreifen zu können: „Uns bleibt die Stimme versagt, ein tröstendes Wort an sie können wir nicht richten." So berichtet das Haus von den Familien, die in ihm gelebt haben. Faszinierend ist dabei, wie der Autor Vergangenheit und aktuellste Gegenwart ganz selbstverständlich ineinander fließen lässt. Und gleichzeitig ist es eines der diversesten Bücher, die ich je gelesen habe, und ich brauche unbedingt mehr davon.