4.1

Das schönste aller Leben

von Betty Boras

Format:Hardcover
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Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Sich anpassen, bloß nicht auffallen – das ist der Preis des Ankommens. Fleiß und Schönheit seine Währung. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Als jedoch Jahre später ihre zweijährige Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt, droht sie, an ihren Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt. Beiden Frauen ist die Banater Erde eingeschrieben, die zwischen den Jahrhunderten ein Band aus Schmerz und Schönheit spinnt.

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: February 17, 2026

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Aktuelle Rezensionen(5)

4.1(17 ratings)
Marina Schwarz Rezension von Marina Schwarz

Wie bedeutend ist Schönheit? Von der Handlung her hat mir das Buch weitestgehend gefallen. Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. So begleiten wir Vio, die mit ihren Eltern aus Rumänien gekommen ist, durch ihre Kindheit und Jugend. Gleichzeitig wird erzählt, wie ein Unglück ihr Leben als Mutter verändert. Und zum Schluss wird noch die Geschichte von Theresia erzählt, mit der vor ungefähr 300 Jahren das Leben von Vios Familie in Rumänien begann. Die Handlung fließt eher langsam dahin und verzichtet auf unnötige Spannung. Der Erzählstil ist klar und gut lesbar. Die Charaktere wirken authentisch und ihrer Zeit entsprechend. Man kann sich gut in ihre Gefühle hereinversetzen. Nur manchmal habe ich ein paar Probleme damit gehabt, dass für einige Charaktere das Thema Schönheit eine zu zentrale und bedeutende Rolle eingenommen hat. Schönheit und die rumänische Heimat scheint das Thema zu sein, welches alle Protagonisten und alle Handlungsstränge miteinander verbindet.

Christina KordesRezension von Christina Kordes

Gefühlvoll und ruhiger Roman über eine Familiengeschichte, tolle Erzählweisen - man muss die regelmäßigen Wechsel mögen - mir hat’s gefallen.

walliliestRezension von walliliest

Das Buch basiert auf drei Erzählsträngen. Theresia lebt im 18. Jahrhundert in der Nähe von Wien. Von der Keuschheitskommission wird sie mit 19 Jahren ins Banat verbannt und landet in einem Arbeitslager, in dem sie unter schwierigsten Bedingungen als Spinnerin arbeiten muss. Vio lebt mit ihren Eltern und Großeltern in einem deutschen Dorf im rumänischen Banat, in Glogawatz. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch, kann die Familie 1990 legal nach Deutschland auswandern. Vio versucht als Jugendliche nichts mehr, als sich anzupassen und nicht aufzufallen um in ihrer Schule dazu zu gehören. Die Ich-Erzählerin (die erwachsene Vio) zweifelt nach einem tragischen Unfall an sich als Mutter und kann kaum an etwas anderes denken, was die Anderen über sie als Mutter denken. Sie trauert der vermeintlich verlorenen Schönheit ihrer Tochter nach. Und dann gibt es noch die Banater Erde. Sie war schon immer da und weiß über Gefühle und Gedanken ihrer ehemaligen Bewohner zu erzählen. Hat es den Auswanderern wirklich etwas gebracht zu gehen? Sind sie nicht auf ewig mit der Banater Erde verbunden? Fazit: Es geht im Debütroman von Betty Boras um Herkunft, Mutterschaft und Schönheitsideale. Für mich geht es aber auch um meine Wurzeln. Ich bin selbst mit meinen Eltern aus einem deutschen Dorf im Banat ausgewandert, als ich fünf war. Ich kenne das Essen wie Paprikasch und Cremes, die Redewendungen, die Vios Eltern verwenden, und vor allem die Denkweise, dass das wichtigste im Leben überhaupt sei, was die Anderen über einen denken. Es gibt viele Parallelen zwischen Vio und mir und auch ich war mit meinem Mann und meinen Eltern im Banat und wir haben das Kloster Maria Radna besichtigt und Amandine in der Cafeteria Libelula in Arad gegessen. Absolute Leseempfehlung!!!

