Splitterfasernackt
von Lilly Lindner
Als Kind Missbraucht Führt Lilly Lindners Von Seelischen Verletzungen, Magersucht Und Selbstmordversuchen Geprägter Lebensweg In Die Arbeit Als Prostituierte In Einem Berliner Edelbordell.
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Splitterfasernackt
von Lilly Lindner
Als Kind Missbraucht Führt Lilly Lindners Von Seelischen Verletzungen, Magersucht Und Selbstmordversuchen Geprägter Lebensweg In Die Arbeit Als Prostituierte In Einem Berliner Edelbordell.
Aktuelle Rezensionen(4)
Das Buch ist hart, schonungslos ehrlich und Zeitgleich in einem so poetischen Schreibstil, dass man einfach hinein gerissen wird. Lilly Lindner hat ein Talent dafür die passenden Worte zu finden und jeden Satz wie ein Gedicht klingen zu lassen. Ich liebe ihre Bücher vom ganzen Herzen und diese Biografie ist seit vielen Jahren eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe.
Lilly Lindner wurde mit sechs Jahren von ihrem Nachbarn vergewaltigt. Seitdem war ihr Leben mehr oder minder zerstört und sie begann zu Hungern, um so wenig wie möglich von ihrem geschundenen Körper mit sich herumzutragen. Sie schließt aber nicht nur Freundschaft mit der Magersucht, sondern auch mit der Prostitution, da sie sich sagte, wenn ihr Körper sowieso nicht mehr zu ihr gehört, dann kann sie ja wenigstens damit Geld verdienen. Natürlich klärt sich diese Denkweise während des Lesens auf und die Hintergründe dieser Worte und Lillys Gefühle werden dem Leser mehr als deutlich gemacht. Schon auf den ersten Seiten sieht es so aus, als müsse man starke Nerven haben, um das Buch durchzustehen. Da kann ich aber jeden beruhigen, denn das Buch ist ziemlich durchwachsen von guten und auch schlechten Momenten, sodass man das Buch wirklich in einer ganz eigenen Art und Weise genießen kann. Das Buch ist fesselnd und hat eine berauschende Wirkung. Diese Wortmacht nimmt den Leser vollkommen ein und legt ihm Handschellen an. Handschellen die manchmal schmerzen, die aber auch mal ganz befreiend sein können. Man fühlt den Schmerz von Lilly und die Bilder laufen dabei ohne Vorwarnung ab. Alles wird so echt geschildert, dass nur noch die Gänsehaut fehlt. Irgendwie hat es das Buch geschafft, dass ich mich während des Lesens, wie Lilly selbst, ein wenig schuldig an einer Sache gefühlt habe, für die ich nichts kann. Doch zwischen diesen ganzen traurigen und unfassbaren Momenten am Anfang des Buches, lässt auch jede Menge Schönes auf sich warten. Die Atmosphäre im 'Passion', das Bordelle, in dem Lilly zu arbeiten beginnt, ist unglaublich warm und herzlich. Gar nicht so, wie man immer glaubt. Die Vorurteile gegen das ganze Milieu werden in dem Buch sicherlich gebrochen und man bekommt einen ganz anderen Blickwinkel aufgewiesen. Lilly fühlt sich dort unglaublich wohl und auch mir haben es die Mädels im 'Passion' wirklich angetan. Auch Charaktere außerhalb des Bordells, wie zum Beispiel Lillys Kindergartenfreund Chase waren Menschen, die mir mit jeder Seite in dem Buch mehr ans Herz gewachsen sind. Es ist wirklich schade, sie verlassen zu müssen. Lilly war in den zwei Wochen des Lesens mehr als nur eine Freundin für mich geworden. Nie habe ich einen so tiefgründigen Menschen kennengelernt. Sie ist wirklich etwas ganz Besonderes, was man wirklich immer wieder zu spüren bekommt. Und man kann jede Handlung nachvollziehen, auch wenn man sich selbst niemals vorstellen könnte, wie Lilly zu leben. Sich selbst zu verletzen, mit Absicht zu frieren, mit Absicht zu hungern, nur um sich Leid zuzufügen für einen Vorfall, an dem sie selbst am allerwenigsten Schuld trägt. Die Autorin schreibt mit echter Wortgewalt und bindet Metaphern ein. Im Grunde ist das Buch wirklich eine Mischung aus alldem, was man der deutschen Sprache entnehmen kann. Für mich persönlich ein Meisterwerk. Wenn ihr wissen möchtet, wie Lilly ihr bisheriges Leben verbracht hat, ob sie die Magersucht besiegen kann und ob sie den Absprung aus dem Rotlichtmilieu schafft, ob sie jemals Sex und Gewalt trennen lernt, dann müsst ihr das Buch lesen. Und das müsst ihr unbedingt! Einige Fragen habe ich an Lilly Lindner im Nachhinein. Und vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit, auf wenigstens eine Frage eine Antwort zu erhalten.
Bei diesem Roman handelt es sich um die Autobiografie der Autorin und ehrlich gesagt weiß ich nicht wie ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben soll. Es ist einfach nur erschüttert was Lilly mit jungen Jahren durchmachen musste und welchen Einfluss die Geschehnisse auf sie und ihr weiteres Leben hatten und vermutlich auch heute noch haben. Nachdem Lesen von Splitterfasernackt kann ich sagen, dass Lilly eine sehr starke Frau ist. Aus meiner Sicht gehört eine Menge Mut dazu das erlebte aufzuschreiben und an die Öffentlichkeit zu tragen. Vor allem nachdem sie als Kind geschwiegen hat aus Angst das ihr einfach niemand glaubt. Trotz ihres bildhaften Schreibstils und ihrer Wortgewandheit konnte ich mich nicht in Lilly hineinversetzen. Es fühlte sich eher so an als würde ich immer neben ihr hergehen und so alles miterleben. Und hier hört es bei mir auch schon wieder auf mit dem Wortfluss, denn ich will und kann kein Leben bewerten. Weshalb meine Sternebewertung auch einzig und allein dem Schreibstil von Lilly gilt, denn wenn ich den Inhalt bewerten müsste, dann wären wir irgendwo im Minusbereich. Wir dürfen nicht vergessen das es sich bei Splitterfasernackt um eine Autobigrafie handelt und nicht um einen fiktiven Roman. Ich wünsche mir das Lilly durch das niederschreiben, das ganze wenigstens ein bisschen verarbeiten konnte und vielleicht auch anderen Betroffenen Mut machen konnte zu reden. Das ihre Seele für immer verletzt ist, da müssen wir nicht drüber reden. Dennoch ist es Lilly und allen anderen Betroffenen vielleicht trotzdem irgendwie möglich ein normales Leben zu führen.
Mega spannendes Buch zu einem sehr wichtigem Thema. Toller schreibstil, konnte das Buch nicht aus der Hand legen…