4.4

Portrait meiner Mutter mit Geistern

von Rabea Edel

Format:Hardcover
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Ein Name ist nicht viel – aber manchmal ist er alles, was wir haben Rabea Edels Roman umspannt Jahrzehnte und verknüpft Zeitgeschichte mit persönlichem Schicksal. Im Mittelpunkt: eine unangepasste Frau, flirrend, poetisch und mutig, die isch entscheidet, dem scheinbar Vorherbestimmten etwas Eigenes entgegenzusetzen. Raisa lebt allein mit ihrer Mutter Martha und das schon immer. An ihren Vater hat sie keine Erinnerung. Ihr Name ist das Einzige, was sie von ihm bekommen hat – besser so, sagt Martha. Doch Raisa beginnt, Fragen zu stellen. Als der Nachbarsjunge Mat verschwindet, beginnt Martha zu erzählen. Von der Großmutter Dina. Von Lügen, die schützen, und Lügen, die in Gefahr bringen. Von der Liebe ihres Lebens und ihrem größten Verlust. Rabea Edel zeichnet in ihrem Buch die bewegende Lebensgeschichte ihrer Mutter und das Portrait einer Nachkriegsgeneration, die im Schatten der Gewalt und des Schweigens aufgewachsen ist. Sie erzählt von der Kraft der Liebe und von der Rückeroberung der eigenen Geschichte durch die Sprache. Ein Buch wie ein Kaleidoskop, das vor allem die Frauen in den Blick nimmt – und die weibliche Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. "Es liegt eine Art Trost in Edels Sprache, in der Zurückhaltung, mit der sie erzählt. Eine wahre Bereicherung." Haaretz Drei Generationen von Frauen, die ohne Väter aufwachsen Eine Tochter, die den Zirkel des Schweigens durchbricht Der neue Roman der vielfach ausgezeichneten Autorin "Rabea Edel beschreibt in überraschenden Bildern das Entgleisen der Gefühle. Durch verblüffende Dialoge und Porträts gelingt ihr ein Roman über die Abhärtung gegen das Glück." Herta Müller über "Das Wasser, in dem wir schlafen"

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: January 29, 2025

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.4(4 ratings)
nessaboRezension von nessabo

Literarisch beeindruckendes Werk über Schweigen, Sprache und ein „Nicht weiter so“ Ich kann diesem Werk unmöglich gerecht werden und bin sehr dankbar dafür, dass ich es im Austausch mit vielen anderen Bookies lesen durfte. Das kann ich vorab schon einmal klar empfehlen - dieser Roman benötigt Reflexion, Austausch und ggf. wiederholtes Lesen. Rabea Edels Buch ist zeitgeschichtlich unglaublich dicht und arbeitet mit einer eher poetisch-assoziativen Sprache verschiedener Formen, die viel Aufmerksamkeit und Mündigkeit erfordert. Manchmal, vor allem im späteren Handlungsverlauf, fließt die Sprache auch deutlich klarer, aber die Autorin verweigert es oft, eine klare Deutung der Dinge vorzugeben - das müssen die Leser*innen selbst machen. Das Buch fordert damit ein hohes Maß an Konzentration und ich würde ganz klar empfehlen, sich wirklich Zeit zu nehmen und möglichst viel am Stück zu lesen, um die unzähligen Zusammenhänge zu erfassen. Denn die Zeitsprünge mit vielen Figuren und das Viele, das nur angedeutet wird, machen das Lesen zu einer herausfordernden Sache. Doch wer dazu bereit ist, wird mit einem literarischen Meisterinnenwerk belohnt. Edel versteht ihr Handwerk und macht diesen Roman zu einem, den wir in so einer Form wohl nur selten in der Hand haben werden. Die Handlung kann ich kaum beschreiben, weil sie unfassbar komplex (der netterweise abgedruckte Stammbaum lässt das schon erahnen) und damit auch schwer spoilerfrei zusammenzufassen ist. Primär geht es um weibliches Leben, teilweise in der NS-Zeit, teils jüdisch, teils nicht-jüdisch (wobei auch das nie vollständig geklärt wird). Es geht um die Weitergabe von Traumata und eine Wiederholung von Schicksalen (z. B. toten Erstgeborenen). Der einzige Mann, der wirklich Raum bekommt, ist Jakob - den fand ich sprachlich schwer greifbar und wahrscheinlich ist das gewollt: Er sucht Worte für das, was er nicht greifen kann, für das, was passiert ist und für alles, an das er sich verzweifelt zu erinnern versucht. Ansonsten spielen Männer bzw. Väter eine untergeordnete Rolle, zumal sie oft die Auslöser der Traumata sind, von denen sich die Frauen zu befreien versuchen. Stark fand ich im späteren Verlauf, wie Raisa (die einzige Ich-Erzählerin) sich Klarheit einfordert in Bezug auf Dinge, die vor ihrer Geburt passiert sind. Nur mit Wissen können diese traumatischen Zirkel durchbrochen werden! Das Buch lebt auch erzählerisch von zahlreichen Parallelen, die sich in verschiedenen Generationen wiederfinden. Und vor allem die weiblichen Figuren sind vielschichtig dargestellt, die meisten Details ihrer Geschichte erfahren wir erst nach und nach, während einige nur so zaghaft und bildhaft angedeutet werden, dass sie der Interpretation der Lesenden überlassen bleiben. Die Geschichte thematisiert das Schweigen innerhalb von Familien, aber ebenso auch Akzeptanz und Verständnis - welches seinerseits von den Leser*innen gefordert wird, denn das meiste im Leben ist schließlich nicht schwarz-weiß. Damit bewegt sich das Buch selbst auf dem schmalen Grat zwischen Akzeptieren und Widerstand gegen erfahrene Ungerechtigkeit. Das Buch hinterlässt mich mit einer Vielzahl an Gefühlen. Die widerständen Frauen haben mich beeindruckt, ihr Verhalten aber auch fassungslos gemacht. Nicht alles konnte ich verstehen, einiges würde ich sogar verurteilen, aber doch kann ich vieles in seiner Komplexität akzeptieren. Transgenerationale Traumata sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu durchbrechen - dies begleiten zu dürfen und das langsame Verstehen am eigenen Leib zu spüren, war ein einzigartiges Erleben. Sprachlich ist es wirklich, wirklich anspruchsvoll und besonders das erste Viertel fand ich ziemlich anstrengend. Komplexe Familiengeschichten finde ich total reizvoll, hier war ich aber fast überreizt. Doch es steckt so viel Stärke in diesem Roman, dass ich mich im weiteren Verlauf überaus gern auf ihn eingelassen habe. Die Leerstellen im Buch konnte ich erstaunlich gut akzeptieren - das spricht auch wieder für das schriftstellerische Talent Edels. Ein großes Werk, das ich gern auf der Longlist des Buchpreises wiedersehen würde. Für mich hätte es besonders am Anfang und auch manchmal zwischendrin noch etwas zugänglicher sein können, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Viele von uns kennen wohl das Schweigen innerhalb von Familien und ich hoffe, dass dieses Buch hier seinen Beitrag leisten kann, um es zu brechen. 4,5 ⭐️

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