Dieses schöne Leben
von Mikki Brammer
"Brammers Schreibstil ist so flüssig wie die Tränen, die man beim Lesen vergießt. Die Geschichte ist eine faszinierende Mischung aus Humor, Traurigkeit und Hoffnung."
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Dieses schöne Leben
von Mikki Brammer
"Brammers Schreibstil ist so flüssig wie die Tränen, die man beim Lesen vergießt. Die Geschichte ist eine faszinierende Mischung aus Humor, Traurigkeit und Hoffnung."
Aktuelle Rezensionen(6)
Ein Buch über das Sterben, das vom Leben handelt Kurzer Hinweis vorweg: Der Roman dreht sich um Tod, Sterben, Trauer und Verlust, allerdings auf eine warmherzige, lebensbejahende und tröstliche Weise. Wer aktuell selbst trauert oder mit dem Verlust eines geliebten Menschen ringt, sollte behutsam mit sich sein. Umgeben von Büchern, vielfältigem Wissen und geliebten Ritualen verbringt Clover eine ungewöhnliche, aber liebevolle Kindheit bei ihrem Großvater, einem Professor, in New York. Als er unerwartet stirbt – während sie verreist ist und nicht bei ihm sein kann – trifft Clover eine Entscheidung, die ihr Leben prägen wird: Sie wird Sterbebegleiterin. Denn niemand soll allein, ohne Trost, aus dem Leben scheiden müssen. Mit ihrer ruhigen, mitfühlenden Art ist Clover die Beste auf ihrem Gebiet. Doch während sie anderen hilft, in Frieden zu gehen, droht sie ihr eigenes Leben zu verpassen – zwischen ihrem Beruf und einsamen Abenden mit romantischen Filmen. Das ändert sich, als die quirlige Sylvie nebenan einzieht, die Clovers Beruf faszinierend statt abschreckend findet. Und dann bekommt Clover mit der resoluten alten Dame Claudia eine neue Klientin, die sie auf die Suche nach ihrer verlorenen großen Liebe schickt – eine Suche, die Clover ihrem eigenen Seelenverwandten näherbringt, als sie ahnt. Das ist für mich das Herzstück dieses Buches, und der Grund, warum es mich so tief berührt hat: die lebensbejahende Botschaft. „Dieses schöne Leben“ handelt vom Tod, aber im Kern geht es ums Leben. Brammer dreht die Perspektive um: Indem Clover Menschen beim Sterben begleitet, lernt sie, und wir mit ihr, was im Leben wirklich zählt. Welche Reue Menschen am Ende empfinden. Welche Momente sie als die kostbarsten erinnern. Was sie bereuen, nicht getan zu haben. Diese Botschaft – „Sei besonnen waghalsig. Auf ein Leben mit weniger Grund zum Bedauern“ – ist so klug und so tröstlich, dass ich das Buch mehrfach weglegen musste, um nachzudenken. Es ist keine kitschige Lebenshilfe-Botschaft, sondern eine, die aus den echten, kleinen Geschichten der Sterbenden erwächst. Genau dadurch wirkt sie authentisch und geht ans Herz, statt belehrend zu sein. Mikki Brammer schreibt warm, einfühlsam und mit einer Leichtigkeit, die dem schweren Thema seine Schwere nimmt. Ihr Stil ist flüssig und zugänglich – man liest sich mühelos durch die Seiten, obwohl die Themen alles andere als oberflächlich sind. Sie balanciert gekonnt zwischen Traurigkeit, Humor und Hoffnung, sodass das Buch nie ins Düstere kippt, aber auch nie verharmlost. Man merkt dem Buch an, dass Brammer aus dem Bereich Kunst und Architektur kommt – sie hat ein Gespür für Atmosphäre, für die kleinen, schönen Details. Die Beschreibung von Clovers büchergefülltem Zuhause, ihren Ritualen, der besonderen Atmosphäre an den Sterbebetten – all das ist sinnlich und liebevoll gestaltet. Die deutsche Übersetzung von Carolin Müller transportiert diese Wärme hervorragend. Clover ist eine wunderbar eigenwillige, leicht verschrobene Hauptfigur. Sie ist introvertiert, lebt zurückgezogen mit ihren Büchern und ihrer Katze, fühlt sich im Umgang mit Sterbenden wohler als mit lebenden Menschen. Diese Figur, die Trost spenden kann, aber selbst die Verbindung zum eigenen Leben verloren hat, ist herrlich nahbar. Man möchte sie sanft aus ihrer Schutzhülle locken, und genau das passiert im Laufe des Buches. Die Parallelen zu Figuren wie Eleanor Oliphant sind unverkennbar: die liebenswerte Sonderbarkeit, die Einsamkeit hinter der Fassade, die langsame Öffnung zum Leben. Brammer macht aus Clover aber keine Kopie, sondern eine eigenständige Figur mit ihrer ganz besonderen Beziehung zum Tod und zum Leben. