3.6

Meistens bleibt ja die Frau zu Hause

von Banu Mushtaq, Katrin Binder

Format:Hardcover
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12 Frauen gegen das Patriarchat. In ihren Storys, die über drei Jahrzehnte hinweg entstanden sind, feiert Banu Mushtaq die kleinen, alltäglichen Arten weiblichen Widerstands. Die Kulisse: ein von Klassismus und Korruption zerfressenes Land – Indien. Aashraf, die von ihrem Mann verlassen wird, weil sie ihm nur Töchter zur Welt bringt. Jamila, deren Bruder versucht, sie im Namen der Religion um ihr Erbe zu betrügen. Akhila, deren Mann ihr kaum in die Augen schauen kann, aber herumspringt wie ein junges Kalb, wann immer er seine Mutter sieht. Sie alle sind in ihrer Trauer und Wut vereint. Und sie lachen den Mächtigen mit aufmüpfigem Witz ins Gesicht.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
224 SeitenHardcover
Erschienen an: 2026-08-18

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VeroRezension von Vero

„Ganz egal, welche Religion Sie sich anschauen: Die Frau ist immer die untertänigste Dienerin ihres Mannes, seine Sklavin.“ „Meistens bleibt ja die Frau zuhause“ erzählt in zwölf Kurzgeschichten vom Leben muslimischer Frauen in Südindien. Es geht um Klassenunterschiede, Mutterschaft, Familienehre, Korruption und religiöse Machtstrukturen, aber auch um Doppelmoral und Heuchelei. Im Mittelpunkt stehen die Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen – und die unterschiedlichen Möglichkeiten, Widerstand zu leisten, sofern es diese überhaupt gibt. Die Geschichten wirken, als seien sie unmittelbar aus dem Alltag gegriffen, und zeichnen ein vielschichtiges Bild einer Lebensrealität, die von Männern, Gesellschaft und Religion geprägt und bestimmt wird. Die bedrückende Atmosphäre war für mich beim Lesen deutlich spürbar, ebenso wie die oft kleinen und leisen Siege der Frauen. Vieles wird dabei nicht ausdrücklich benannt, sondern erschließt sich erst aus dem Zusammenhang oder der Handlung. Gleichzeitig hatte ich immer wieder das Gefühl, dass es noch eine weitere Ebene des kulturellen und sozialen Verstehens gibt, zu der ich als europäische Leserin keinen vollständigen Zugang habe, die jedoch für das umfassende Verständnis mancher Erzählungen und ihrer jeweiligen Moral wesentlich ist. Dabei hätten mir sicherlich die Anmerkungen der Übersetzerin geholfen. Viele Begriffe bleiben im Text unübersetzt, hinzu kommen Anspielungen auf kulturelle und religiöse Geschichten und Zusammenhänge. Erst am Ende des Buches liefert Katrin Binder Übersetzungen und Erläuterungen. Ich habe die Anmerkungen nach der Hälfte der Erzählungen gelesen – und konnte die verbleibenden Geschichten anschließend ganz anders verstehen; auch die bereits gelesenen Erzählungen ließen sich dadurch rückblickend teilweise neu einordnen. Meiner Meinung nach sind die Anmerkungen daher ein wesentlicher Bestandteil der Lektüre und sollten den zwölf Erzählungen unbedingt vorangestellt werden oder zumindest zu Beginn deutlich erwähnt werden, damit die Geschichten in ihrer ganzen Tiefe erfasst werden können. „Meistens bleibt ja die Frau zuhause“ ist kein leichtes oder bequemes Buch, es lohnt sich aber. Die zwölf Geschichten geben einen wertvollen und eindringlichen Einblick in feministische Themen und weibliche Lebensrealitäten in einem für mich neuen kulturellen Kontext. Sie zeigen Unterdrückung, aber auch Widerstand – manchmal laut, häufig jedoch leise und im Kleinen. Ein wichtiges und nachwirkendes Buch.

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