4.0

108 Perlen der Weisheit

von Dalai Lama

Format:Softcover

108 Meditationen für alle Menschen auf dem Weg zur HarmonieDie Worte des Dalai Lama sind voll lebendiger Weisheit und eine Quelle der Inspiration auf dem Weg zu mehr Toleranz, Liebe und Respekt. Seine 108 Meditationen stehen symbolisch für die 108 Perlen der buddhistischen Glaubenskette, der Mala. Sie sind poetische Mantras, die die Bedeutung von Liebe und Mitgefühl als Grundlagen für das spirituelle Wachstum jedes Einzelnen verdeutlichen. Mithilfe dieser Mantras des Dalai Lama wachsen Geist und Herz, und jede einzelne Perle ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einem friedvolleren Leben.Ein großartiges Buch im praktischen Mini-Format.

Selbsthilfe, Gesundheit & Lifestyle
192 SeitenSoftcover
Erschienen an: April 20, 2015

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BuchsuchtRezension von Buchsucht

Ein leiser Begleiter für hektische Zeiten Catherine Barry hat 108 Zitate, Meditationen und kurze Reflexionen des 14. Dalai Lama zusammengestellt – eine Auswahl aus Reden, Schriften und öffentlichen Auftritten des Friedensnobelpreisträgers. Die Zahl 108 ist dabei nicht zufällig: Sie steht symbolisch für die 108 Perlen einer buddhistischen Gebetskette, der Mala. Jede „Perle“ in diesem Buch ist eine kurze Reflexion zu Themen wie Mitgefühl, Geduld, Zufriedenheit, Glück, Vergebung, Tod und dem Umgang mit Leid. Die einzelnen Texte sind kurz – mal nur ein Satz, mal eine halbe Seite. Das Buch lässt sich theoretisch in zwei Stunden durchlesen. Praktisch aber wirkt es so, dass man immer wieder innehalten muss. Eine Weisheit setzt sich fest, man liest sie noch einmal, klappt das Buch zu, denkt nach. Es ist weniger ein Buch zum Lesen als eines, mit dem man arbeitet. Ein Begleiter, kein Schmöker. Was den Dalai Lama in seinen Texten so besonders macht: Seine Worte sind nie kompliziert. Er spricht nicht in verschachtelten philosophischen Konstruktionen, sondern in einer fast schon kindlich-klaren Sprache. Sätze, die jeder verstehen kann – und gerade deshalb so wirkungsvoll sind. Es gibt keine Esoterik, keine Mystifizierung, keine Pseudo-Tiefe. Stattdessen: nüchterne, freundliche Beobachtungen über das Menschsein. Elisabeth Liebl hat die deutsche Übersetzung sehr behutsam gestaltet. Sie behält die Schlichtheit des Tons bei, ohne dabei sprachlich flach zu werden. Das ist eine Kunst für sich: spirituelle Texte zu übertragen, ohne in pathetischen Kitsch oder esoterische Floskeln abzurutschen. Liebl ist genau dieser schmale Grat gelungen. Das Little-Book-Format ist genau richtig für diesen Stoff. Das Buch passt in jede Handtasche, jeden Rucksack, jede Jackentasche. Genau so soll man es nutzen: nicht von vorne bis hinten durchlesen, sondern dann zur Hand nehmen, wenn man kurz Pause vom Alltag braucht. Auf der U-Bahn-Fahrt eine Perle lesen. Vor dem Schlafengehen eine. Am Sonntagmorgen mit Kaffee eine. Das Buch ist klar nummeriert von 1 bis 108, sodass man bei Bedarf chronologisch durchgehen kann. Es gibt aber auch keinen zwingenden Grund dafür – man kann genauso gut blättern, eine Seite zufällig aufschlagen und sich von der Perle ansprechen lassen, die einem gerade begegnet. Dieses spielerische Element hat etwas Meditatives. Manche Weisheiten liegen so offen, dass man sich beim Lesen fragt: „Ja, das ist doch klar – warum lebe ich nicht danach?