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen. Was das Buch zusätzlich besonders macht: die wunderbaren Nebenfiguren. Die quirlige Nachbarin Sylvie, die Clover aus ihrer Isolation holt. Die resolute alte Dame Claudia, die Clover auf die Suche nach ihrer verlorenen Liebe schickt und damit alles ins Rollen bringt. Jede dieser Figuren bringt Clover (und die Leser:innen) ein Stück näher an die zentrale Erkenntnis: dass das Leben gelebt werden will, solange man es hat. Besonders die Geschichte um Claudia und ihre verlorene große Liebe hat mich berührt. Sie verleiht dem Roman eine zusätzliche romantische Ebene, die nie kitschig wird, sondern organisch aus den Themen Tod und Reue erwächst. Diese Verflechtung von Liebesgeschichte und Auseinandersetzung mit dem Sterben ist clever und herzerwärmend zugleich. Was ich an „Dieses schöne Leben“ besonders bemerkenswert finde: Brammer schafft es, ein Buch über das Sterben zu schreiben, das nicht deprimiert, sondern aufrichtet. Die Sterbeszenen sind nicht morbide, sondern würdevoll und oft sogar schön. Brammer entmystifiziert den Tod, nimmt ihm einen Teil seines Schreckens, ohne ihn zu verharmlosen. Das ist eine seltene und wertvolle Leistung. Gerade in unserer Gesellschaft, die den Tod gerne wegschiebt und tabuisiert, ist dieses Buch ein leiser, wichtiger Gegenentwurf. Es lädt ein, über die eigene Sterblichkeit nachzudenken – nicht aus Angst, sondern als Anstoß, das Leben bewusster und voller zu leben. Ich habe das Buch nicht nur als Unterhaltung gelesen, sondern als sanfte Erinnerung daran, was wirklich zählt. Ganz ehrlich, ein kleiner Vorbehalt: Das Buch hat ein eher ruhiges Tempo. Wer einen handlungsgetriebenen Roman mit ständigen Wendungen sucht, könnte den Mittelteil als etwas langsam empfinden. Mich hat genau diese Ruhe nicht gestört, im Gegenteil: Sie passt zum kontemplativen Thema, gibt den Gedanken Raum. Aber es ist ein Buch zum langsamen Genießen, nicht zum Verschlingen. Für mich überwiegen die Stärken so deutlich, dass es bei der vollen Sternzahl bleibt. Die lebensbejahende Botschaft, die liebevollen Figuren und die warmherzige Atmosphäre machen „Dieses schöne Leben“ zu einem Buch, das ich noch lange im Herzen tragen werde. Mein Fazit: „Dieses schöne Leben“ ist ein berührender, kluger Wohlfühlroman, der das schwere Thema Tod in eine zutiefst lebensbejahende Geschichte verwandelt. Mikki Brammer beweist mit ihrem Debüt großes Einfühlungsvermögen – sie schreibt über das Sterben und meint damit das Leben. Wer Bücher mit Herz und Tiefgang liebt, sollte unbedingt zu diesem Roman greifen. Besonders für alle, die nach einem Buch suchen, das tröstet, berührt und gleichzeitig Mut macht, das eigene Leben bewusster zu leben. Auch ein wunderschönes, bedeutsames Geschenk für Menschen, die gerade über die großen Fragen des Lebens nachdenken. Empfehlenswert für Fans warmherziger Wohlfühlromane mit Tiefgang wie Matt Haig, Gail Honeyman, Fredrik Backman oder Gabrielle Zevin. Für alle, die Bücher lieben, die berühren und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Auch ein bedeutsames Geschenk für Menschen in Umbruchsituationen oder für jeden, der sich mit den großen Lebensfragen auseinandersetzen möchte – auf eine sanfte, hoffnungsvolle Weise. Eher nichts für Leser:innen, die aktuell akut um einen geliebten Menschen trauern und sich noch nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen können, oder die handlungsgetriebene Romane mit hohem Tempo bevorzugen – „Dieses schöne Leben“ lebt von Ruhe, Atmosphäre und leiser emotionaler Tiefe statt von Spannung.
