Empfehlungen basierend auf "Serpentinen: Roman"
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von Ilona Hartmann
Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff auf der Donau. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und ungewöhnlicher Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.
von Judith Hermann
Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht. "In knappen, klar strukturierten Sätzen mit sparsamen bildhaften Vergleichen, die eine spröde Schönheit entfalten, schildert ihre Hauptfigur das, was ihr an der windumtosten Küste widerfährt... Prägnant ist auch das Figurenensemble, denn die Protagonistin nimmt behutsam Verbindungen zu anderen Menschen auf... Mühelos fängt Judith Hermann etwas von unserer Zeit ein: den eigentümlichen Zustand des Dazwischen" (deutschlandfunkkultur.de). Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021, Belletristik
von Leona Stahlmann
ZWEI SCHÜSSEVetko erschoss ihn dann selbst. Oder: verschoss, wie der Lohwieser gesagt hatte, als er Vetko seine Jagdbüchse lieh.»Wenn du ihn verschießt«, hatte Lohwieser gesagt, »machs nicht in Taubners Revier, der kriegt das spitz, der redet, die Leut’ reden. Du weißt ja.«Vetko hatte genickt und geschwiegen und mit beiden Händen sein grünes T-Shirt gedreht, den Rand wie Zigarettenpapier aufgerollt. Er hatte zu Mina geblickt, an sich herunter. Lohwieser hielt ihm das Gewehr hin, die Haenel, die er dem Taubner aus dem Hochsitz geklaut hatte. Vetko nestelte am grünen Stoff und schaute nicht auf und nahm das Gewehr nicht. Lohwieser zog den Hebel zurück; das Patronenlager öffnete sich. »Ein Schuss nur ist drin«, sagte er, »dann musst du nachlegen. Einzelladerbüchse.«Vetko presste Daumen und Zeigefinger eng um die Stoffrolle. Kaum merklich krümmte der Zeigefinger sich, kurz und wie ein Muskelzucken, ahmte nach, was Lohwieser am Abzug vorführte.Eine Woche vor Schulbeginn wusste Mina noch immer nicht, wie sie ihren Sommer den anderen erklären sollte. Ob sie Vetko verschweigen konnte? Ob er es in der Schule herumerzählen würde? Sie hoffte, dass das, was Vetko in ihr verrückt hatte, von außen nicht sichtbar wäre. Noch bevor die Schule wieder begann, zog sie die Bilder dieses Sommers hervor, sorgfältig eines nach dem anderen, und pinnte sie gegen die Innenwand ihrer Stirn. Sie brachte sie in eine Ordnung, den Kuss, die Abdrücke der Fichtennadeln auf ihren Oberschenkeln, die Haut auf dem Becher Milch und zuletzt Vetkos Hand an ihrer Kehle. Sie betrachtete lange die Bilder, glänzend und ohne die Fingerabdrücke eines anderen außer ihr selbst, und dann fügte sie eine letzte Schicht hinzu, so behutsam, als würde sie mit Blattgold arbeiten. Am Abend vor dem ersten Schulmontag strich Mina eine Unschärfe über jedes Bild von Vetko und ihr, die die Nacktheit ihrer beider Körper und Vetkos Kopf gerade genug verwischte.Sie wünschte sich, Vetko und sie würden hinter dem Knirschen von mit nach Hause gebrachtem Ostseesand in den Turnschuhen und dem Flattern von bleichblondem Salzhaar in den Sommergeschichten ihrer Freunde zurücktreten, übersehen werden und schließlich verschwinden. Mina würde Vetko in der Schule behandeln wie vor diesem Sommer auch: als den Sitzenbleiber, der immer allein in der ersten Reihe hockte. Was sie beide an den Nachmittagen trieben, würde sich verheimlichen lassen, bis sie genug davon hatte. Bis sie es verstanden hatte.Vor ihr lief der