4.4

Lichtspiel

von Daniel Kehlmann

Format:Hardcover
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Einer der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G. W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Regimes spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben, er kennt keinen Widerspruch, und er verspricht viel. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen. Daniel Kehlmanns Roman über Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei ist ein Triumph. Lichtspiel zeigt, was Literatur vermag: durch Erfindung die Wahrheit hervortreten zu lassen.

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: October 10, 2023

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Aktuelle Rezensionen(12)

4.4(92 ratings)
CosimaRezension von Cosima

Dies ist eine zum großen Teil erfundene fiktive Biografie des Ressigeurs Georg Wilheim Pabst, der ausversehen im dritten Reich 1939 festhing und dann dort weiter arbeitete. Wie immer wechselt Kehlmann gekonnt die Perspektiven. Besonders gefallen hat mir aber die Stimmung und wie sich die Schlinge um die Familie Pabst immer enger zusammen zieht. Er hat das Unbehagen der Künstler im dritten Reich sehr gut dargestellt.

juleRezension von jule

Ich habe ein wenig gebraucht, um reinzukommen. Später gibt es aber sehr starke Passagen, so ab der zweiten Hälfte (Jakobs Werdegang, Szene beim Filmdreh mit Statist:innen). Ich mochte sehr die Perspektive auf den Krieg aus Sicht eines Filmschaffenden. Besonders spannend: die Zerrissenheit aus eigener Moral und Überlebenssicherung. Es geht viel um innere und äußere Zwänge und darum, wie sehr man bereit ist, sich anzupassen. Tolle Nebenfiguren (Hausmeister). Trotz der fiktiven Erzählung gibt es viele historische Fakten (z.B. Hauptfigur gab es, aber wurde fiktionalisiert).

heikeRezension von heike

Nachdem ich vor Jahren „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann gelesen und mich schlapp gelacht habe ob der ulkigen Darstellung der eigentlich doch sehr ernst zu nehmenden Naturwissenschaftsgrößen und Zeitgenossen Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt, dachte ich, dass ich mit „Lichtspiel“ nichts falsch machen kann. Und ich lag richtig: In derselben gewollt ungewollt komischen Art, die mich Seite um Seite zum Schmunzeln brachte, zeichnet Daniel Kehlmann diesmal das Leben des (mir unbekannten, aber damals wohl sehr) bekannten österreichischen Filmregisseurs G.W. Pabst (1885–1967) nach. Geplagt von großen Gedächtnislücken, bestreitet Pabst sein Leben zwischen Altersheim und Fernsehstudio, wo er einen Auftritt im Morgenfernsehen hat. Die Sendung führt seine Gedanken zurück in die Zeit der Weimarer Republik, zu einem Film, den er nie gedreht hat – oder doch? Ich mag den Roman aus denselben Gründen wie schon den letzten: Wieder schafft Daniel Kehlmann es, mir geschichtliches Wissen auf unglaublich unterhaltsame Weise unterzujubeln – und das auch noch über eine so düsteren Epoche deutscher Geschichte. Ich bin begeistert.

Constance Scheffler Rezension von Constance Scheffler

Bedrückendes Setting, aber gut geschrieben. Sprachlich leicht zugänglich, thematisch speziell. Starke Szenen.

Oliver GehrmannRezension von Oliver Gehrmann

3,5 von 5 Ich bin ein bisschen hin und hergerissen von diesem Roman. Einerseits hat mich Kehlmann hier extrem in die Materie reingezogen, diese Filmbeschreibungen, das ganze Filmtechnische, die Atmosphäre, das entwickelt einen krassen Sog und hat wirklich Spaß gemacht. Als Fan von Filmgeschichte hatte ich hier große Freude, es war gut recherchiert, auch die Parts speziell über das Filmhandwerk sind gelungen und die Fiktionalisierung bestimmter Ereignisse und Personen, vor allem die Spekulationen um den verschollenen Film fand ich großartig inszeniert, die Leerstellen toll interpretiert. Aber Kehlmann schreibt teilweise so uninspiriert, dass nach dem Lesen in mir kaum ein Satz nachhallt. Manche Formulierungen waren plump, kaum ein Vergleich hat wirklich etwas in mir ausgelöst, die Sprache wirkte mir persönlich einfach zu lasch. Er hat es nicht wirklich geschafft, eine eigene, prägnante Stimme zu finden. Zusätzlich war es mir stellenweise zu lang und die Perspektiven etwas uninteressant, auch wenn ich die Multiperspektivität schon passend und im Ganzen auch gelungen fand. Ich muss das ein wenig nachwirken lassen und schauen, was mir nach ein paar Wochen in Erinnerung bleibt. Auf jeden Fall großen Respekt ob der Größe des Themas, inszeniert ist der Roman schon wirklich sehr gut. Auch, wenn die Verhandlung der Frage nach Opportunismus hin und wieder sehr direkt thematisiert und wenig kunstvoll abgehandelt wird.

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