Durch dieses Buch habe ich meine Weg in die Ausbildung als Sterbebegleitende gefunden
Was mir gut gefallen hat, war der Schreibstil der Autorin, die Thematik des Romans und der Aufbau und die Kurven der Geschichte. Auch gab es einige Stellen, die mir sprachlich und sinngemäß sehr gut gefallen haben. Die Lesenden werden mehrfach zum Nachdenken angeregt, wo im Leben sie gerade stehen und wo sie vielleicht noch hin wollen. Allerdings empfand ich es an anderen Stellen sehr sprunghaft. Die Plots haben sich teils willkürlich gelesen und waren sehr von Dramatik getränkt. Clover als Hauptprotagonistin habe ich mehrfach als anstrengend empfunden. Eine wirkliche Entwicklung blieb irgendwie aus. Die letzten 50-100 Seiten haben mir dahingehend am besten gefallen, als Hugo den Schauplatz des Romans betreten hat. Einen Roman, in dem aus seiner Perspektive erzählt wird, hätte mir besser gefallen. Nichtsdestotrotz Ein gelungenes Buch, ich hatte mir bloß was anderes erhofft!
Was ich mir erhofft habe: Ein Buch, dass sich tiefer mit Liebe und Tod auseinandersetzt Was ich bekommen habe: Eine dezent wahnhafte Protagonistin, die das Pärchen von nebenan stalkt, mit dem Enkel ihrer sterbenden Klientin knutscht um sich dann in 10 Sekunden in den Enkel des verstorbenen Liebhabers dieser Klientin zuverlieben. Lol. Aber hey der Schreibstil ist gut.
Das Leben ist schön! „Das Geheimnis eines guten Todes ist es, ein gutes Leben zu führen.“ Wenn man eines aus diesem Roman für sich selbst mitnehmen kann, dann ist es das eigene Leben in vollen Zügen auszukosten, sodass es ohne Reue und Bedauern gelebt wird. Das Leben ist schön! Clover als Identifikationsfigur lebt selbst gewählt in der Isolation ihrer New Yorker Wohnung. Sie hat sich ein kleines, sicheres Reich geschaffen. Eine Welt voll aus Büchern, Antiquitäten des verstorbenen Großvaters und ihren Haustieren. Ihre einzigen sozialen Kontakte beschränken sich auf den 87 Jährigen Nachbarn Leo, ihre sterbenden Klienten und Death Café Treffen. Ich denke jeder, der sich schon mal in der Außenseiterrolle wieder gefunden hat, kann sich mit Clover gut identifizieren. Auch wenn sie es selbst nicht glaubt, so ist sie ein faszinierender Charakter und ihre Gesellschaft eine Bereicherung für andere. Sterbende Lügen nicht! Ich mochte ihre ruhige, feinfühlige Art. Gerade das schrullige, wofür sie sich zu schämen scheint, hat mich an ihr fasziniert. Sie ist anders, anders, aber gut! Als Leser lässt sich sehr viel für das eigene Leben mitnehmen. Z.B. das ein Trauerprozess schon mal mehr als ein Jahrzehnt dauern kann (was wie sich herausstellt bei Clover der Fall ist) und das es dafür keine fest gesetzten Grenzen gibt. Auch lernt man, dass es nie zu spät ist aus dem Schneckenhaus hinaus ins Leben zu treten und das allerwichtigste: „Ich liebe Dich“ zu sagen. Das letzte Drittel von „Dieses schöne Leben“ ist so rührend, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Ein sehr mitfühlender Roman über die Fügung des Schicksals und die berühmten letzten Worte.