Guy Montag ist Feuerwehrmann, aber in Fahrenheit 451 besteht seine Aufgabe nicht darin, Brände zu löschen, sondern Bücher zu verbrennen, ein Gegenstand, der verboten ist, weil er Zwietracht und Leid verursacht. Der mechanische Jagdhund der Feuerwehr, bewaffnet mit einer tödlichen Injektion, begleitet von Hubschraubern, ist bereit, Dissidenten aufzuspüren, die noch Bücher aufbewahren und lesen. Víctor Santos, Autor von Polar, einem Werk, das auf Netflix verfilmt wurde, fängt in seiner Zeichnung die von den Medien versklavte Zivilisation und den Konformismus von Ray Bradburys dystopischem Klassiker ein.
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Fahrenheit 451
von Ray Bradbury, Victor Santos, Silvano Loureiro Pinto
Guy Montag ist Feuerwehrmann, aber in Fahrenheit 451 besteht seine Aufgabe nicht darin, Brände zu löschen, sondern Bücher zu verbrennen, ein Gegenstand, der verboten ist, weil er Zwietracht und Leid verursacht. Der mechanische Jagdhund der Feuerwehr, bewaffnet mit einer tödlichen Injektion, begleitet von Hubschraubern, ist bereit, Dissidenten aufzuspüren, die noch Bücher aufbewahren und lesen. Víctor Santos, Autor von Polar, einem Werk, das auf Netflix verfilmt wurde, fängt in seiner Zeichnung die von den Medien versklavte Zivilisation und den Konformismus von Ray Bradburys dystopischem Klassiker ein.
Aktuelle Rezensionen(41)
𝗠𝗜𝗧 𝗦𝗣𝗢𝗜𝗟𝗘𝗥 𝘍𝘢𝘩𝘳𝘦𝘯𝘩𝘦𝘪𝘵 𝟦𝟧𝟣 ist für mich vor allem ein Roman der großen Ideen – und zugleich einer, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass diese Ideen stärker ausgearbeitet worden wären. Zu Beginn hatte ich zunächst Schwierigkeiten mit Bradburys Sprache. Die vielen Metaphern und die stark bildhafte Erzählweise wirkten auf mich stellenweise beinahe überladen, sodass ich erst einmal einen Zugang finden musste. Im Verlauf der Geschichte hat sich das für mich jedoch gelegt, und irgendwann trat die Sprache hinter der Handlung zurück. Besonders in den späteren Passagen entwickelte der Roman eine Spannung, die mich überraschend stark gepackt hat. Vor allem Montags Flucht vor dem mechanischen Hund war für mich einer der Höhepunkte des Buches. Gleichzeitig hatte ich immer wieder das Gefühl, dass Bradbury Türen öffnet, durch die ich gerne weitergegangen wäre, nur um sie kurz darauf wieder zu schließen. Am deutlichsten empfand ich das bei Clarisse. Sie ist es, die Montag überhaupt erst dazu bringt, seine eigene Welt mit anderen Augen zu betrachten. Sie fragt, beobachtet, erinnert sich und empfindet – all das, was in dieser Gesellschaft zunehmend verloren gegangen ist. Umso enttäuschender war es für mich, dass sie plötzlich aus der Geschichte verschwindet. Zwar wird angedeutet, was mit ihr geschehen ist, doch gerade bei einer Figur, die für Montags Entwicklung eine so zentrale Bedeutung hat, hätte ich mir mehr gewünscht. Ich hätte sie gerne noch einmal gesehen. Auch der Krieg blieb für mich seltsam blass. Obwohl er immer wieder im Hintergrund auftaucht, erfährt man kaum etwas über seine Entwicklung oder seine Bedeutung. Wenn er schließlich über die Stadt hereinbricht, wirkt es deshalb beinahe wie ein abruptes Erwachen aus einem anderen Traum. Die Zerstörung kommt plötzlich – und ebenso schnell ist sie wieder vorbei. Dadurch hatte das Ende für mich etwas Überstürztes und beinahe Surreales, das mich eher irritiert als berührt hat. Und doch besitzt gerade das Ende eines der schönsten Bilder des Romans: die Menschen, die Bücher nicht mehr in ihren Händen, sondern in ihren Erinnerungen tragen. Nachdem die Bücher verbrannt wurden, werden die Menschen selbst zu ihren Trägern. Zu lebenden Seiten, die das Gedächtnis der Literatur bewahren. In diesem Gedanken steckt für mich eine stille Schönheit. Bücher können verbrannt werden, Papier kann verschwinden – aber solange jemand ihre Worte erinnert, sind sie nicht vollständig ausgelöscht. Montags Wandlung vollzieht sich zwar recht schnell, was mich allerdings weniger gestört hat. 