BrittaRezension von Britta

„Das schönste aller Leben“ erzählt aus vier Perspektiven: der Sicht der Banater Erde, der jungen Vio, der erwachsenen Vio und der Figur Theresia aus dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Vio, die in den 90er Jahren mit ihren Eltern als Aussiedler aus dem rumänischen Banat nach Deutschland kommen. Wie viele Banater Schwaben hat ihre Familie deutsche Wurzeln. Sie fühlt sich jedoch weder ganz in Rumänien noch in Deutschland wirklich zugehörig. Parallel dazu wird die Geschichte von Theresia erzählt, deren Schicksal im 18. Jahrhundert ebenfalls von gesellschaftlichen Normen und Schuldzuweisungen geprägt ist. Beide Frauen verbindet Leid, Schicksal und Schuld. Besonders stark arbeitet Boras heraus, welche Rolle Schönheit im Leben von Frauen spielt. Theresia wird als „schuldig“ dargestellt, weil sie einen Diakon verführt haben soll. Schliesslich, so die Logik der Gesellschaft, konnte er sich als Mann ihrer Schönheit kaum entziehen. Auch Vio wächst mit der Botschaft auf, dass Schönheit über Chancen im Leben entscheidet. Mädchen lernen früh, dass sie in ein bestimmtes Korsett passen müssen. Sogar die Namen von Mädchen spiegeln oft Erwartungen und Tugenden wider („lieb“, „brav“), orientieren sich an Blumen oder bedeuten in der Übersetzung „die Schöne“. So zeigt der Roman eindrücklich, dass Schönheit eine gesellschaftliche Erwartung ist, die entweder Glück bringen oder auch zum Verhängnis werden kann. Überzeugend fand ich, wie stark Mädchen schon früh von Schönheitsidealen geprägt werden. Dies wird vor allem an der Figur Vio deutlich. Zeitweise fand ich sie allerdings etwas anstrengend, weil sich ihre Gedanken sehr stark darum drehten, was andere über sie oder später über ihre Tochter denken könnten. Nachdem ihre Tochter durch einen Unfall Narben behält, wird diese Sorge beinahe zum einzigen Thema. Dieser Teil zog sich etwas in die Länge. Positiv fand ich aber, dass Vio eine Entwicklung durchmacht. Am Ende wird deutlich, dass die Außenwelt zwar hart urteilt, Eltern ihren Kindern aber Resilienz und Selbstakzeptanz mitgeben können und sich für ihr Kind immer das schönste aller Leben wünschen.

Jacqueline RömerRezension von Jacqueline Römer

„Ich möchte eine schöne Tochter.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman Immer noch ist es (auch) Schönheit, die Mütter ihren Töchtern wünschen, in ihren Gesichtern suchen von klein auf. Auch ich. Im Romandebüt von Betty Boras spielt Schönheit neben Herkunft ein wichtige Rolle, eine zweischneidige. Der Roman begeistert mich mit seinen verschiedenen weiblichen Erzählstimmen. Da sind zum einen Theresia und Vio, zwei Frauen einer Familie. Sie bilden Anfang und Ende einer Familiengeschichte im sogenannten Banat in Rumänien. Die eine wird unfreiwillig ins Banat verschleppt und entschließt sich schlussendlich freiwillig dort zu bleiben. Die andere verlässt mehr als 200 Jahre später wiederum unfreiwillig als Kind das Banat und geht mit den Eltern nach Deutschland. Doch es gibt noch eine dritte weibliche Stimmen: die Banater Erde. Sie erklärt, philosophiert, klagt und öffnet eine Klammer, ohne sie am Ende endgültig zu schließen. Besonders berührt hat mich die Geschichte auch deshalb, weil die Darstellung der intensiven Körperlichkeit und des körperlichen wie seelischen Leidens der beiden Frauen mich eine große Nähe zu ihnen empfinden ließ. Ein Debüt, das die Frage nach Heimat und Herkunft auf besondere Weise mit den Lasten des Frau- und Mutterseins verbindet. Große Leseempfehlung ❤️

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