Hund und vor dem Hund Vetko, es war sein Hund, ein Mischling mit stumpfem Fell und Nebel in den Pupillen. Früher war es einmal Miros Hund gewesen. Miro, Vetkos älterer Bruder, war im letzten Jahr an einem Sonntag nach Klößen und Rotkraut mit dem Sechserbus aus dem Ort gefahren und nicht wiedergekommen, während sie alle, Mina und Vetko und die anderen Schüler der Gesamtschule im Ort, noch Stuhl an Stuhl nebeneinandersaßen und der jeweils andere aufhörte, wo die Holzbeine seines Tischs begannen. Und auch, wenn sie alle nicht gewusst hätten, was tun, hätte die gewohnte Erstarrung des Raums sich eines Vormittags aufgelöst und Stühle und Tische und Körper ineinandergewirbelt wie in einem Kaleidoskop, Minas Gesicht in das von Robert, Malenes Hände in Fabians Schoß: Sie alle über ihren Heften stellten es sich vor und träumten besonders deutlich dort, wo ihre Stifte die Ränder der ordentlich eingeschlagenen Bücher berührten und ihre Füße parallel ausgerichtet zum Lehrerpult zeigten. Über dem Pult hing die große Uhr, die so tat, als könnte man eine verknotete Zeit regelmäßig bemessen, obwohl sie jeder von ihnen anders fühlte: mal voranbrausend, dass es ihnen schwindelte, mal so verhärtet, dass der Zeiger fast am Voranschieben der Sekunden zerbrach. Und doch tickte die Uhr täglich in einem absurd genau gleichbleibenden Maß von acht bis zwei und tat so, als wäre nichts; als wäre der Abstand zwischen jedem Ziffernblattstrich genau gleich, regelmäßig gesetzt wie Kommata in einem lang gezogenen Bandwurmsatz, den Schüler und Lehrer und alle anderen im Ort täglich zur selben Zeit im Chor aufsagten, zur Stunde genau: das Dorf eine Wanduhr und sie die herausfedernden Figuren darin. Vetko bewunderte Miro, sie alle taten das, und er war stolz auf den Hund, den sein Bruder ihm vererbt hatte. Viele im Ort kannten Vetko nur als Miros kleinen Bruder; und als er den Hund bekam, war es für ihn fast gewesen, als wäre er selbst ein wenig zu Miro geworden. Abends, wenn er den Hund ausführte, breites Leder um den breiten Nacken des Tiers und die Leine sehr fest in der rechten Hand, ging er dann breitbeiniger als gewöhnlich und rief den Hund nicht laut zurück, wenn er ihn losgelassen hatte, sondern ahmte Miros gedämpftes Zungenschnalzen nach.Jetzt lief das Tier mit einem schwankenden Gang, waberte mehr um die Hindernisse des Weges, als dass es sie umging, blieb an Steinen hängen, knickte in Bodendellen ein. Vetko vermied jeden Blickkontakt.Mina trug die Haenel, Vetko den Spaten. Er ging rasch und federnd, der Mund entspannt. Durch das Gras am Weiher schwirrten kleine weiße Falter und streiften ihre Fußgelenke. Mina hätte ewig so laufen können in dieser Reihe aus drei Gehenden, schweigend durch den Wald, aus dem die Tagesfarben auswuschen, in dem die Tagesstille mit dem Nachtlärm wechselte: das zudringliche Rauschen der Grillen, das sich in der Dämmerung aufblähte und ein Zelt über die Bäume spannte.Der Hund blieb nah an Vetko, folgte seinem Tritt in die dichter werdende Tannenschonung. Er schloss auf und rieb den Kopf an Vetkos Knie. Vetko blieb abrupt stehen. Die Wege hatten genauso aufgehört wie die Markierungen an den Bäumen: Hufe für Reitpfade, gelbe Rauten für Wanderrouten, Forstwirtschaftlicher Verkehr frei. Noch zwei Schritte, einer, und sie ließen das letzte Schild hinter sich, darauf die Umrisse einer Tanne in einem Kreis: der Bannwald, jenseits von Taubners