Empfehlungen basierend auf "Der Mund voll Erde"

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von Ozan Zakariya Keskinkılıç

Muslimaniac steht für europäische Fantasien und Sehnsüchte nach Homogenität und Kontrolle, die sich am Feindbild Islam ausbilden. Aber genauso für die Gefühlswelt von Musliminnen und Muslimen selbst. Dafür, was es heißt, in ein Integrationskorsett gezwängt zu werden und sich ununterbrochen beweisen zu müssen. Es steht für die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstbild. Dafür, sich in Debatten, die über den eigenen Kopf hinweg geführt werden, nicht mehr erkennen zu können. Die Anfeindungen und Anschuldigungen, die Stereotype und Verschwörungsmythen – sie stecken wie ein Kloß im Hals. Es ist schwer, unter der Last der Fremdbilder ein selbstbestimmtes Ich auszubuchstabieren.Muslimaniac – in diesem Wort mischt sich die Fremdkonstruktion mit dem Geist des Ausbruchs aus Stereotypen.Ozan Zakariya Keskink?l?ç erzählt in "Muslimaniac" vom Phänomen des antimuslimischen Rassismus in unserer Gesellschaft anhand von Fakten, persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, historischen Bezügen und Analysen der Gegenwartsdebatten. Die Besonderheit seines Buches macht der sachliche, empathische und geradezu poetische Ton aus.

von Hasan Hasanovic

Hasan Hasanovic, Jahrgang 1973 stammt aus einem Dorf um Srebrenica. 1991 desertierte er aus der jugoslawischen Volksarmee und kehrte nach Srebrenica zurück wo er sich der im Entstehen befindlichen bosnischen Armee anschließt. 1993 stirbt sein Vater an Hunger, im gleichen Jahr heiratet Hasan und kurze Zeit später wird er Vater eines Sohnes der in belagerter Stadt auf die Welt kommt. Die ganze Zeit lebt die Bevölkerung unter Granatenbeschuss, zahlreiche bosniakische Flüchtlinge aus der Umgebung fliehen nach Srebrenica. Die Lage wird unerträglich. Im Juli 1995 nehmen die Serben die Stadt ein. Seine Mutter, seine Frau und sein Sohn flüchten in die niederländische UN Basis. Hasan, zusammen mit seinen jüngeren Brüdern Hajro und Hasib, macht sich auf den Weg durch die Wälder um das bosnische freie Territorium zu erreichen. Leider werden seine beiden Brüder dabei getötet; am Anfang der Flucht sein Bruder Hajro und kurz vor dem Ziel auch sein Bruder Hasib. Hasan lässt ihn nicht liegen, sondern trägt den Leichnam seines toten Bruders Hasib weitere 20km, um das Versprechen einzuhalten welches er seiner Mutter gegeben hat - dass mindestens 2 ihrer Söhne die Freiheit erlangen werden. Hasib Hasanovic wird somit das erste namentlich erfasste und begrabene Opfer des Srebrenica Genozids sein. Hasan Hasanovic lebt heute in Tuzla mit seiner Frau und 2 Kindern.

von Lejla Kalamujić

Ein Tag unter der Erde mit der Bergarbeiterin Selima. Nach einem Verkehrsunfall lernt Behka in der Tierarztpraxis Muharem kennen. Als Mozart verkleidet verticken Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien in Wien Konzertkarten. Ein Wasserrohrbruch wird zum Anlass, in die Lebensgeschichte der Urgroßmutter Hanifa einzutauchen. Und was ist während der Belagerung Sarajevos mit den Tieren im Zoo passiert? Die Geschichten sind Frauen und Queers, Migrant*innen und Arbeiter*innen, älteren, einsamen oder psychisch kranken Menschen gewidmet. Und ganz besonders Tieren. Ihre Perspektive und Verletzlichkeit macht die Unmenschlichkeit, in der wir leben, schmerzlich bewusst. Nach dem ersten, 2020 auf Deutsch erschienenen Erzählband Nennt mich Esteban weitet Lejla Kalamujić die Palette ihrer Figuren und Schauplätze aus. Was die Bücher jedoch verbindet, ist ihre empathische und humorvolle Art zu erzählen.

von Miljenko Jergović

"Miljenko Jergovic erzählt aus dem belagerten Sarajevo: Seine Helden sind die kleinen Leute, beschädigt und zerstört von den Schrecken des Krieges, der ihren Alltag und das Zusammenleben im Vielvölkerstaat völlig aus den Fugen hebt. Er erweist sich als Meister des Details: der Kaktus der Geliebten, der während des Bombardements im Keller vertrocknet; der Apfelbaum zwischen zwei Grundstücken, der in der schlimmsten Phase des Krieges die prächtigsten Äpfel trägt und zerstrittene Nachbarn in ihrer Not wieder zusammenbringt; der Tontopf für ein typisches bosnisches Gericht, der im Exil sehnlich vermisst wird - die einfachen Dinge des täglichen Lebens spiegeln die große Tragödie im Kleinen und lassen Schrecken und Verzweiflung unmittelbar spürbar werden: "Für die Welt, die so eingerichtet ist, wie sie es ist, gibt es eine Grundregel: Sieh zu, dass sich deine Habe auf zwei stets gepackte Taschen reduzieren lässt."Mit einem Paukenschlag hat sich Miljenko Jergovic mit diesen Geschichten in die erste Liga der europäischen Erzähler geschrieben."