Die Utopie der Bildung versprach einst, daß der Mensch durch seinen Aufstieg zur Gottesebenbildlichkeit sich selbst und seine Welt durch Vernunft zu bilden vermöchte: einem Bildhauer gleich. Bildung ist: höchste theoretische Einsicht in die Welt als Ganze, praktische Verwirklichung des Menschen als Menschen, der Gesellschaft als eines vernünftigen „Vereins freier Menschen“ – so daß der Mensch sich seiner selbst und seiner Verhältnisse bewusst ist. Als Prozess ist Bildung: Kritik des herrschenden Bewusstseins, praktische Kritik der herrschenden Verhältnisse – Aufklärung durch das „Ändern der Umstände“ und „Selbstveränderung“ ineins (Marx). Diese Utopie wurde geboren in der griechischen Antike, aufgenommen und radikalisiert in der Renaissance, leitende Utopie in der Epoche der liberalen Aufklärung – um am Ende des 19. Jahrhunderts in der Ausbildung von Menschen zu Maschinenmenschen in einer Maschinengesellschaft unterzugehen. Die theoretische und praktische Negation der Utopien der Bildung: des gebildeten Individuums und der vernünftigen Gesellschaft, hat seitdem einige Stadien durchlaufen. Die neueste Gestalt der Negation dieser Utopien durch den gesellschaftlichen Fetischismus ist der zur Globalisierung verallgemeinerte Neoliberalismus: die neoliberale Wissensgesellschaft. Seit der Neoliberalismus durch die De-Regulierung von Kapital-, Dienstleistungs-, Waren- und Arbeitskräfte-Verkehr die „Wissensgesellschaft“ und „Informationsgesellschaft“ installierte, erscheint Wissen als der „neue Vermögenswert“, scheint sich die „Produktion von Wissen als Schnellspur zu höherem Wachstum zu erweisen.“ (UNDP) Wissen, als immaterielle Potenz, sprengt „die Fesseln von Kosten, Zeit und Entfernung“, die „Fesseln der Natur“, und konstituiert dadurch nicht nur die globale Ökonomie, sondern verspricht auch die Überwindung der Grenzen des Wachstums – der Grenzen des kapitalistischen Akkumulation ...
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Bildung - Von der Utopie zur neoliberalen Wissensgesellschaft
Die Utopie der Bildung versprach einst, daß der Mensch durch seinen Aufstieg zur Gottesebenbildlichkeit sich selbst und seine Welt durch Vernunft zu bilden vermöchte: einem Bildhauer gleich. Bildung ist: höchste theoretische Einsicht in die Welt als Ganze, praktische Verwirklichung des Menschen als Menschen, der Gesellschaft als eines vernünftigen „Vereins freier Menschen“ – so daß der Mensch sich seiner selbst und seiner Verhältnisse bewusst ist. Als Prozess ist Bildung: Kritik des herrschenden Bewusstseins, praktische Kritik der herrschenden Verhältnisse – Aufklärung durch das „Ändern der Umstände“ und „Selbstveränderung“ ineins (Marx). Diese Utopie wurde geboren in der griechischen Antike, aufgenommen und radikalisiert in der Renaissance, leitende Utopie in der Epoche der liberalen Aufklärung – um am Ende des 19. Jahrhunderts in der Ausbildung von Menschen zu Maschinenmenschen in einer Maschinengesellschaft unterzugehen. Die theoretische und praktische Negation der Utopien der Bildung: des gebildeten Individuums und der vernünftigen Gesellschaft, hat seitdem einige Stadien durchlaufen. Die neueste Gestalt der Negation dieser Utopien durch den gesellschaftlichen Fetischismus ist der zur Globalisierung verallgemeinerte Neoliberalismus: die neoliberale Wissensgesellschaft. Seit der Neoliberalismus durch die De-Regulierung von Kapital-, Dienstleistungs-, Waren- und Arbeitskräfte-Verkehr die „Wissensgesellschaft“ und „Informationsgesellschaft“ installierte, erscheint Wissen als der „neue Vermögenswert“, scheint sich die „Produktion von Wissen als Schnellspur zu höherem Wachstum zu erweisen.“ (UNDP) Wissen, als immaterielle Potenz, sprengt „die Fesseln von Kosten, Zeit und Entfernung“, die „Fesseln der Natur“, und konstituiert dadurch nicht nur die globale Ökonomie, sondern verspricht auch die Überwindung der Grenzen des Wachstums – der Grenzen des kapitalistischen Akkumulation ...
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