Jagdrevier.Wer im Forst bestimmte, konnte man auf einen Blick erkennen: Hier hatte Wild sich an Gebietsgrenzen zu halten, Maschendraht spannte sich um die Stämme frisch gesetzter Fichten, und das Wühlen der Wildschweine wurde mit Stromdrähten im Wald gehalten. Im Forst war es lärmig von Waldarbeitern, Wanderern, Wirtschaftlichkeit. Als sie in den Bannwald traten, steckten sie sich die Finger in die Ohren, über die sich eine luftdichte Taubheit gelegt zu haben schien. Sie schüttelten die Finger, um die Haube über den Ohren loszuwerden, aber als der Hund einem huschenden Eichhörnchen hinterherkläffte, begriffen sie: Da war keine Haube. Der Hund sprang nutzlos an einer ausladenden Weidbuche hoch, deren Stamm bis zur kahlen verbrannten Krone in zwei Hälften gespalten war; der aufgerissene Stamm war besiedelt mit melonengroßen Stachelbartpilzen, deren weiße zottige Stränge aussahen wie in einem Vollbart festgefrorene Schneewehen. In den Hungerwintern nach dem Krieg hatten die Frauen und Kinder im Ort sie von den Bäumen gekratzt und gegessen; Mina erinnerte sich, dass ihre Großmutter davon erzählt hatte. Vetko nahm die Finger aus den Ohren. Sie lauschten dem Hund, bis er sich beruhigte, und dann kamen auch die anderen Geräusche zurück wie eine Welle, die sich vom Ufer zurückgezogen hatte und mit neuem Schwung dagegenbrandete, das raspelnde Schwarmzittern der Insektenleiber, das schwere Flappen von Flügeln mit weiteren Spannbreiten als die der Finken und Dohlen, die es im Forst gab.»Bereit?«, fragte Vetko. Mina kniete sich vor den Hund und streichelte seine Ohren.Vetko band die Leine um den Stamm einer Fichte. Daneben wuchs eine Gruppe Fingerhutpflanzen, aufrechte schlanke Säulen, jede blühende Glocke voll mit Gift und greller roter Farbe, und im Licht der tief hängenden Sonne hinter dem Wald wirkte der Hund wie ein Märchenwolf aus einem Schattenspiel. Vetko nahm Mina bei der Hand und zog sie fort – zwei Meter, zehn, zwanzig.»Vetko«, sagte sie leise, ein geduckter Versuch, aufzuhalten, was nicht aufzuhalten war. »Bist du dir sicher?«Seine Hand in ihrer lag kalt unter einem Schweißfilm, er sagte: »Ja«, sagte: »Ich brauche keinen schwachen Hund.«Der Hund winselte leise hinter ihnen. Da drehte Vetko sich um, nahm ihr in der Drehung die Haenel aus dem Arm, blickte starr durch das Zielfernrohr. Was er sonst nicht wusste, hatte Vetko in den Münzschlitz der Suchmaschine gefüttert und verwackelte Videos bekommen, die Schussdistanz erläuterten und dass man in den Kopf des Tiers schoss oder bei Wild den Blattschuss machte durch das Schulterblatt. Aber der Hund war ja kein Hirsch und kein Reh, sondern ein Hund.Vetkos Zeigefinger krümmte sich, ein Zucken, wie Lohwieser es ihm gezeigt hatte. Doch die Kugel flog nicht gerade, sie beschrieb einen Bogen und prallte an der Fichte ab und sprang in die Böschung. Vetko, kaltes Wasser auf der Stirn und im Nacken, senkte das Gewehr, ließ seine Hand hastig zum Hebel seitlich des Zielfernrohrs fliegen, legte eine zweite Patrone ein, Einzelladerbüchse, und er schoss blindlings ein weiteres Mal auf den kläffenden, vor Angst und Erregung an der Leine reißenden Hund, und er traf, kaum zu fassen, den Hund auf die Stirn zwischen die Augen, und die Kugel drang ein in das Hundehirn und schlug vielleicht durch das, was sich mit feingliedrigen Ärmchen und Beinchen und Fühlern durch den Schädel des Hundes gefädelt hatte und ungeheuer