2.8

Stern 111

von Lutz Seiler

Format:Hardcover
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Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West: Nach dem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort – in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.

Biografien & Memoiren
527 SeitenHardcover
Erschienen an: 2020-03-01

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Aktuelle Rezensionen(2)

2.8(6 ratings)
AnnaRezension von Anna

Besonders schön zu lesen weil ich die Gegend in Berlin sehr gut kenne, gerade vor ein paar Tagen wurde das „bewohnte“ Haus in der Rigaer Straße durchsucht, also sehr passend. Carl ist eine interessante Figur, einserseits so mutig (alleine nach Berlin ziehen, ohne Plan ohne Ressourcen) andererseits so voller Angst (seine Gedichte). Diese Angst sich zu zeigen, verletzlich und unfertig, ist denke ich etwas was viele junge Menschen beschäftigt in den Umbruchsphasen des Lebens (die meistens kein Mauerfall sind aber sich ähnlich gravierend anfühlen). Ich wette im Deutsch Unterricht könnte noch viel mehr Interpretation aus dem Werk raus gepresst werden.

AstridRezension von Astrid

Warum sind Bücher für Erwachsene oft so traurig? „Stern111“ hat mir größtenteils gut gefallen, es hat eine träumerische Sprache und interessante Figuren. Zuweilen liest sich die Handlung in Berlin wie ein großer Fiebertraum, was aber gut zu der verwirrenden Zeit passt, die sie beschreibt. Zu meiner Beunruhigung konnte ich wesentlich besser mit den sechzigjährigen Eltern des Protagonisten in der hessischen Provinz relaten als mit dem Ende-Zwanzig-Jährigen selbst. Die Sprache wird dann klarer, die Handlung logischer und auch zuversichtlicher. Vielleicht heißt das für mich, dass mir das Leben als mittellose Schriftstellerin in der Hausbesetzerszene ein bisschen zu unsortiert gewesen wäre? Ein bisschen zu lang, ein bisschen zu traurig, aber ein schönes Portrait der Wendezeit.

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