Solange ein Streichholz brennt
von Christian Huber
Über die Kraft eines einzigen Moments, der so viel erzählen kann wie ein ganzes LebenBohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er mit Mitte dreißig aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich gerade so durch.Alina, eine ehemals aufstrebende Journalistin, scheint in ihrer Laufbahn an einem toten Punkt angekommen zu sein. Ihre letzte Chance auf eine Karriere ist der Auftrag für eine Dokumentation über Obdachlosigkeit, die sie für ihren TV-Sender drehen soll.Zufällig trifft sie auf Bohm, der sich widerstrebend auf das Projekt einlässt. Zu seinem Schrecken erkennt er, dass er dabei ist, sich in die zielstrebige Frau zu verlieben. Eine Liebe, die niemals eine Chance haben wird?Nun … das Leben geht seine eigenen Wege.
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Solange ein Streichholz brennt
von Christian Huber
Über die Kraft eines einzigen Moments, der so viel erzählen kann wie ein ganzes LebenBohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er mit Mitte dreißig aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich gerade so durch.Alina, eine ehemals aufstrebende Journalistin, scheint in ihrer Laufbahn an einem toten Punkt angekommen zu sein. Ihre letzte Chance auf eine Karriere ist der Auftrag für eine Dokumentation über Obdachlosigkeit, die sie für ihren TV-Sender drehen soll.Zufällig trifft sie auf Bohm, der sich widerstrebend auf das Projekt einlässt. Zu seinem Schrecken erkennt er, dass er dabei ist, sich in die zielstrebige Frau zu verlieben. Eine Liebe, die niemals eine Chance haben wird?Nun … das Leben geht seine eigenen Wege.
Aktuelle Rezensionen(27)
Die junge Fernsehmoderatorin Alina soll für eine Reportage einen obdachlosen Mann begleiten. Mehr braucht man über die Handlung eigentlich erstmal nicht wissen. Auch wenn der Roman auf den ersten Blick von Obdachlosigkeit handelt, geht es in Wirklichkeit um etwas anderes. Um Schuld. Um Wahrnehmung. Um die Geschichten, die Menschen mit sich herumtragen. Und um die Frage, wie viel von einer Person wir überhaupt wahrnehmen, wenn wir sie zum ersten Mal ansehen. Alina hat früh gelernt, wie Bilder funktionieren. „Wer kontrolliert, wie ein Bild gezeigt wird, kontrolliert dessen Wirkung. Der erste Eindruck ist entscheidend.“ Sie ist in einem Umfeld tätig, das von genau diesem Gedanken lebt. Menschen werden gefilmt, bearbeitet, kategorisiert und in Geschichten verwandelt. Die Medienwelt und einige Charaktere erscheinen absichtlich übertrieben, an manchen Stellen sogar wie Karikaturen. Manches davon war mir zu viel. Der Roman formuliert seine vielleicht wichtigste Aussage selbst: „Der erste Eindruck ist entscheidend. Wieso war es bei Bohm dann der zweite Eindruck, der sie so durcheinanderbrachte?“ (Alina) Für mich ist das der eigentliche Schlüssel des Buches. Auf den ersten Blick scheint es, als gehe es um Obdachlosigkeit. Es geht aber mindestens ebenso sehr um Wahrnehmung, Vorurteile und die Frage, inwieweit der erste Eindruck darüber bestimmt, wer für uns ein Mensch sein darf. Bohm ist zunächst der obdachlose Mann mit dem Hund. Dann wird er mehr. Und mit jeder Seite wird deutlich, wie wenig der erste Blick über einen Menschen aussagt. Besonders gut gelungen fand ich den Kontrast der beiden Erzählstimmen. Bohms Stimme ist gebrochen, vorsichtig, körperlich. Er erlebt die Welt durch Schmerzen, Gerüche, Geräusche und kleine Beobachtungen. Die Vergangenheit verfolgt ihn, auch wenn er versucht, ihr nicht ins Auge zu sehen. Dagegen erscheinen Alinas Kapitel oft wie aus einem Film. Sie berichten von Sehnsucht, Chancen und einer allmählich sich entwickelnden Hoffnung. Trotzdem begegnen sich beide Figuren immer wieder in den selben Widersprüchen. Bohm denkt: „Er wollte fort. Aber bleiben wollte er auch.