4.0

Die Ausweichschule

von Kaleb Erdmann

Format:Hardcover
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Am letzten Tag der Abiturprüfungen im Jahr 2002 fallen Schüsse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Unser Erzähler erlebt diesen Tag als Elfjähriger, wird mit seinen Mitschülern evakuiert und registriert in den folgenden Wochen die Hilflosigkeit der Erwachsenen im Angesicht dieser Tat. Mehr als zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein und löst eine obsessive Beschäftigung mit dem Sujet aus, die in ein Romanprojekt resultieren soll. Aber warum nach so vielen Jahren alte Wunden aufreißen? Hat er ein Recht dazu? Wie verhält es sich mit seinen Erinnerungen, welche Geschichten hat er so häufig erzählt, dass sie wahr wurden? Kaleb Erdmanns Roman Die Ausweichschule ist ein gekonntes Spiel mit Perspektiven, ein Stück Autofiktion, das gleichermaßen publikumskritisch (wie voyeuristisch ist unser Interesse an der Aufarbeitung von Gewalttaten?) wie autokritisch ist (was gibt mir das Recht, über diesen Tag zu schreiben?). Ein pointierter, persönlicher, erschütternder Text über ein Phänomen, das uns weltweit umtreibt. »Wie sich Kaleb Erdmann dem Erfurter Amoklauf literarisch annähert ist ein Kunststück – er findet Worte für das Unsagbare und lässt einen wortlos zurück. Das Traurigste, Lustigste und Beste, was ich seit langem gelesen habe.« Caroline Wahl

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
304 SeitenHardcover
Erschienen an: July 31, 2025

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Aktuelle Rezensionen(22)

4.0(183 ratings)
Diana FarussRezension von Diana Faruss

Das Buch ist sehr tiefsinnig geschrieben und gibt viel von seinen Gedanken und Gefühlen zu dem Geschehen preis und seinem inneren Kampf, wie er das Buch gestalten soll. Gleichzeitig erfährt man Tatsachen und Fragen zu der Tat. Manche Essensberichte sind mir zu lange beschrieben, obwohl der Autor diese bewusst eingefügt hat.

Celine HandschuhRezension von Celine Handschuh

Ich habe mit etwas ganz anderem gerechnet und war trotzdem positiv überrascht! Ich war total gefesselt davon, wie der Autor seinen Aufarbeitungsprozess beschreibt, auch wenn es manchmal schon ein bisschen chaotisch zugeht. Aber das macht es wahrscheinlich auch so echt und nahbar.

isabellRezension von isabell

Ich hatte etwas anderes erwartet, denn die „Ausweichschule“ taucht so wirklich erst im letzten Drittel auf. Doch das was ich stattdessen gelesen habe, hat mich positiv überrasch: eine selbst-, kunst- und gesellschaftskritische Perspektive, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Literarisch und inhaltlich sehr wertvoll für mich und wohl noch für eine ganze Weile in meinem Kopf.

Dilara Rezension von Dilara

„Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung einer schweren Tat und den Auswirkungen auf die Beteiligten. Dabei stehen vor allem gesellschaftliche Fragen, Schuld und die Perspektiven der Figuren im Mittelpunkt. Anfangs fiel es mir schwer, in das Buch hineinzukommen, da der Schreibstil zunächst ungewohnt war und man sich erst daran gewöhnen musste. Danach wurde es leichter zu lesen, allerdings habe ich nicht ganz verstanden, inwiefern der Titel mit dem Inhalt zusammenhängt, weil über die Ausweichschule erst relativ spät mehr Informationen gegeben werden. Die Auseinandersetzung mit der Tat fand ich grundsätzlich interessant und gelungen, dennoch hatte ich inhaltlich etwas anderes erwartet. Deshalb sollte man vor dem Lesen wissen, dass das Buch anders aufgebaut ist, als der Titel zunächst vermuten lässt.

JulianRezension von Julian

Kaleb Erdmanns Debütroman nähert sich dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 aus der Perspektive eines Schülers, der damals in die titelgebende Ausweichschule verlegt wurde. Autofiktional, fragmentarisch, suchend – das Buch ist weniger Erzählung als Verarbeitungsprozess in Textform. Der Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig, trägt aber schnell. Schwieriger sind die zahlreichen Zeitsprünge: Bis zum Ende bleibt unklar, wie viele Erzählebenen es eigentlich gibt. Das ist als Stilmittel konsequent – Trauma funktioniert nicht chronologisch –, macht das Lesen aber stellenweise anstrengend. Manches wirkt wie notwendiges Drumherum, anderes hätte gestrafft werden können. Nach einem starken Auftakt verliert der Roman an Tempo und wirkt phasenweise beliebig. Das Ende greift dann zu einer Wendung, die für meinen Geschmack zu konstruiert geraten ist – gerade weil der Rest des Buches so um Authentizität ringt. Trotzdem: Eine beklemmende, ernsthafte Lektüre, die man aushalten können muss. Erdmann erzählt klug und interessant, und der Charakter des Buches als persönlicher Verarbeitungsprozess macht es zu einer Lektüre, die ihre Berechtigung gerade in dieser Sperrigkeit findet. Für Leser, die sich auf das Thema und die Form einlassen wollen, lohnt sich das.

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