4.2

Es ist ein Mädchen

von Camille Laurens

Format:Hardcover

»Haben Sie Kinder?«, wird der Vater gefragt. »Nein, ich habe zwei Mädchen«, antwortet er. – Diese Szene ist eine der ersten Erinnerungen einer Frau, die um 1960 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Rouen aufwächst. Was folgt, ist ein Leben, wie es exemplarisch scheint für ihre Generation: Laurence befreit sich aus der Enge des Elternhauses, erlebt sexuelle Freiheit, aber auch Gewalt, sie verliert einen Sohn bei der Geburt und bringt eine Tochter zur Welt. Und mit dieser Tochter, die sich allen Rollenzuschreibungen entzieht, öffnet sich etwas – auch für Laurence und ihr Leben als Frau. Aus dem Besonderen eines Frauenschicksals leitet dieser klug konstruierte Roman ab, was im Allgemeinen folgt, nachdem es heißt: »Es ist ein Mädchen.«

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: May 18, 2022

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Aktuelle Rezensionen(4)

4.2(12 ratings)
ViciRezension von Vici

in »es ist ein mädchen« geht es um laurence, die um 1960 in frankreich geboren wird – als mädchen, und nicht als so sehnlichst erwarteter junge. laurence durchlebt die ungerechtigkeiten, denen frauen teilweise heute noch ausgesetzt sind. wie unterscheiden sich gesellschaftliche erwartungen an frauen im gegensatz zu denen der männer? wit welchen ängsten und herausforderungen wachsen frauen auf? wie ist es ein mädchen zu sein? ich habe dieses buch als hörbuch gehört. tiefgründig, feministisch, unglaublich gute gesprochen. 5/5 ★

LunaRezension von Luna

Ich habe „Es ist ein Mädchen“ aufgrund einer sehr positiven Rezension gelesen – mit entsprechend hohen und vor allem konkreten Erwartungen. Vielleicht war es gerade diese Erwartungshaltung, die dazu führte, dass mich der Roman zunächst enttäuschte. Der Text beleuchtet eindringlich die Stellung der Frau im mittleren bis späten 20. Jahrhundert, geprägt durch das Patriarchat. Die Intensität, mit der die strukturelle Ungleichheit des weiblichen und männlichen Geschlechts geschildert wird, war für mich stellenweise kaum auszuhalten – so sehr, dass ich zeitweise überlegte, das Buch abzubrechen. Die erste Hälfte empfand ich als zäh und zu schmerzhaft, beinahe unerträglich. Die zweite Hälfte – insbesondere das letzte Drittel – hat mich tief berührt. Zwar durchläuft die Protagonistin nicht die Entwicklung, die ich mir zu Beginn erhofft hatte, doch ihre Tochter bringt die erhoffte Dynamik ins Geschehen. Diese neue Perspektive verleiht dem Roman eine unerwartete Wärme und Wendung, die vieles aufwiegt. Als Frau, die sich patriarchaler Strukturen sehr bewusst ist und aktiv versucht, sich von ihnen zu lösen, hat mich das Buch auf eine unangenehme, aber tiefgehende Weise getroffen. Die Autorin treibt das Thema stellenweise so sehr auf die Spitze, dass es schmerzt – und genau dieser Schmerz scheint notwendig, um die versöhnliche Kraft des Endes wirklich zu spüren. „Es ist ein Mädchen“ ließ mich viel fühlen: Wut, Machtlosigkeit, Trauer, Ekel – und am Ende Hoffnung. Der Roman ist unbequem, aber wichtig. Und trotz – oder gerade wegen – der anfänglichen Schwere kann ich ihn mit Überzeugung weiterempfehlen.

PaulaRezension von Paula

Ich hab dieses Buch aufgrund der aufgedruckten Rezensionen gelesen, in welchen es mit mit dem Werk Annie Ernaux‘ (Liebe ich) verglichen und von Mareike Fallwickl empfohlen wird. Ein unglaublich feministischer Roman, der misogyne Narrative aufgreift und zeigt, wie diese in uns allen stecken, wie auch Frauen damit zu kämpfen haben. Camille Laurens beschreibt in unglaublich nahbarem Stil, welchen Erwartungen Mädchen und Frauen in der Gesellschaft ausgesetzt sind, mit welcher Doppelmoral sie konfrontiert werden und auch welche Gewalt (physisch, psychisch, ökonomisch…) Ihnen - uns - ständig und überall widerfährt.

ArminRezension von Armin

„Du musst immer wachsam sein. Immer wissen, wer um dich herum ist, wer hinter dir ist, ob dich jemand ansieht, ob dir jemand folgt. Man muss auf der Hut sein, aber ohne, dass man es merkt.“ In Rouen 1960 kommt ein Mädchen zur Welt, Laurence. Sie ist das zweite Mädchen in der Familie und wird enttäuschend empfangen. Denn die Familie wollten ursprünglich einen Sohn - eine männliche Person. Der Vater wird gefragt, ob er Kinder habe und antwortet mit einem Nein und sagt:“ ich habe zwei Mädchen“. Und dies ist der Beginn einer Abwertung einer gutbürgerlichen aber verachteten Familie, die sexuellen Missbrauch stillschweigend ignoriert und keine Rechenschaft zu ziehen scheinen mögen. Laurence trennt sich später von dieser mit patriarchalisch geprägten Familie und wird selbst Mutter. Jedoch wird sie ständig von diesem Gefühl verfolgt, was es eigentlich bedeutet ein Mädchen zu sein. ACHTUNG TW: Mysogynie, Tod, Abtreibung, sexueller Missbrauch. Ich hatte dieses Vergnügen vor dem ET das Rezensionsexemplar lesen zu können und musste es tatsächlich paar mal weglegen. Die Autorin Camille Laurens schaffte es mich zu beeindrucken und zu bewegen, aber auch eine Art Wut auszulösen. Ein Mädchen in unserer heutigen Gesellschaft zu sein, ist alles andere als leicht. An manchen Stellen war ich erschütternd und dann ließ diese Spannung nach und ab und zu kam auch etwas Humor ins Spiel, was sehr gut tat um sich kurz zu beruhigen. Sehr beeindruckend schien mir die Du-Erzählperspektive. Bis Laurence mit 9 Jahren eine traumatische Erfahrung erleben musste, wechselte Camille in die 3. Person und baut eine Distanz zwischen Laurence und dem Geschehen auf. Es zeigt ganz klar, dass in der Gesellschaft immernoch patriachale Strukturen und Mysogynie herrschen. Dass diese immernoch nicht durch zu brechen scheinen und trotz der ständigen Erschöpfung weiter kämpfen zu müssen, macht mütend - müde und wütend. Wenn früh den Mädchen schon eingetrichtert wird, man solle auf der Straße aufpassen, kein Sex vor der Ehe haben oder die ständige Rechtfertigung sexueller Übergriffe und der Frage, was man wohl anhatte, ist eine Demütigung und einfach nur Schrott. (Sorry für diese Wortwahl…) „Der Unterschied, Mama, zwischen Männern und Frauen ist, dass Männer Angst haben um ihre Ehre, während Frauen Angst haben um ihr Leben.“

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