schnell gewachsen war, schnell wie eine Sagengestalt und ebenso vielköpfig, und den Hund schwach gemacht hatte und hinfällig und fast blind.Die Kugel trat am Hinterkopf aus, und Mina hätte gern gesagt: Der Schuss zerriss die Stille, aber er zerriss nichts, nur den Hundekopf mit seinem Tumor darin, und der Wald legte eine große, kühle Hand auf Vetkos Mund und ließ ihn nicht schreien, und der Wald schluckte überhaupt Hall und Nachklang und Bedeutung dieses Schusses und ließ Kugel und Hirn weich fallen.Vetko grub, und das Blut des Hundes lockte die Bremsen an, gedrungene, dunkle Körper und dicke Saugrüssel. Sie brauchten all ihre Hände, um die Erde auf das Loch zu schaufeln, das dann doch sehr groß geworden war, Vetko mit dem Spaten und Mina mit Fäusten voll Boden und ausgerissenem Moos. Vetko klopfte schweigend die Erde fest. Er sah zufrieden aus, den Tierarzt und seine Spritze hatte er nicht gebraucht, er hatte nichts nötig vom Dorf und den anderen außer Lohwiesers gestohlener Büchse.Mina reichte ihm die Leine, die sie vom Baum gelöst und unschlüssig in der Hand gewogen hatte. »Zum Erinnern«, sagte sie.»So was braucht man für Hunde, nicht fürs Erinnern«, sagte Vetko ruhig. »Ich habe keinen Hund.«In den Tagen nach dem Schuss schraubte Vetko das Blechschild mit dem Piktogramm eines großen schwarzen Hundes an der Gartentür seines Elternhauses ab, Warnung vor dem Hunde, und weil er nicht wusste, wohin damit, und es hilflos in den Händen hielt, viel zu lang, steckte Mina das Schild zu der Leine in den Rucksack und radelte zum Waldsee, auf dem das Schild flach aufklatschte und die Leine kurz oben schwamm, sich vollsaugte und unterging. Beides sank ohne Strudel oder aufsteigende Luftblase, einfach so, sehr schnell.
von Ian McEwan
Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens - und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und noch nicht mal von den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Ian McEwan verneigt sich vor Kafka, um eine Welt zu beschreiben, die Kopf steht.
von Lux Lana
»Ein großes, ergreifendes Buch, bei dem ich mich so sehr nach einem Happy End gesehnt habe wie noch niemals zuvor.« Olga Grjasnowa Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle. Lana Lux hat einen gnadenlos realistischen Roman über Ausbeutung, Gewalt und Schikane geschrieben, über ein Leben am Rande der Gesellschaft, geführt von einer Heldin, die trotz allem schillernder nicht sein könnte.
von Dana Grigorcea
Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. "Uns kann niemand brechen", pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat - und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät. "In "Die nicht sterben" erzählt Dana Grigorcea eine so verträumte wie beinharte Schauergeschichte" (Frankfurter Rundschau). "Die Motive der Gier und des gegenseitigen Aussaugens ziehen sich durch diese schauerromantisch aufgeladene Groteske, in der die Vergangenheit und die Gegenwart kunstvoll und hochkomisch ineinander verwirbelt sind" (Platz 4 der SWR-Bestenliste Mai 2021)
von Sasha Filipenko
Die eine kämpft gegen das Vergessen, der andere möchte nichts lieber als das. Sasha Filipenko ist eine junge, furchtlose Stimme der russischen Literatur.
von Jakob Augstein
»Hier wird das, was bis dahin ein eher sehr sachlicher und sehr politischer Thesen-Roman war, nun plötzlich spielerisch-mysteriös. [...] Das alles ist klug und durchdacht.«