“ Alina denkt: „Sie wollte ihn sehen und wollte es nicht. Sie wollte in seine Nähe und weit von ihm weg.“ Der Roman setzt auf kleine Verschiebungen. Gefühle entstehen nicht über Nacht. Schuld verschwindet nicht durch eine einzige Entscheidung und Nähe wächst nicht in einem Augenblick. Sie entsteht langsam, beinahe unmerklich. In einem Blick. In einer zarten Berührung der Hände . Der Roman erklärt Emotionen nicht, er zeigt sie in einer wunderschönen Sprache. Daher haben mich einige einzelne Szenen mehr berührt als die eigentliche Handlung. Besonders die späteren Kapitel, in denen Bohm sich seiner Vergangenheit stellen muss, haben mich emotional mitgenommen. Dort wird deutlich, dass seine Geschichte nie wirklich von Obdachlosigkeit gehandelt hat. Es geht um Schuld. Durch Verdrängung. Und davon, wie lange jemand vor sich selbst weglaufen kann. Tatsächlich hat mich die Liebesgeschichte weniger überzeugt. Ich verstehe, aus welchen Gründen sie entsteht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der Roman sie tatsächlich gebraucht hätte. Die Geschichte hätte für mich auch als Freundschaft funktioniert. Für mich wirken die letzten Kapitel deutlich stärker als das eigentliche Ende. Ein etwas offenerer Schluss hätte für mich besser zu den Themen des Buches gepasst. Trotz allem bleibt ein Roman übrig, der mich in seinen Bann gezogen hat. Eine Person, die nicht gänzlich klischeefrei ist und gelegentlich ins Triviale abgleitet. Doch auch einer, der immer wieder Formulierungen entdeckt, die lange im Gedächtnis bleiben. 4 von 5 ⭐️ Zitate: „Schuld blieb nicht zurück. Sie zog mit. In Gedanken. In Träume. In die Haut, bis hinab in die Knochen.“ „Ein Gedanke. Von ganz unten. Vergraben und verschüttet, die Erde daraufgeschaufelt, gepresst und festgetrampelt, Jahr um Jahr, Schicht um Schicht, Sediment um Sediment.“ „Da war jetzt etwas in ihrem Inneren, in ihrem Brustkorb, leicht links versetzt. Winzig. Ein winziges Korn. Ein Gefühl, das sie nicht einordnen konnte. Nur eines wusste sie: Angst war es nicht.“ „Diese Wärme hatte das winzige Korn in ihrem Brustkorb groß und größer werden lassen. Bis das, was daraus entsprang, in allen Farben schillerte und strahlte. Gepflanzt und aufgegangen. Die Natur kannte nur die Zukunft.“
“Solange ein Streichholz brennt” hat mich sehr berührt. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich ein Leben verändern kann und dass niemand davor gefeit ist, von heute auf morgen alles zu verlieren. Gerade diese Botschaft hat mich nachdenklich zurückgelassen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Alina und Bohm erzählt. Besonders gelungen fand ich, dass sich die Rückblicke auf Bohms früheres Leben sprachlich von den übrigen Kapiteln unterscheiden. Sie sind knapper geschrieben und auch anders aufgebaut. Dadurch wirken sie wie Erinnerungsfetzen, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. So versteht man immer besser, warum Bohm heute der Mensch ist, den Alina kennenlernt. Die wechselnden Perspektiven sorgen außerdem dafür, dass man beide Figuren verstehen lernt und nicht vorschnell urteilt. Mit jeder Seite wächst das Mitgefühl für ihre Lebensgeschichten. Für mich ist “Solange ein Streichholz brennt” ein bewegender Roman über Schicksal, Hoffnung und die Erkenntnis, dass sich das Leben innerhalb kürzester Zeit völlig verändern kann.
Ein ganz tolles Buch. Ich habe es nur so runtergelesen, man konnte gar nicht aufhören. Der Weg um Bohm ist ergreifend, nah und gefühlsstark. Nach dem Ende des Buches, hätte ich gern einfach weiter gelesen.
Ich Fand das Buch wirklich toll. Ich lieb die Story fand es spannend es war traurig aber auch lustig ich hatte es in 3 Tagen durch und war bis jetzt das beste Buch was ich dieses Jahr gelesen habe
Ein wunderschönes Buch, das ich gerne gelesen habe.