Sara ist 25, attraktiv, klug und schlagfertig - und steht mitten im Leben. Als sie Miles begegnet, funkt es sofort. Doch hinter Saras coolem Auftreten verbirgt sich eine panische Angst vor körperlicher Nähe, die jede Berührung zur Herausforderung macht. Miles akzeptiert das und gibt ihr den Raum, den sie braucht. Drei Monate lang treffen sie sich, ohne sich zu berühren. Während eine tiefe Verbindung wächst, sehnen sich beide nach mehr: Intimität, Verständnis, einem Gegenüber, das hält, ohne festzuhalten. Aber wie gelingt eine Beziehung, wenn Nähe sich wie Gefahr anfühlt? Und wie findet man zueinander, wenn Heilung Zeit braucht?
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Herzflut
von Charlotte Paradise, Wiebke Pilz
Sara ist 25, attraktiv, klug und schlagfertig - und steht mitten im Leben. Als sie Miles begegnet, funkt es sofort. Doch hinter Saras coolem Auftreten verbirgt sich eine panische Angst vor körperlicher Nähe, die jede Berührung zur Herausforderung macht. Miles akzeptiert das und gibt ihr den Raum, den sie braucht. Drei Monate lang treffen sie sich, ohne sich zu berühren. Während eine tiefe Verbindung wächst, sehnen sich beide nach mehr: Intimität, Verständnis, einem Gegenüber, das hält, ohne festzuhalten. Aber wie gelingt eine Beziehung, wenn Nähe sich wie Gefahr anfühlt? Und wie findet man zueinander, wenn Heilung Zeit braucht?
Aktuelle Rezensionen(2)
So etwas habe ich noch nie gelesen! Ich möchte dieses Buch in den höchsten Tönen loben, weil ich befürchte, dass es unter dem Radar fliegen wird und eventuell auch sprachlich Hindernisse stellt. Das Werk ist langsam, ungeschönt und so dermaßen ehrlich, dass ich einfach sagen muss: So etwas habe ich noch nie gelesen. Und selten waren TW im Buch so relevant wie hier! Ich habe fast ein Viertel des Romans gebraucht, um so richtig reinzukommen. Die Sprache von Charlotte Paradise ist nüchtern und zugleich manchmal poetisch. Ich habe in der Regel ein Problem mit Poesie, wenn sie nur als rein sprachliches Stilmittel eingesetzt wird. Hier dient sie allerdings der Abschwächung des behandelten Traumas und als ich das verstanden hatte, war es für mich auch mehr als in Ordnung. Sara war mir eine ganze Weile lang recht fremd. Ich fand die Thematisierung von Vaginismus im Kontext einer sich entwickelnden Beziehung so wichtig und spannend. Die Autorin nimmt uns tief mit rein in die Konflikte, Bedürfnisse und Retraumatisierungen ihrer Figuren. So langsam konnte ich dann auch verstehen, dass Sara etwas Schlimmes widerfahren sein muss und sie mir deshalb so verschlossen vorkam - sie ist es für ihre Mit-Figuren ebenso wie für uns Leser*innen. Großartig, wenn auch herausfordernd geschrieben. Miles ist eher eine Nebenfigur und mit der Wahl bin ich persönlich zufrieden. Wir bekommen dennoch genügend seiner Gedanken mit und ich finde ihn bis zum Schluss fantastisch geschrieben. Er entzieht sich einer klaren Bewertung, hat positive wie negative Seiten, verhält sich mal mehr und mal weniger nachvollziehbar - so wie eben alle Menschen. Vor der Figurenzeichnung kann ich einfach nur meinen Hut ziehen, unglaublich talentiert ist die Autorin an dieser Stelle. Sie weigert sich, einfache und leicht einzuordnende Charaktere zu schreiben. Das ist anstrengend, aber unglaublich lebensnah. Die Entwicklung der Beziehung, die Therapiearbeit Saras und alles, was sie am Ende noch über ihr Trauma erfährt (und was auch nicht) hat mich bewegt und extrem erschüttert. Ich verweise nochmal auf die TW, die sollten unbedingt ernst genommen werden. Charlotte Paradise ist zwar nicht voyeuristisch unterwegs und schwächt Formulierungen geschickt ab, aber es ist und bleibt markerschütternd. Ein Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte. Es entfaltet seine Kraft auf ganz stille Art und braucht anfangs eine Weile, um Nähe zuzulassen. Damit geht es eine dem zentralen Paar ähnliche Beziehung mit uns Lesenden ein und ich verbleibe absolut begeistert - so unpassend mir diese Formulierung bei einer solchen Geschichte auch erscheint. Wenn ihr ehrliche Bücher über traumatisierte Figuren und deren Beziehungen sucht, ohne dass die Protagonistin dabei auf ihr Trauma reduziert wird, dann gebt dem Buch unbedingt eine Chance.
Bereits zu Beginn des Romans hatte ich Schwierigkeiten mich in die Geschichte und auch die Protagonistin einzufinden. Das lag wohl zum einen daran, dass die Geschichte aus einer Beobachtungsperspektive erzählt wird, wodurch mir die Gedanken von Sara fernblieben. Zum anderen aber wohl auch daran, dass die Geschichte immer wieder hin&herspringt, Rückblenden und Zeitsprünge enthält, diese jedoch aber nicht klar erkennbar sind. Außerdem waren viele Passagen für mich zu sehr ausschweifend und hätten gerne kompakter sein dürfen. Erst beim Kennenlernen mit Miles blüht Sara auf und man bekommt als Leser mehr von ihrem Charakter zu greifen und kann sich in ihre Situation, ihre Ängste und Sorgen einfinden. Miles hingegen wird von Anfang an als perfekter Gegenspieler dargestellt und spiegelt genau das wieder, was Sara braucht: einen geduldigen und einfühlsamen Partner, der ihr mit Verständnis begegnet und ihr ausreichend Zeit gibt, um Nähe zuzulassen. Mit der Zeit intensiviert sich die Beziehung der beiden und die anfängliche rosarote Brille beginnt zu bröckeln. Es kommen immer mehr Unstimmigkeiten auf und man spürt, dass zwischen den beiden viel Unausgesprochenes aufkommt, was zu Missverständnissen führt. So richtig öffnen sich die beiden leider erst kurz vor Schluss. Aufgrund der sehr speziellen Thematik und der bedrückenden Schwere, die diese mitbringt, blieben mir die Geschichte selbst, aber auch die handelnden Figuren leider etwas fern und so wirklich abgeholt hat es mich zu keinem Zeitpunkt. Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, waren die Triggerwarnungen, die, aufgrund der schweren Thematik, auf jeden Fall notwendig waren. (TW: psychische Erkrankung, Trauma, sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung, selbstverletzendes Verhalten). Und auch der sensible Umgang mit der Mental-Health- & Therapie-Thematik war sehr gelungen! Fazit: Ein sensibler und atmosphärischer Debütroman, der sich mit den Themen Trauma, Bindungsangst, Selbstakzeptanz und Heilung auseinandersetzt. Die Geschichte von Sara und Miles wird leise und unaufgeregt erzählt und setzt nicht auf Drama oder Spannung, sondern auf Feinfühligkeit und Empathie. Autorin: Charlotte Paradise Verlag: Pola Übersetzung: Wiebke Pilz