" Die Geschichte besticht durch die leisen Töne, [...] und lässt die Lesenden nachdenklich zurück."
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Hier ist es immer noch schön
von XiXi Tian, Sylke Hachmeister
" Die Geschichte besticht durch die leisen Töne, [...] und lässt die Lesenden nachdenklich zurück."
Aktuelle Rezensionen(1)
https://viciousbooknerd.wordpress.com/2025/04/11/hier-ist-es-immer-noch-schon/ Ich muss leider sagen, dass mich das Buch insgesamt nicht wirklich überzeugen konnte. Was anfangs wie eine vielversprechende Geschichte mit interessanten Figuren wirkte, hat sich für mich zunehmend als frustrierende Lektüre entpuppt – hauptsächlich wegen der Figur Annalie, mit der ich einfach nicht warm geworden bin. Anfangs fand ich sie noch sympathisch, fast schon charmant in ihrer Unsicherheit. Doch je weiter die Handlung fortschritt, desto weniger Geduld hatte ich mit ihr. Annalie mangelt es an so vielem: an Selbstvertrauen, an Selbstreflexion, an Durchsetzungsvermögen – und manchmal auch einfach an gesundem Menschenverstand. Es fiel mir schwer, Mitgefühl für sie zu empfinden, weil sie immer wieder gute Ratschläge ausschlägt, vor allem von ihrer besten Freundin, die eigentlich eine ziemlich tolle Figur ist. Annalie scheint nicht einmal aus ihren Fehlern lernen zu wollen. Die einzige Szene, in der ich wirklich Respekt für sie empfand, war, als sie sich gegen Margaret stellte – da wirkte sie für einen Moment reflektiert und standhaft, und ich konnte ihre Argumente nachvollziehen. Ich verstehe auch den Wunsch, unangenehme Dinge ruhen zu lassen und einfach weiterzumachen, auch wenn ich selbst wohl anders reagieren würde. Aber abgesehen von diesem kurzen Lichtblick war sie für mich eine durchgehend enttäuschende Hauptfigur – eine mit der Ausstrahlung eines nassen Lappens. Es war tatsächlich so schlimm, dass ich ihr nicht einmal ein glückliches Ende gegönnt habe. Margaret dagegen ist ebenfalls nicht fehlerfrei – sie trifft oft impulsive und unüberlegte Entscheidungen, wirkt selbstbezogen und wenig einfühlsam. Und doch: Ich fand sie deutlich interessanter und menschlicher. Trotz aller Ecken und Kanten konnte ich sie viel besser verstehen und mich sogar mit ihr identifizieren. Sie kämpft für ihre Überzeugungen und setzt sich für Gerechtigkeit ein, auch wenn sie manchmal übers Ziel hinausschießt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich ihr ähnlicher fühle – mehr die intellektuelle, leicht zynische ältere Schwester als die beliebte kleine. In ihren Kapiteln wurde ich emotional, habe mitgefühlt, mitgelitten. Einige ihrer inneren Konflikte haben mich tief berührt. Besonders nachvollziehbar fand ich den Schmerz, sich gegen die eigenen Eltern stellen zu müssen – sei es noch unter ihrem Dach oder auch später, wenn man längst ausgezogen ist, aber dennoch das Gefühl hat, ihre Erwartungen nicht erfüllen zu können. Trotz meiner Kritik an den Hauptfiguren – besonders an Annalie – muss ich zugeben, dass das Buch in einem Punkt doch überzeugt hat: dem Thema der Schwesternbeziehung. Die ständige Vergleicherei, die unausgesprochenen Verletzungen, das gegenseitige Missverstehen – all das wird sehr authentisch dargestellt. Ich konnte viele dieser Dynamiken aus meinem eigenen Leben wiedererkennen. Es ist traurig, aber realistisch, dass solche Verletzungen dazu führen können, dass man nicht mehr richtig miteinander kommuniziert und sich ständig im Weg steht. Auch wenn das für manche Leser:innen frustrierend sein mag, finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass die Figuren so lange brauchen, um ihre Muster zu durchbrechen. Ein weiterer Aspekt, der mich zum Nachdenken gebracht hat, war der Umgang mit Rassismus – sowohl offener als auch subtiler. Ich selbst bin in einer Gegend aufgewachsen, in der viele aus den Ostblock-Ländern kamen (u.a. meine Familie), und hatte daher das Privileg, mir über rassistische Übergriffe kaum Gedanken machen zu müssen. Klar, es gab hin und wieder Mikroaggressionen von Unwissenden, aber nie in einem Ausmaß, das mich wirklich gefährdet hätte. Umso mehr berührt es mich, wenn in Büchern wie diesem deutlich wird, wie verletzlich man sich fühlen muss, wenn man einer kleinen Minderheit angehört – und wie groß die Angst sein kann, durch das Thematisieren solcher Erfahrungen noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Insgesamt bleiben meine Eindrücke gemischt. Die zentralen Themen des Romans – Familie, Identität, Ungerechtigkeit, Schwesterndynamiken – sind ohne Frage relevant und wichtig. Das Potenzial war auf jeden Fall da. Leider lässt die Umsetzung viel zu wünschen übrig. Der Schreibstil ist oft zu steif, zu erklärend, zu wenig lebendig. Und Annalies ewiges Rumgejammer und die nervige Liebesgeschichte, die sich wie ein Fremdkörper in die Handlung schiebt, haben mir das Leseerlebnis zusätzlich erschwert. Fazit: Trotz einzelner starker Szenen und einiger emotionaler Tiefe, vor allem in Margarets Perspektive, konnte mich das Buch insgesamt nicht überzeugen. Die unausgewogene Figurenzeichnung, insbesondere bei Annalie, sowie die eher schwache sprachliche Umsetzung mindern den Gesamteindruck erheblich. Ich bereue die Lektüre nicht – es gab definitiv Passagen, die mich berührt oder zum Nachdenken gebracht haben – aber ich hätte mir sehr gewünscht, dass die Geschichte das, was sie thematisch anstößt, auch konsequenter und überzeugender zu Ende bringt. 3 von 5 Sternen!