4.1

nichts, was uns passiert

von Bettina Wilpert

Format:Hardcover

Leipzig. Sommer. Universität, Fußball-WM und Volksküche. Gute Freunde. Eine Geburtstagsfeier. Anna sagt, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Aussage steht gegen Aussage. Nach zwei Monaten nah an der Verzweiflung zeigt Anna Jonas schließlich an, doch im Freundeskreis hängt bald das Wort "Falschbeschuldigung" in der Luft. Jonas’ und Annas Glaubwürdigkeit und ihre Freundschaften werden aufs Spiel gesetzt. Der Roman »nichts, was uns passiert« thematisiert, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
167 SeitenHardcover
Erschienen an: February 6, 2018

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Aktuelle Rezensionen(7)

4.1(44 ratings)
Emelie HülseRezension von Emelie Hülse

ich bin mal wieder sauer, wenn ich ein Buch beende. ich hoffe jede Seite, dass etwas bestimmtes passiert und fiebere mit bis zur letzten Seite, um dann doch wieder das zu bekommen, was mich extrem sauer macht, weil es einfach unfair ist. obwohl das Buch schon ein paar Jahre alt ist, kann ich es trotzdem empfehlen. die vielen verschiedenen Perspektiven fand ich super interessant und gut formuliert.

nachoRezension von nacho

Anfangs ist mir das Lesen und Einsteigen in den Roman nicht leicht gefallen durch die Erzählweise, die mal was anderes (für mich) war. Aber dann fand ich die Erzählweise sehr gut und sinnig, alle Perspektiven werden beleuchtet und dadurch musste ich als Leserin mir ein „eigenes Bild“ machen. Dieser Roman ist unglaublich wichtig, das was erzählt wird ist nicht die Erfahrung einer Einzelnen - sondern vieler Frauen*

KathaRezension von Katha

So gut. So wichtig. Das Buch hat auf mich ab der ersten Seite eine fesselnde Wirkung gehabt. Sehr eindrücklich werden viele (wenn nicht gar alle) Seiten und Personen um die Vergewaltigung beleuchtet. Darin skizziert wird der Umgang unserer Gesellschaft um und mit dem Thema Vergewaltigungen. Für mich eines meiner Jahreshighlights

Madame RivkeleRezension von Madame Rivkele

Anna sagt, Jonas habe sie auf der Geburtstagsparty eines gemeinsamen Freunds vergewaltigt. Jonas sagt, es wäre einvernehmlicher Sex gewesen. Beide waren sie betrunken, Anna so sehr, dass sie sich nur bruchstückhaft an den Abend erinnert. Eines weiß sie jedoch mit Gewissheit und zwar, dass sie den Sex nicht wollte und das auch kommuniziert hatte. Wem soll man glauben? Wer Jonas kennt, kann ihn sich nicht als Vergewaltiger vorstellen. Wer Anna kennt, ist sich sicher, dass sie nicht lügt. Es steht Aussage gegen Aussage. "Nichts, was uns passiert" erzählt nicht nur Annas Geschichte, sondern die vieler, zu vieler Frauen. Sie erzählt, wie die Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht. Ein Thema, das in Zeiten von Rammstein, Luke Mockridge und Oh Boy relevanter denn je ist. Denn für wen soll die Unschuldsvermutung gelten: Für den Beschuldigten oder für die Betroffene?

nessaboRezension von nessabo

Ein lesenswertes, dichtes Werk voller Interpretationsraum Das Debüt von Bettina Wilpert ist ein wirklich sehr gelungenes. Aufgrund des besonderen Schreibstils (indirekte Rede aus Sicht einer namenlosen Person) ist es schon in seiner Form eher herausfordernd, weshalb ich auch nicht ganz die volle Sternenzahl vergebe. Dabei möchte ich aber betonen, dass der Erzählstil nicht schlecht ist, ich mochte ihn nach einer Weile sogar ganz gern. Er fordert besonders zu Beginn aber schon ein wenig Konzentration und Flexibilität. Inhaltlich bin ich dagegen vollends begeistert! Wilpert nimmt sich hier einem Thema an, über das es nie genug Bücher geben kann. Vergew@ltigungen sind leider so verbreitet wie die Betroffenen gesellschaftlich stigmatisiert werden. Da sie oft im persönlichen Umfeld der Betroffenen und in einem Umfeld ohne Zeug*innen stattfinden, liegt die Beweislast üblicherweise beim Opfer. Gleichzeitig wird die Gesellschaft nicht müde, eben diesem in irgendeiner Form eine eigene Schuld zu unterstellen. Mich macht diese fehlende Solidarität so unglaublich wütend, weshalb dieses Buch, das ganz genau in diese Kerbe haut, inhaltlich so fordernd wie gut ist. Absolut herausragend finde ich die Fähigkeit Wilperts, verschiedene Stimmen zu Wort kommen zu lassen und sich damit auf dem extrem schmalen Grat einer eigenen Positionierung zu bewegen. Ich durfte die Autorin auf einer Lesung des Buches kennenlernen und weiß spätestens seitdem, wie sie sich persönlich positioniert. Doch das ist streng getrennt von der Erzählstimme. Fast, aber nur fast, hatte ich Mitgefühl mit Jonas. Und ganz genau darum geht es auch - ich kann sogar für bestimmte Konsequenzen seines Handelns Mitgefühl empfinden und trotzdem sehr klar Position beziehen. Gleichzeitig darf ich Anna phasenweise unsympathisch finden und ihre Betroffenheit trotzdem nicht infrage stellen. Diese Arbeit überlässt die Autorin auf geniale Art komplett ihren Leser*innen. Solange es die schier unbegreifliche Masse an 6ualisierter Gewalt gibt, werde ich immer bedingungslos Betroffenen glauben. Und wer die Verfilmung noch nicht kennt: Die ist ebenso gut umgesetzt wie ihre Vorlage. 4,5 ⭐️

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