Papa weg. Mama müde. Ich laut.
von Parshad Esmaeili
Der tonnenschwere Scout-Schulranzen liegt in einer dunklen Ecke der Küche, auf MTV trällern die Backstreet Boys »Show me the meaning of being lonely«, Parshad singt mit und wartet. Allein. An ihrem Küchentisch werden keine Kastanienmännchen gebastelt, sondern unbezahlte Rechnungen sortiert, und niemand erinnert sich mehr daran, wann der Fernseher zum dritten Erziehungsberechtigten wurde. Während die Nachbarsmädchen alle 330 Pferderassen kennen, sind die Frauen in Parshads Familie Expertinnen der Einsamkeit. Sie sind es, die die Familie zusammenhalten, während die Männer ständig für Ärger sorgen. Schnell lernt Parshad, die Probleme der Erwachsenen mit guten Noten, noch besserer Laune und viel Dugh herunterzuspülen. Die Lyrics der Single-Charts kennt sie auswendig, doch über Gefühle reden kann sie mit niemandem.Als Papa-Kind ohne Papa nimmt uns Parshad mit durch ihr rasantes Leben und erzählt, was ihre Sehnsucht nach männlicher Validierung mit Safranreis zu tun hat.
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Papa weg. Mama müde. Ich laut.
von Parshad Esmaeili
Der tonnenschwere Scout-Schulranzen liegt in einer dunklen Ecke der Küche, auf MTV trällern die Backstreet Boys »Show me the meaning of being lonely«, Parshad singt mit und wartet. Allein. An ihrem Küchentisch werden keine Kastanienmännchen gebastelt, sondern unbezahlte Rechnungen sortiert, und niemand erinnert sich mehr daran, wann der Fernseher zum dritten Erziehungsberechtigten wurde. Während die Nachbarsmädchen alle 330 Pferderassen kennen, sind die Frauen in Parshads Familie Expertinnen der Einsamkeit. Sie sind es, die die Familie zusammenhalten, während die Männer ständig für Ärger sorgen. Schnell lernt Parshad, die Probleme der Erwachsenen mit guten Noten, noch besserer Laune und viel Dugh herunterzuspülen. Die Lyrics der Single-Charts kennt sie auswendig, doch über Gefühle reden kann sie mit niemandem.Als Papa-Kind ohne Papa nimmt uns Parshad mit durch ihr rasantes Leben und erzählt, was ihre Sehnsucht nach männlicher Validierung mit Safranreis zu tun hat.
Aktuelle Rezensionen(27)
Wow, was für ein aufrüttelnder Fiebertraum.
Das Buch hat sich nicht so gut gelesen. Es ständiges hin und her. Ich kam leider nicht so rein und habe mich bis zum Ende gequält
Das Buch hat das Papalose Papakind in mir geheilt und meine Alleinerziehende Mutter so viel mehr wertschätzen lassen. Danke. Ich fühle mich gesehen und verstanden.
Manche Menschen tragen ganze Stürme in sich, ohne dass ein Tropfen nach außen fällt.
„Papa weg. Mama müde. Ich laut.“ Der Titel sagt ja eigentlich schon sehr viel und ich finde ihn auch extrem gut gewählt. Ich als Trennungskind konnte mich super gut in Parshads Erzählungen hineinversetzen und ihre Geschichte, die sie zu erzählen hat, ist ein Wechselbad der Gefühle. Erst lacht man noch über eine witzige Anekdote und auf der nächsten Seite kippt die Stimmung zur bitteren Realität der Familie Esmaeili. Wie ein Film im Schnelldurchlauf habe ich Parshad in den circa 200 Seiten aufwachsen und schließlich über sich hinauswachsen sehen. Ihre Vergangenheit, Parshad selbst und vor allem ihre Mutter finde ich sehr beeindruckend. Womit ich jedoch nicht immer ganz warm wurde - und ich tue mich schwer, das anzufechten, weil es Geschmacksache ist - ist der Schreibstil des Buches. Dieser ist meist sehr umgangssprachlich geprägt mit vielen Gen-Z Wörtern wie „Aura“, „maximal“ oder „anders XY“. Klar, ich gehöre auch zur Gen-Z, aber auf Dauer wurde mir diese Wortwahl dann doch etwas zu viel und hat die Stimmung etwas gestört. An anderen Stellen hat mir der Schreibstil jedoch sehr gut gefallen, gerade dann, wenn Metaphern und Personifikationen ins Spiel kam. Die Einbindung des Jokers oder die Einsamkeit als Begleiterin haben mir beispielsweise sehr gut gefallen. Meine Meinung ist also recht ambivalent, was den Stil betrifft. Insgesamt hat mir die Autobiographie ziemlich gut gefallen. Sie erzählt eine sehr rührende und teils auch wutmachende Geschichte über starke Frauen, die mit Migration, Vorurteilen und Vernachlässigung zu kämpfen haben.