𝘍𝘢𝘩𝘳𝘦𝘯𝘩𝘦𝘪𝘵 𝟦𝟧𝟣 ist für mich ohnehin weniger eine psychologisch fein ausgearbeitete Charakterstudie als eine Parabel über eine Gesellschaft, die ihre Fähigkeit zum Denken und Fühlen freiwillig gegen Bequemlichkeit und Unterhaltung eingetauscht hat. Etwas schwerer fiel mir dagegen die religiöse Symbolik. Besonders die zentrale Stellung der Bibel konnte ich für mich nicht ganz nachvollziehen. Natürlich muss man den Roman in seiner Entstehungszeit betrachten, dennoch empfand ich es aus heutiger Perspektive als befremdlich, dass ausgerechnet dieses Buch eine so herausgehobene Stellung unter all den Werken erhält, die es wert sind, bewahrt zu werden. Die religiösen Bezüge ziehen sich zudem immer wieder durch den Roman und haben mich dadurch stärker beschäftigt, als mir lieb war. Ähnlich ambivalent empfand ich die Darstellung der Frauen. Während die Männer überwiegend als Handelnde, Wissensbewahrer oder Rebellen erscheinen, sind die Frauen häufig diejenigen, die vor ihren Bildschirmen sitzen, konsumieren und langsam den Zugang zu ihrem eigenen Empfinden verlieren. Auch die Stellen rund um Abtreibung hinterließen bei mir einen patriarchalen Beigeschmack. Vielleicht ist manches davon schlicht dem zeitlichen Kontext geschuldet, aber unabhängig von Bradburys Intention fühlte es sich für mich stellenweise unangenehm an. Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass Clarisse eine größere Rolle behalten hätte. Mildred wiederum fand ich gerade wegen ihrer inneren Leere erschreckend. Dass sie sich nicht einmal mehr an ihren eigenen Selbstmordversuch erinnert, ist für mich eine der traurigsten Vorstellungen des Romans. Sie hat sich selbst so weit entfremdet, dass selbst ein Moment äußerster Verzweiflung keine Spur mehr in ihrem Bewusstsein hinterlassen hat. Sie funktioniert, konsumiert und bewegt sich durch ihre Welt, ohne wirklich in ihr anwesend zu sein. In dieser Hinsicht erinnerte sie mich sogar an 𝘛𝘩𝘦 𝘛𝘳𝘶𝘮𝘢𝘯 𝘚𝘩𝘰𝘸: an Menschen, die von einer künstlich erzeugten Wirklichkeit so vollständig umschlossen werden, dass sie kaum noch bemerken, wie wenig von ihnen selbst darin übrig geblieben ist. Am Ende bleibt für mich deshalb vor allem die Idee von Fahrenheit 451 zurück. Ich finde vieles daran bemerkenswert, manche Bilder sogar wunderschön. Gleichzeitig haben mich die erzählerischen Lücken, die plötzlichen Entwicklungen und einige der gesellschaftlichen und religiösen Aspekte immer wieder aus der Geschichte herausgerissen. Ein Roman, dessen Gedanken ich interessanter finde als seine Umsetzung – und bei dem ich trotzdem froh bin, ihn gelesen zu haben.
Eine beeindruckende Dystopie die 1953 geschrieben wurde und die auf beängstigende Weise zu Heute Parallelen zieht. Es zeigt ungemein die Wichtigkeit von Büchern und freien Meinungsaustausch aber auch die Gefahren von „Digitaler Dauerbeschallung“.
Thematisch sehr aktuell und weitestgehend verständlich. Gutes Buchclubbuch. Der Schreibstil hat mir persönlich nicht gefallen.
Am Anfang fing es mir schwer in die Welt einzutauchen, aber besonders der Hauptteil ist sehr beeindruckend geschrieben und hat eine wichtige Message, indem viele Inhalte auch aktuell erkennbar sind. Sollte jeder einmal gelesen haben.
Die Grundidee von Fahrenheit 451 ist wahnsinnig gut und leider wieder hoch aktuell. Allerdings konnte ich leider keinen Zugang zu der Story finden und habe mich mehr durch das Buch gequält, als das es ein bereicherndes Leseerlebnis für mich war. Vielleicht bin ich auch einfach keine Klassikleserin.