Hey guten Morgen, wie geht es dir?
von Martina Hefter
»Ich habe schon lange nicht mehr so einen ungewöhnlichen, schillernden, eigensinnigen Roman gelesen, der so viel von uns und unserer Wirklichkeit erzählt. Und dabei macht er auch noch wirklich viel Spaß.« Gerrit Bartels, rbb Radio 3, 15. Juli 2024
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Hey guten Morgen, wie geht es dir?
von Martina Hefter
»Ich habe schon lange nicht mehr so einen ungewöhnlichen, schillernden, eigensinnigen Roman gelesen, der so viel von uns und unserer Wirklichkeit erzählt. Und dabei macht er auch noch wirklich viel Spaß.« Gerrit Bartels, rbb Radio 3, 15. Juli 2024
Aktuelle Rezensionen(58)
Ein Buch, so angenehm zu lesen, weil es Recht alltagssprachlich verfasst ist, haarscharf an der Grenze zur Flapsigkeit. Mir gefallen die Pop kulturellen Referenzen und doch mag ich das Ende nicht. Nichtsdestotrotz eine kurzweilige Unterhaltung.
Juno und Jupiter führen eine Beziehung, die am Anfang ziemlich unausgeglichen wirkt. Juno scheint auf der Suche zu sein nach mehr, mehr Verbindung, mehr Halt. Verbindung versucht sie in Online Chats zu finden, Halt gibt ihr das Theater spielen und Ballett tanzen. Juno chattet viel mit Benu aus Nigeria, will echte Verbindung, verweigert sich diese aber gleichzeitig aus Skepsis und Selbstschutz. Der Roman erzählt von menschlichen Bedürfnissen und davon, dass echte Verbindung nur im echten Leben stattfinden kann. Sensibilität, Vorsicht und alternativlose Hoffnung charaktisieren die Protagonisten.
„Wisst ihr, wie das ist, immer der Hilfe anderer Leute ausgesetzt zu sein, die aber entweder nie kommen oder immer zu spät kommen? Während Jupi hier jeden seiner Schritte nach draußen tagelang vorweg planen muss? Jupiter musste immer überpünktlich da sein. Die Einstiegs-hilfe für den ICE musste fünf Werktage im Voraus bestellt werden. Außerdem waren sie eine Stunde früher aufgestanden als notwendig, zur Sicherheit, wie immer, falls was schiefgehen sollte: Jupiter kommt nicht schnell genug vom Bett in den Rollstuhl. Der Nachbar, der mit dem Rollstuhl hilft, ist plötzlich doch nicht zu Hause. Solche Dinge. Und das ist nicht gerecht, rief Juno, unhörbar natürlich, aber einige Leute schauten trotzdem schuldbewusst zu ihnen hin. Da vorn war ein Schaffner, Juno eilte mit bestimmten Schritten zu ihm. Der Zug muss noch warten! Die Einstiegshilfe ist nicht da! Sie brüllte das diesmal wirklich, es hallte weit über die Bahnsteige. Später erinnerte sie sich, dass sie mit dem Fuß aufgestampft und etwas Unhöfliches zu einer Frau gesagt hatte, die panisch an ihr vorbei zu einer der Zugtüren eilte. Und da lag der Hauptbahnhof für einen Moment still. Juno hatte ihn einfach angehalten. Man hörte die Spatzen sich um ein paar Krümel streiten. Jupiter, wo war Jupiter? Er war etwas abseits gerollt und hielt das Handy ans Ohr. Er habe das Mobilitätszentrum der Bahn angerufen, doch niemand sei rangegangen, erzählte er später. Pfeifen im Ohr. Es verging ein Leben, bis die Person mit der scheppernden Einstiegshilfe herbeieilte.“ Eine Stelle, die ich mochte und zu schätzen wusste. Sichtbarkeit für Minderheiten, für etwas, das privilegierte Menschen kaum einen Blick haben - wenn ich ehrlich bin, ich wusste zum Beispiel nicht, dass man Tage vor einer Reise den ICE anrufen muss. Die Hilflosigkeit und Wut darauf, dass eine geliebte Person eine solche Einschränkung erleiden muss (ich kann nicht aus Jupiters Perspektive sprechen, das Buch ist aus Junos Perspektive) und wie scheisse selbst ein „reiches“ Land wie Deutschland sich darum kümmert. Genauso wie der fehlende Aufzug zur Wohnung, das fehlende Geld für eine neue Wohnung mit Aufzug bei den steigenden Mietpreisen und das mangelnde Gehalt für Künstlerinnen. Genau wegen dieser Realität fängt Juno vermutlich an mit Benu zu schreiben, obwohl die Gespräche oberflächlich sind und sie sich niemals kennenlernen werden. Leider hat mich das Buch garnicht gepackt, man konnte es gut runterlesen, aber es hat mich bis auf die zitierte Stelle nie in den Bann gezogen. Zwar ein realistisches Bild von dem anstrengenden Alltag, dem Fehlen von Sinn und Arbeit ohne Ende, aber auch wirre Gedanken, die kein Ende finden, die oft nicht sehr tief wirken, was irgendwie dazu passt, aber auch einfach oberflächlich-realistisch bleibt. Für mich persönlich hing das Buch zwischen Abgrenzung und Flucht aus der Realität, aber gleichzeitig zu realistisch und zu wenig poetisch und gefühlvoll dafür, wenn das irgendwie Sinn macht.
Ich weiß wirklich nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll 😅 Ich war teilweise richtig sauer beim Lesen, so richtig dieses „meinst du das gerade ernst?!“ Gefühl 🤯 So viele Dinge daran sind moralisch einfach komplett schief und ich hab mich die ganze Zeit gefragt, warum das so dargestellt wird. Vor allem diese Doppelmoral hat mich wahnsinnig gemacht. Und trotzdem… konnte ich nicht aufhören zu lesen 🫠 Die Protagonistin ist so schwierig. Selbstverliebt, widersprüchlich und teilweise einfach unfair, aber genau das macht es irgendwie auch so spannend, weil man sich die ganze Zeit an ihr abarbeitet. Und genau das ist auch das Verrückte daran: Dieses Buch lässt dich nicht in Ruhe. Du denkst danach weiter, stellst alles infrage und änderst gefühlt alle paar Minuten deine Meinung dazu. Ich finde nicht, dass es perfekt ist. Gerade bei sensiblen Themen hätte es an manchen Stellen echt mehr Tiefe gebraucht. Aber ganz ehrlich? Es hat mich komplett auseinandergenommen. Wütend gemacht, verwirrt und gleichzeitig so gepackt, dass ich es nicht vergessen kann. Und genau deshalb ist es irgendwie verdammt stark 🔥 Ich kann absolut verstehen, warum das Buch 2024 den Buchpreis gewonnen hat.
Solides Buch mit schönem Schreibstil, mal ist man nah dran an der Geschichte, mal aufgrund von Regieanweisungen weiter weg. Ich fand die Handlung etwas flach, die Charaktere waren mir fremd und ich habe mir einen größeren Spannungsbogen gewünscht. Trotzdem habe ich es irgendwie gern und schnell gelesen.