3.7

Liefern Roman

von Tomer Gardi, Anne Birkenhauer

Format:Hardcover

»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.« Pieke BiermannSie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
Hardcover
Erschienen an: 2026

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Aktuelle Rezensionen(3)

3.7(10 ratings)
ⓁⓘⓔⓢⓐRezension von Ⓛⓘⓔⓢⓐ

Ein wirklich gelungenes, kluges, berührendes Buch, das Klassismus und Rassismus im kapitalistischen System entlang von persönlichen Geschichten thematisiert. Ich hätte die Geschichten der Protagonist*innen am liebsten noch länger verfolgt.

nessaboRezension von nessabo

Ein lose gestrickter, wichtiger Roman mit Anspruch Tomer Gardi war mir zuvor kein Begriff und ich weiß auch nicht, ob ich seine zukünftigen Werke weiterverfolgen werde, obwohl „Liefern“ einen durchaus wertvollen Beitrag in der literarischen Welt darstellt. Sprachlich war er jedoch anspruchsvoll geschrieben und hat mir deshalb einiges an Fokus abverlangt. Die sechs Episoden hängen inhaltlich nicht wirklich zusammen, nehmen immer neue Menschen und Städte in den Blick. Lose verbunden werden sie durch etwas, das viel zu selbstverständlich zum modernen Stadtbild zu gehören scheint: die sogenannten Rider der diversen Lieferdienste. Was scheinbar ebenso selbstverständlich zu deren Arbeitsrealität gehört, thematisiert Gardi fast wie nebenbei in seinen essayhaften Texten. Ich mochte diesen nebensächlichen Anschein, der fast spielerisch die Realität hervorhebt. Hier mal schnell noch ein Essen bestellt, weil der Tag wieder zu wenige Stunden hatte, dort den Einkauf wegen des schlechten Wetters nach Hause bringen lassen - über die Personen, die diese Wege übernehmen, machen wir uns wohl nur in den seltensten Fällen wirklich Gedanken.

Genau dazu verleitet uns der Autor allerdings hier deutlich, ohne dabei allzu wertend zu sein. Manchen mag das zu schonend vorkommen, für mich war es ausreichend. Denn aus seinen Worten spricht sehr wohl eine kritische Komponente, die in mir stark resoniert hat. Über die kapitalistische Ausbeutung der Rider hat mensch vielleicht schon mal etwas gehört, Gardi gibt ihnen darüber hinaus aber auch ein interessantes Profil. Die Leben und Erfahrungen der Rider im Buch stehen für sich und sind so divers wie die Personen selbst. Ihr Beruf ist ein Teil dieser Leben, der gleichermaßen wichtig wie nebensächlich erscheint. So sehr ich die politische Dimension dieses Werks mochte, so herausfordernd fand ich den Sprachstil. Tomer Gardi erzählt alles andere als stringent, er springt nicht nur zwischen den einzelnen Episoden, sondern teilweise auch mittendrin von Figur zu Figur. Das erfordert ein aufmerksames Lesen und ich musste mich immer wieder zur Ordnung rufen, weil mein Gehirn versucht hat, den verbindenden roten Faden zwischen den Charakteren zu finden. Dass es ihn nicht so wirklich gibt und sie ein Teil ihrer Realität dennoch verbindet, fand ich ebenso faszinierend wie anstrengend. Am Ende verbindet der Autor vereinzelt Geschichten miteinander, was auf mich aber manchmal etwas erzwungen wirkte und weitere wichtige Themen wie White Saviorism und Rassismus ein wenig in den Hintergrund drängte. In den einzelnen Abschnitten konnte ich mich oft auch irgendwann einfinden in die Erzählung und für den hohen Anspruch liest sich der Text erstaunlich gut. Ich hätte mir allerdings trotzdem etwas mehr Zugänglichkeit und Präzision gewünscht. Schade fand ich zudem, dass die Fülle der Figuren den Aufbau einer emotionalen Beziehung zu ihnen verhinderte. Seine politische Schlagkraft entfaltet der Roman im Subtilen, was nicht verkehrt ist, mich aber dennoch überwiegend mit ein paar Fragezeichen zurücklässt.

riaRezension von ria

so viele rechtschreibfehler, dass es mich wirklich gestört hat. es waren zu viele stories, zu viele personen und perspektiven, um richtig folgen und eintauchen zu können, zu viele sprünge, zu viele komplett unnötige wiederholungen. trotzdem fand ich die einblicke spannend, die geschichten wichtig und interessant, besonders dann mit der letzten perspektive (es scheint ihm noch spät eingefallen zu sein, dass besonders auch frauen in prekären verhältnissen in lieferketten arbeiten).

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