3.8

Nebenan

von Kristine Bilkau

Format:Hardcover
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Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
288 SeitenHardcover
Erschienen an: March 8, 2022

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Aktuelle Rezensionen(9)

3.8(42 ratings)
ManuRezension von Manu

Kristine Bilkau kann einmalig gut erzählen und dieses kleine Dorf beschreiben. Jeden Baum, jedes Haus und natürlich auch jeden Einwohner sieht man fast vor sich, man spürt die Geborgenheit der kleinen Gemeinschaft, aber auch die erdrückende Nähe aller Häuser, aller Bewohner. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, zu wenig wird gesagt, zuviel heruntergeschluckt. Trotzdem muss ich Punkte bzw. Sterne abziehen. Denn das Buch hat keinen richtigen Anfang und kein Ende. Fragen bleiben offen, Handlungsstränge lose und Menschen allein. Ich musste erst im Internet recherchieren, ob das wirklich das beabsichtigte Ende ist oder ob die Onleihe mir ein paar Dutzend Seiten unterschlagen hat. Tolles Buch, aber es fehlen Beginn und Ende.

annenenaRezension von annenena

Ich liebe Kristine Bilkaus Schreibtstil! Der vermeintlich fehlende Plot in dem Buch ist die eigentliche Stärke. Mit brillanter feiner Sprache erweckt sie Charaktere zum Leben, die so nah sind. Dabei ist die (unbewusste) Verbindung der Charaktere auch in diesem Buch das Wichtigste Bindeglied. In Nebenan finden sich immer wieder feministische Themen und Anreißer für Misstände in der Gesellschaft. Das Thema Kinderwunsch, Isolation und Klimawandel werden in die Geschichte der Protagonistinnen verwoben und haben sehr mit mir resoniert.

Madame RivkeleRezension von Madame Rivkele

„Nebenan“ erzählt vom Zusammenhalt zwischen Frauen, dem Überlebenskampf eines Dorfes und der Frage, worauf es im Leben ankommt. Auf einmal ist die fünfköpfige Familie aus dem Gelbklinker-Haus verschwunden. Wann sie sie zuletzt gesehen hat, weiß Julia, die seit kurzem in das Haus nebenan gezogen ist, nicht mehr genau. Und trotzdem berührt sie das ungewisse Schicksal der Familie auf eine merkwürdige Weise. Ob sie ausgezogen sind, ohne dass jemand es mitbekommen hat? Doch warum hängen dann noch Kinderzeichnungen am Kühlschrank? Über Umwege bekommt auch Astrid, eine Ärztin, das Verschwinden der Familie mit. Ihre Tante lebt auch in einem benachbartem Haus. Und auch sie lässt die Frage nach dem Verbleib der Familie keine Ruhe. Die Geschichten und Schicksale der Frauen werden von Kristine Bilkau unglaublich schön, feinfühlig und nahbar beschrieben. Obwohl im Grunde genommen nicht viel passiert, lernt man die Frauen schnell kennen und fühlt mit ihnen. Erst mit der Zeit habe ich das Netz an weiblicher Solidarität, das sich langsam zwischen ihnen entspinnt erkannt und verstanden. Dabei liegt meiner Meinung nach die Stärke in dem Buch gerade in seiner vermeintlichen Ereignislosigkeit, denn es ist wunderbar realistisch und lässt in gewisser Weise hoffen, dass man die Wirklichkeit auch auf diese Art sehen kann. Eigentlich hätte das Buch fünf von fünf Sternen verdient - leider hat mich das Ende etwas überrumpelt und ratlos zurückgelassen, was aber sicher gewollt ist und für andere genau so perfekt sein kann.

Sally84Rezension von Sally84

Eine gute Geschichte um Nähe und Distanz, das Gefühl der Verbundenheit, welches in der heutigen Zeit sehr flüchtig sein kann. Die Schwierigkeit, über den eigenen Schatten zu springen, um sich einem Gegenüber zu öffnen, damit ein Gefühl von Verbundenheit entstehen kann.

nessaboRezension von nessabo

Ein ruhiges und spannendes Werk über menschliche Zwischentöne Mir hat Kristine Bilkaus Roman richtig gut gefallen. Mit seinem ruhigen Ton erfüllt er genau das, was ich an norddeutschen Romanen so gern mag. Außerdem liebt die Autorin ihre Figuren spürbar und hat ein unglaubliches Talent für die Feinheiten menschlichen Lebens sowie menschlicher Beziehungen. Ich würde wahrscheinlich empfehlen, das Buch nach Möglichkeit lieber zu lesen statt zu hören, da ich die wechselnde Erzählperspektive im Hörbuch nicht so gut umgesetzt fand. Hier wäre es sinnvoll, jedes neue Kapitel, in dem eine andere Figur erzählt, klar abzugrenzen. So bin ich leider ganz schön oft durcheinandergekommen. Der Roman basiert auf den mysteriösen Umständen rund um ein verlassenes Haus, deren Spannung bis zum Ende nicht ganz aufgelöst wird. Ich persönlich fand das okay, denn das ist gar nicht der Punkt des Romans. Vielmehr geht es um verschiedene Herausforderungen menschlicher Existenz. Bilkau schafft es, die Komplexität des Lebens gut und einfühlsam abzubilden und schreibt dabei sehr unaufgeregt. So geht es zum Beispiel um [TW!] unfreiwillige Kinderlosigkeit, Fehlgeburt und die darauf folgende Isolation in unserer Gesellschaft. Es geht um Partner*innenschaften in sich verändernden Lebenslagen, andeutungsweise auch um häusliche Gewalt und einen möglichen Umgang mit entsprechenden Vermutungen. Überhaupt steht Isolation immer wieder im Mittelpunkt der Handlung. Ganz zentral thematisiert die Autorin so auch den Verfall eines kleinen Ortes und wie infolgedessen viele Menschen, insbesondere junge und ältere, in die häusliche Isolation getrieben werden. Besonders positiv fiel mir Bilkau außerdem in ihrem Respekt jungen Menschen gegenüber auf. Gerade auch deren Räume müssen nämlich oft weichen, weil sie keinen Profit abwerfen, obwohl sie so immens wichtig sind. Der Roman hat mich schnell für sich eingenommen, weil er es schafft, die Isolierung vieler Menschen abzubilden und sie doch gleichzeitig auch miteinander in eine zarte Verbindung zu bringen, da sich ihre Wege in dem kleinen Ort kreuzen. Er hat mich wieder einmal daran erinnert, dass alle Personen um mich herum ihre eigenen Herausforderungen mit sich tragen. Ein Buch, das ich nur empfehlen kann und bestimmt auch noch einmal lesen würde, weil es emotional lange in mir nachwirkt.

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