Die erste Regel des Landstreicherlebens: Bleib nicht zu lange an einem Ort, sonst fällt es den Mistkerlen auf. Tibb Ingleby hat nichts: kein Zuhause, keine Familie, niemanden, der sie beschützt – nur die Regeln, die ihre Mutter sie gelehrt hat. Als junge Vagabundin trickst sie sich durchs Leben, naiv, aber alles andere als dumm; furchtlos, aber mit einer gehörigen Portion Misstrauen gegenüber der Welt, allen voran den Männern darin. Doch auf ihrem Weg durch die Wälder und Felder des spätmittelalterlichen England trifft sie nicht zuletzt auf ebenso verlorene wie liebenswerte Außenseiter, Ausreißer und Schausteller. Tibb lernt, dass ein Zuhause nicht unbedingt ein Dach über dem Kopf bedeutet. Und endlich nicht mehr allein, wagt sie ihre bisher größte Schwindelei. Pikes Debütroman ist unglaublich originell, frech und gleichzeitig so tief bewegend wie zeitlos.
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Eine kleine Schwindelei
von Rosanna Pike, Susanne Höbel
Die erste Regel des Landstreicherlebens: Bleib nicht zu lange an einem Ort, sonst fällt es den Mistkerlen auf. Tibb Ingleby hat nichts: kein Zuhause, keine Familie, niemanden, der sie beschützt – nur die Regeln, die ihre Mutter sie gelehrt hat. Als junge Vagabundin trickst sie sich durchs Leben, naiv, aber alles andere als dumm; furchtlos, aber mit einer gehörigen Portion Misstrauen gegenüber der Welt, allen voran den Männern darin. Doch auf ihrem Weg durch die Wälder und Felder des spätmittelalterlichen England trifft sie nicht zuletzt auf ebenso verlorene wie liebenswerte Außenseiter, Ausreißer und Schausteller. Tibb lernt, dass ein Zuhause nicht unbedingt ein Dach über dem Kopf bedeutet. Und endlich nicht mehr allein, wagt sie ihre bisher größte Schwindelei. Pikes Debütroman ist unglaublich originell, frech und gleichzeitig so tief bewegend wie zeitlos.
Aktuelle Rezensionen(4)
Völlig unerwartet hat sich Tibb in mein Herz geschlichen. Stellenweise war es mir etwas zu dreckig und brutal, aber die besondere Gemeinschaft der Charaktere hat mich sehr berührt.
Was für eine schöne Überraschung! Ich bin durch „Eine kleine Schwindelei“ förmlich geflogen. Die sehr kurzen Kapitel haben dabei definitiv geholfen, denn aus „nur noch eins“ wurden bei mir regelmäßig fünf oder sechs. Aber auch Rosanna Pikes Schreibstil hat es mir unglaublich leicht gemacht. Er ist frech, direkt, manchmal herrlich trocken und hat einen ganz eigenen Humor, den ich sehr mochte. Dabei hatte ich vor dem Lesen tatsächlich etwas ganz anderes erwartet. Bei einer Geschichte über eine junge Landstreicherin im England der Tudorzeit hatte ich mich innerlich schon auf eher schwere und düstere Kost eingestellt. Bekommen habe ich natürlich auch ernste und traurige Momente, aber vor allem ganz viel Leichtigkeit, Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Und das alles, ohne kitschig zu werden. Mein persönliches Highlight war dabei ganz klar Tibb. Ich mochte ihre einzigartige Art vom ersten Moment an. Diese Naivität, gepaart mit ihrer absolut unerschütterlichen Meinung zu eigentlich allem und jedem, fand ich großartig. Mehr als einmal musste ich bei ihr an die Figur der Sally Diamond denken, die ich ebenfalls sehr ins Herz geschlossen habe. Tibb sieht die Welt einfach ein bisschen anders und genau das macht sie für mich so besonders. Überhaupt sind mir die Figuren im Laufe der Geschichte unglaublich ans Herz gewachsen. Jede*r bringt die eigenen Eigenheiten und kleinen Macken mit und gerade dadurch fühlte sich diese ungewöhnliche Gemeinschaft für mich so lebendig an. Ich wollte irgendwann eigentlich nur noch Zeit mit ihnen verbringen und gar nicht mehr weg. Besonders schön fand ich, was Rosanna Pike aus der Geschichte über Freundschaft und Verbundenheit macht. Es geht darum, was ein Zuhause überhaupt bedeutet und wie unglaublich wertvoll Menschen sein können, bei denen man sich aufgehoben fühlt. Geld und Besitz erscheinen dagegen plötzlich ziemlich nebensächlich. Obwohl die Geschichte vor mehreren Jahrhunderten spielt, fand ich diese Gedanken erstaunlich aktuell. Im Grunde hätte vieles davon genauso gut heute passieren können. „Eine kleine Schwindelei“ war für mich deshalb ein echtes Wohlfühlbuch, obwohl ich genau das überhaupt nicht erwartet hatte. Warmherzig, witzig, manchmal traurig und voller wunderbar eigenwilliger Charaktere. Wer Geschichten über Außenseiter, ungewöhnliche Freundschaften und das Finden eines eigenen Platzes in der Welt mag, sollte Tibb unbedingt kennenlernen. Ich wäre jedenfalls sehr gerne noch ein bisschen länger bei ihr und ihrer besonderen Truppe geblieben.
Eine kleine Überraschung in diesem Jahr. Ich kann nur empfehlen die Welt für eine Weile durch Tibb Inglebys Augen zu sehen.
Das Cover von "Eine kleine Schwindelei" ist so außergewöhnlich, dass es mich direkt neugierig gemacht hat. Und die Protagonistin ist mindestens genauso außergewöhnlich! Tibb Ingleby zieht mit ihrer Mutter als Landstreicherin durch das England des 16. Jahrhunderts und erlebt dabei, wie es ganz unten in der Gesellschaft ist. Denn Vagabundieren ist gesetzlich verboten und Tibb muss sich bald alleine durchschlagen... dabei hat sie von ihrer Mutter gelernt, dass sie sich vor Männern und vor allem auch der Kirche (oder wie Tibb sagen würde "großer-Mann-Gott") fern halten sollte. Auf ihrer Reise durch das spätmittelalterliche England trifft sie auf andere Außenseiter, die zuerst zu Freunden und dann zu Familie und einem Zuhause werden (mit oder ohne Dach). Der Schreibstil ist ebenfalls sehr außergewöhnlich und spiegelt den Bildungsstand und die Gedankenwelt von Tibb wider. Das Mädchen ist naiv und besitzt doch eine gehörige Portion Bauernschläue und einen gesunden Menschenverstand. Die Sprache ist derb und direkt und bildet damit einen deutlichen Kontrast zur Gesellschaft und vor allem der (heuchlerischen) Kirche der damaligen Zeit. Den Umgang mit queerer Liebe kann Tibb nämlich überhaupt nicht nachvollziehen, weil Liebe ist doch Liebe. Und wie daraus "eine kleine Schwindelei" entstehen konnte und was diese für Folgen hat, darf jeder selber nachlesen... Das letzte Drittel war gleichzeitg der spannendste Teil des Buchs und hat sich trotzdem etwas gezogen. Ein rundum ungewöhnliches, aber gelungenes Buch, das mit einer starken Heldin und einer spannenden, fast schon poetischen Sprache punkten kann.