4.7

Metaphysik der Röhren.

von Amelie Nothomb

Format:Hardcover

"Am Anfang war das Nichts. Und das Nichts war weder leer noch unbestimmt; es verlangte nach nichts anderem als sich selbst. Und Gott sah, dass es gut war. Für nichts auf der Welt hätte er irgendetwas erschaffen. Das Nichts genügte ihm nicht nur, es erfüllt ihn." Diese eigenwillige Auslegung der Schöpfungsgeschichte beschreibt zugleich den Lebensbeginn der Protagonistin in Amélie Nothombs neuem Roman Metaphysik der Röhren, der von den ersten drei Lebensjahren einer Tochter aus belgischer Diplomatenfamilie in Japan handelt. Denn als Baby kam sie sich wie eine Röhre vor: innen hohl, unbeweglich, wunschlos und auf rein vegetative Vorgänge reduziert -- und trotzdem aufmerksam ihre Umgebung betrachtend mit einem schonungslos analytischen, beizeiten entlarvenden Blick.Dieses Mensch gewordene Phlegma beginnt eines Tages aus vollem Hals zu brüllen: ein Vorfall, der so verwunderlich ist, dass die Eltern die belgische Großmutter ins ferne Japan einladen, um ihr Enkelkind, das sich vom schlafenden Etwas in ein lärmendes Ungeheuer verwandelt hat, einmal genauer kennen zu lernen. Die Oma schenkt dem Kind weiße Schokolade und ruft es so ins Leben. Es wächst zum Ich, das sich seiner Emotionen und seines Missfallens seiner Umwelt gegenüber jederzeit bewusst ist.Dennoch: die aus der Ich-Perspektive geschriebene Metaphysik der Röhren ist keine Kindheitserzählung, sondern vielmehr eine spannende Betrachtung über Leben, Sprache, den Verlust naiv-göttlicher Glückseligkeit, Beziehungen, Identität und Herkunft. Ein im doppelten Wortsinn wunderbarer Text, zutiefst traurig, hoch intellektuell und zuckersüß-ironisch zugleich. Jedes weitere Wort über den Inhalt würde das Buch entzaubern und das eigentümlich-geniale Vergnügen zerstören, das Nothomb ihren Lesern ein weiteres Mal meisterhaft bereitet. --Lutz Günther

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: 2002-03-01

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Aktuelle Rezensionen(2)

4.7(6 ratings)
SusannRezension von Susann

Das Buch hat mehr als fünf Sterne verdient . Klug, witzig, unfassbar gut . Amélie Nothomb macht süchtig .

Anne 🌿Rezension von Anne 🌿

“Die Zeit wird von der Bewegung erfunden. Was sich nicht regt, sieht die Zeit nicht vergehen.” Mal wieder ein Meisterwerk der Autorin. Ein dreijähriges Kind, welches sich für einen Gott hält und die Mitmenschen wie Frösche auf einem Labortisch inspiziert. Die Beschreibungen von den simpelsten Sachen (hier: Staubsauger und das Zusammenspiel von Regen und Boden) sind purer Genuss. Ein Abenteuer von Buch.

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