4.3

Fegefeuer

von Sofi Oksanen, Angela Plöger

Format:Hardcover

» Fegefeuer ist ein kühner, grandios geschriebener und auch perfekt übersetzter Roman zur rechten Zeit. Man kann ihn neben Imre Kertész ins Regal stellen«

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
400 SeitenHardcover
Erschienen an: August 19, 2010

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4.3(8 ratings)
Christian Steinberger Rezension von Christian Steinberger

"Fegefeuer" ist der erste Roman einer geplanten Quartett-Reihe von Sofi Oksanen, von der bisher drei Bände erschienen sind. Im Zentrum der Handlung stehen zwei Frauen, die auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten haben: die alte Aliide Tru, die auf einem estnischen Bauernhof in sehr bescheidenen und ärmlichen Verhältnissen lebt, bekommt eines Tages Besuch von einem jungen Mädchen, Zara. Zara ist auf der Flucht vor Pascha, der sie mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt und dort zur Prostitution gezwungen hat. Während Aliide glaubt, Zara sei zufällig an ihren Hof geraten, weiß Zara den wahren Grund ihres Auftauchens, bei dem ein Foto eine wichtige Rolle spielt, das Zara die ganze Zeit mit sich geführt hat. Die Begegnung von Aliide und Zara, ihre langsame Annäherung und ihre Gespräche bilden den Hauptstrang der Handlung, von dem immer wieder Abzweigungen in die Vergangenheit der beiden Frauen unternommen werden. Aliide erlebte, wie Russland Estland besetzte und wie Parteifunktionäre mit den politischen Säuberungen begannen. Zara erhoffte sich nach dem Zerfall der Sowjetunion ein neues Leben im Westen und erlebt Missbrauch und sexualisierte Gewalt. Und dann gibt es noch ein Band, das die beiden Frauen verbindet... Sofi Oksanens Roman erhielt 2012 im Rahmen der Veröffentlichung vielseitige Beachtung und einige Preise. Sie prangert die Gewalt Russlands an, die Gewalt gegen Frauen, die Unbarmherzigkeit des Parteiapparats, der Menschen ihrer Identität und Individualität beraubt und verhandelt anhand von Aliides und Zaras Geschichte auch die Frage, inwiefern und ob sich das Individuum gegen Macht- und Gewaltstrukturen auflehnen kann. Angesichts der aktuellen politischen Weltlage hat der Roman wieder eine unangenehme Aktualität.

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