Paranoide Verschwörungstheorien, rechte Ideologien, viel zu viele Vollidioten: Rhys Kinnick hat die Welt aufgegeben. Bis die Welt ihn in seinem Häuschen im Wald einholt.
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So weit weg
von Jess Walter, Georg Deggerich
Paranoide Verschwörungstheorien, rechte Ideologien, viel zu viele Vollidioten: Rhys Kinnick hat die Welt aufgegeben. Bis die Welt ihn in seinem Häuschen im Wald einholt.
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Rhys Kinnick lebt nun seit sieben Jahren in einer Hütte im Wald. Er hat sich von seiner Familie zurückgezogen und auch vor einem politischen System in der Trump-Ära, das ihn, den liberalen Umweltjornalisten, konsterniert zurück ließ. "Aber wenn er ehrlich war, waren es nicht diese Menschen, seine amerikanischen Landsleute, von denen viele vermutlich immer schon so verstört, verängstigt oder zynisch gewesen waren und das jetzt erst zeigten, indem sie einen Rassisten und lächerlichen Hochstapler zum Präsidenten wählten (...) In Kinnicks Innerem herrschte eine Leere, die sich wie eine Depression anfühlte." Seite 44/45. Aber nicht nur das. Seine Ehe ging in die Brüche, seine Tochter Betany verliebte sich in die falschen Männer und er sich vermutlich in die falschen Frauen und er verlor seinen Job bei der Zeitung. An Thanksgiving war die Situation mit seinem Schwiegersohn eskaliert, und Rhys entschied sich für Rückzug in den Wald. Sein Schwiegersohn Shane hatte sich einer radikalen Christengemeinde angeschlossen, deren Aktivisten auch bereit waren, mit Waffengewalt für das Recht Gottes bzw. ihre Verschwörungstheorien zu kämpfen. Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen Rhys und Shane, bei der Rhys zugeschlagen hat. Der Tiefpunkt war erreicht. Sieben Jahre später steht eine fremde Frau mit seinen Enkelkindern, die er kaum erkennt, vor seiner Hütte im Wald. Er müsse sich um die Enkel kümmern, seine Tochter sei verschwunden. Ein wilder Roadtrip durch die Wälder Washingtons, Idahos und Kanadas beginnt. Rhys versucht mit Hilfe seiner Freunde Brian und Joanie, seiner ehemaligen Freundin Lucy und des pensionierten Cops, Chuck, seine Tochter zu finden und seine Enkel vor ihrem Vater und den gewaltbereiten Gemeindemitgliedern zu schützen. Dass mit der zusammengewürfelten Truppe nicht alles glatt läuft, kann man sich denken. Meinung: Jess Walter zeichnet in seinem Roman ein düsteres Bild eines zerrissenen Landes. Die erste Trump-Ära hat begonnen, die radikale Rechte ist weiter auf dem Vormarsch. Die Corona-Pandemie spaltet das Land weiter. Die radikalen Christengemeinden haben Zulauf, Verschwörungstheorien kursieren, Waffengewalt wird verherrlicht, ebenso wie das Bild einer gehorchenden Hausfrau am Herd. Neben den politischen Aspekten geht es aber auch um auseinanderdriftende Familien, Enttäuschungen, Schuld, Verantwortung und das Weglaufen vor sich selbst. Ich glaube, es war der wildeste Roadtrip meines Lebens mit den abgehalftertsten Figuren. Es ist von Alkohol-, über Drogenkonsum, Waffengewalt, Verschwörungstheorien bis zu Ehebruch und Versöhnung alles dabei - vermutlich ein Stück weit das echte Leben.