“ Genau diese kleinen Wachrüttler sind die größte Stärke des Buchs. Es geht nicht darum, neues, geheimes Wissen zu vermitteln. Es geht darum, einfaches Wissen, das wir alle haben, wieder ins Bewusstsein zu rücken. Andere Weisheiten brauchen mehrere Anläufe. Ich habe einige Perlen mehrfach gelesen, bei manchen ein Lesezeichen reingelegt, weil ich sie verstanden, aber noch nicht annehmen konnte. Genau das beschreibt das Buch auch selbst: Manche Perlen kann man erst „zum Glänzen polieren“, wenn man sich Zeit nimmt – und sich vielleicht erst in der nächsten Lebensphase wirklich auf sie einlassen kann. Eine wichtige Sache vorweg: Dieses Buch funktioniert auch für Menschen, die mit Buddhismus oder organisierter Religion nichts anfangen können. Der Dalai Lama spricht über universelle menschliche Themen – Glück, Mitgefühl, Gelassenheit, Akzeptanz. Diese Themen kennen alle Religionen, alle Weltbilder, alle Lebenswege. Wer säkular lebt, wird die Weisheiten genauso verstehen wie jemand mit spiritueller Praxis. Was ich besonders schätze: Der Dalai Lama missioniert nicht. Er beschreibt seine Sicht, ohne sie als die einzige Wahrheit zu verkaufen. „Wenn dir das hilft, nimm es. Wenn nicht, lass es liegen“ – diese Haltung schwingt in jedem seiner Texte mit. Das macht das Buch zu einem ehrlichen Geschenk an die Lesenden, nicht zu einem Versuch der Überzeugung. Was die Texte zusätzlich auflädt: das Wissen um den Mann, der sie geschrieben hat. Der Dalai Lama lebt seit 1959 im indischen Exil, nachdem er nach der Besetzung Tibets durch China fliehen musste. Er hat sein Heimatland nie wiedersehen können. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, spricht er immer wieder über Vergebung, Mitgefühl auch mit den eigenen Gegnern, Loslassen von Zorn. Wer das im Hinterkopf hat, liest die Worte mit anderer Aufmerksamkeit. Hier spricht jemand über Frieden, der nie wirklich Frieden mit der eigenen Lebensgeschichte schließen konnte. Hier spricht jemand über Akzeptanz, der vieles akzeptieren musste, was niemand akzeptieren sollte. Diese Tiefe gibt den Texten eine Dimension, die in vergleichbaren Selbsthilfebüchern oft fehlt. Was mich besonders gepackt hat: die Perlen über die Sorgen, mit denen wir uns selbst quälen. Über die Erkenntnis, dass uns nicht die Ereignisse leiden lassen, sondern unser Umgang mit ihnen. Über die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben, und was nur dringend wirkt, aber eigentlich keine Rolle spielt. Das sind keine neuen Gedanken. Ich kenne sie aus der Stoa, aus der buddhistischen Philosophie, aus moderner kognitiver Verhaltenstherapie. Aber so klar, so freundlich, so prägnant habe ich sie selten formuliert gelesen. Dafür allein lohnt das Buch. Mein Fazit: „108 Perlen der Weisheit“ ist eines dieser Bücher, von denen ich nicht erwartet hätte, dass sie mich so packen. Klein, schlicht, scheinbar einfach, und doch so wirkungsvoll, dass ich seitdem regelmäßig hineinblättere. Es ist kein Buch, das man liest und beiseite legt. Es ist ein Begleiter, den man auf dem Nachttisch oder in der Handtasche hat und der einem dann etwas zu sagen hat, wenn man es braucht. Mein Tipp: Verschenkt das Buch. An Menschen, die gerade einen schwierigen Moment erleben. An Menschen, die viel arbeiten und wenig innehalten. An Menschen, die einfach etwas Schönes zum Lesen brauchen. Wenige Bücher haben so viel Wert pro Seite. Empfehlenswert für alle, die in unruhigen Zeiten kleine Anker suchen. Für Menschen, die mit Achtsamkeit, Meditation oder buddhistischer Lebensphilosophie liebäugeln, aber keinen schweren Einstieg wagen wollen. Auch ein wundervolles Geschenk – für Freund:innen in schwierigen Lebensphasen, zur Hochzeit, zum Geburtstag, zum Bestehen einer Prüfung oder einfach ohne Anlass. Das kleine Format macht es zum perfekten Mitbringsel. Eher nichts für Leser:innen, die strukturierte Anleitungen mit Übungen oder konkreten Schritt-für-Schritt-Plänen suchen, oder die Skepsis gegenüber spiritueller Literatur grundsätzlich nicht ablegen können – dieses Buch will keine Sachargumente liefern, sondern Reflexion anstoßen.

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